01. Juli 2018

Riester-Rentenbetrug Staatliche Förderung geht direkt in die Taschen von Banken und Versicherern

Ein schlechtes Geschäft, selbst ohne Negativzinsen

von Michael Klein

Artikelbild
Bildquelle: shutterstock Schlechtes Geschäft: Riester-Rente

Das Landgericht Thüringen hat entschieden, dass Riester-Renten auch mit Negativzinsen belastet werden dürfen, damit aus dem Wenigen, das bei Riester-Renten bleibt, noch weniger wird. Aber selbst wenn man keine Negativzinsen annimmt, ist eine Riester-Rente ein schlechtes Geschäft, bei dem die staatlichen Zulagen direkt in die Taschen der Banken oder Versicherungen wandern, die eine Riester-Rente anbieten. Um dies zu sehen, muss man nur die vorgeschriebenen Produktinformationen zur Kenntnis nehmen und ein bisschen rechnen.

Wir machen das einmal am Beispiel der Riester-Rente der Sparkassenversicherung. Der Vertrag sieht zum Beispiel eine Laufzeit von 20 Jahren vor und einen monatlichen Beitrag von 85 Euro. Am Ende der Laufzeit hat ein Kunde somit 20.400 Euro in die Versicherung eingezahlt. Ist er ledig und hat keine Kinder, dann erhält er staatliche Zulagen in Höhe von 3.325 Euro, so dass 23.725 Euro am Ende der Vertragslaufzeit bei der Sparkasse eingezahlt wurden.

Die Sparkasse garantiert jedem, der den von uns ausgewählten Vertrag abgeschlossen hat, ein Endkapital von 24.302 Euro, was einer  Verzinsung von 2,4 Prozent oder 577 Euro entspricht. Vom Endkapital sind Effektivkosten in Höhe von 529,88 Euro Abschluss- und Vertriebskosten sowie 81,07 Euro Verwaltungskosten abzuziehen, so dass der Zinsgewinn von den Gebühren, die die Sparkasse erhebt, aufgefressen wird. Vom verbleibenden Kapital von 23.691,05 Euro garantiert die Sparkasse ab dem frühestmöglichen Renteneintritt des 62. Lebensjahres eine monatliche Rentenzahlung von 75 Euro für die Dauer des verbleibenden Lebens.

Die verbleibende Lebenszeit für Männer, die mit 62 Jahren in Rente gehen, beträgt im Durchschnitt noch 20 Jahre. Männer, die mit 65 Jahren in Rente gehen, haben noch eine Lebenserwartung von im Durchschnitt rund 18 Jahren. Die entsprechenden Daten für Frauen: 62 Jahre: Lebenserwartung 23 Jahre; 65 Jahre: Lebenserwartung 21 Jahre. Die Rechnung für die durchschnittlich zu erwartende Auszahlung, die auf den Riester-Versicherer zukommt, lautet: Renteneintritt 62 Jahre: Männer: Durchschnittliche Auszahlung von 18.000 Euro (eingezahltes Kapital 24.302 Euro). Frauen: Durchschnittliche Auszahlung von 20.700 Euro (eingezahltes Kapital 24.302 Euro). Renteneintritt 65 Jahre: Männer: Durchschnittliche Auszahlung von 16.200 Euro (eingezahltes Kapital 24.302 Euro). Frauen: Durchschnittliche Auszahlung von 18.900 Euro (eingezahltes Kapital 24.302 Euro). Die vom Riester-Versicherer einbehaltene durchschnittliche Differenz beträgt: Renteneintritt 62 Jahre: Männer: 6.302 Euro (davon 3.325 Euro staatliche Zulage). Frauen: 3.602 Euro (davon 3.325 Euro staatliche Zulage). Renteneintritt 65 Jahre: Männer: 8.102 Euro (davon 3.325 Euro staatliche Zulage). Frauen: 5.402 Euro (davon 3.325 Euro staatliche Zulage).

Die Ergebnisse der kleinen Rechnung sind eindeutig. Erstens: Von Riester-Renten profitieren ausschließlich diejenigen, die Riester-Verträge abschließen. Selbst bei einer positiven Verzinsung wandern die staatlichen Zulagen im Durchschnitt der Versicherten vollständig in die Taschen der Versicherer. Zweitens: Die Auszahlungen, die die Versicherer garantieren, ermöglichen ihnen im hier verwendeten Beispiel einen auf die Kapitalsumme gerechneten durchschnittlichen Gewinn von zwischen 14,8 Prozent (Frauen, Renteneintritt mit 62 Jahren) und 33,3 Prozent (Männer, Renteneintritt 65 Jahre). Drittens: Riester-Rentenverträge lohnen sich insgesamt betrachtet nur für Versicherer, nicht für Versicherte, und sie sind für Männer ein noch größeres Minusgeschäft als für Frauen.

Zum Vergleich: Hätte ein Mann 20 Jahre lang 85 Euro monatlich zur Seite gelegt, zum Beispiel unter der Matratze, dann hätte er am Ende der 20 Jahre 20.400 Euro gespart. Auf Basis seiner durchschnittlichen Lebenserwartung von noch 20 Jahren bei Renteneintritt mit 62 Jahren oder noch 18 Jahren bei Renteneintritt mit 65 Jahren könnte sich unser Mann pro Monat eine zusätzliche Rente von 85 Euro beziehungsweise 94,40 Euro gewähren. Das spricht eindeutig für das Geld unter der Matratze und ist ein Grund dafür, warum Regierungen Bargeld abschaffen wollen.

Die Berechnungen basieren auf der Annahme einer realen Verzinsung von rund 2,4 Prozent bei 20 Jahren Laufzeit. Was passiert, wenn geringere oder gar Zinsen im Rahmen eines flexiblen Vertrags wie zum Beispiel Vorsorge Plus angenommen werden, das kann sich nun jeder selbst ausrechnen. Wer es nicht auf Anhieb kann, hier ein Tipp: Die Versicherten profitieren nicht davon.

Alle Berechnungen haben die Inflationsrate unberücksichtigt gelassen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Sciencefiles“.


Artikel bewerten

Artikel teilen

Facebook Icon Twitter Icon VZ Icon del.icio.us Logo Reddit Logo

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Dossier: Altersvorsorge

Mehr von Michael Klein

Autor

Michael Klein

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige