21. Mai 2018

Ein Mitglied der FDP über die Zukunft seiner Partei und ihr Potential im Politzirkus Bei den Linken gibt es für die Freien Demokraten nichts zu holen

Steht aufrecht und lauter als bisher zu euren Überzeugungen!

von Christopher Sensebusch

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Bildquelle: Pixabay FDP: Auf dem Weg zur Volkspartei?

Es ist mir ein Rätsel, wie so viele heute immer noch über die Frage vermeintlicher Rechtsradikalität Christian Lindners diskutieren können. Dieser Vorwurf sollte sich nach Sekundenbruchteilen mit dem Befund: „Völlig absurd!“ aus dem Kurzzeitgedächtnis gelöscht haben. (So wie übrigens auch Chris Pyaks ganze Mitgliedschaft in der FDP.) 

Aber vielleicht ist dieser Vorfall wenigstens dazu geeignet, deutlich zu machen, dass man gegen den substanzlosen Vorwurf, „rechts“ zu sein, in Deutschland sowieso nicht mehr gefeit ist, egal wieviel Mühe man in die Prophylaxe investiert. In Folge könnte das nämlich dazu führen, dass die FDP viel selbstbewusster, deutlicher und lauter Inhalte kommuniziert und zu ihnen steht, die sie meiner bescheidenen Meinung nach in der Vergangenheit aus Angst, man könne sie für „rechtspopulistisch“ halten und/oder zu sehr in die Nähe der AfD rücken, eher in sie hineingenuschelt und vor sich hergeflüstert hat.

Die FDP hat inhaltlich eindeutig das Potential zur deutlichen wie auch starken Opposition. Marktwirtschaftliche, ökonomisch rationale Positionen gegen die überbordende Planwirtschaft; freiheitliche Positionen gegen die wie eine Krake um sich greifende staatliche Entmündigung; differenzierte, aber doch klare, lösungsorientierte Programmatik zum allgegenwärtigen Thema Migration. Diese Wahrnehmung konnte sie aber bei einem Großteil der Bürger bisher nicht erzeugen. 

Und dafür kann man nicht den Bürgern die Schuld geben!

Daher erdreiste ich mich zu folgendem Ratschlag: Ja, die FDP ist in Fragen der Wirtschaftsliberalität der AfD näher als den anderen Parteien. So what? Es ist so albern wie kontraproduktiv, das zu bestreiten. Und dieser Umstand ist, solange es sich eben um liberale Positionen handelt, auch überhaupt nicht schlimm. Des weiteren ändert das nichts an der Divergenz in anderen Bereichen.

Als nicht ungravierendster Unterschied kommt die FDP dabei ohne massiv – pardon – querfrontverseuchte Basis aus (National‑) Bolschewiken, nationalistischen Sozialisten, DDR-Verharmlosern, Putin-Groupies, Reichsbürgern, Globuli-Lutschern, Astro-TV-Anrufern und Flacherdlern aus; mit denen tatsächlich konservative oder nationalliberale AfDler in großer Zahl zu kämpfen haben. Eine Verwechslungsgefahr hält sich also in überschaubaren Grenzen. 

Die Menschen, die die FDP anscheinend als potentielle Wähler zu verlieren fürchtet, weil sie bei jeder rationalen statt emotionalen Einlassung oder Position gleich die SA wieder aufmarschieren zu sehen glauben; die Menschen, die eine Forderung völlig ungeachtet ihrer inhaltlichen Richtigkeit prinzipiell ablehnen, weil die AfD ja schließlich das gleiche fordere; und vor allem jene Menschen, die meinen, liberal bedeute „nicht ganz so sozialistisch wie der Rest“ und die bei jedem Schritt in Richtung Freiheit und (mit ihr nun mal einhergehender) Eigenverantwortung wahlweise von „Raubtierkapitalismus“ oder den „bösen Bonzen“ schwafeln oder von Straßen voller Millionen Verhungernder fabulieren; all jene haben bereits die Wahl zwischen Grünen, SPD, umbenannter SED und heutiger Union – und werden von dort auch entsprechend umworben. Will sagen: Dort gibt es für die FDP weder viel zu verlieren, noch zu gewinnen! 

Was sich darin niederschlägt, dass die Freien Demokraten in einer Zeit, in der die Bundesbürger nach einer Alternative zu Angela Merkel und ihrer Großen Koalition der „Alternativlosigkeit“ regelrecht lechzen, bundesweit um zehn Prozent herumkrebsen, während viele Deutsche trotz des benannten fragwürdigen Beifangs die AfD oder widerwillig weiterhin die Union wählen (weil sie sich mangels anderer Optionen etwas von einer „innerparteilichen Opposition“ einreden) oder ihre Stimme an Kleinparteien wie LKR oder Freie Wähler geben... Weil sie die FDP einfach nicht als entschiedene, vehemente Opposition wahrnehmen, die tatsächlich willens und in der Lage ist, den aktuell fatalen Kurs dieses Landes herumzureißen. 

Dies sind die Menschen, die regelrecht darauf warten, von der FDP erreicht zu werden; dies ist das (große!) Potential einer bürgerlich-liberalen Partei in Deutschland. 

Dieser Rat ist daher gleichzeitig eine Bitte an meine Parteifreunde, speziell auch die, die nicht bloß so ein kleines Licht sind wie ich: Pfeift endlich auf unvermeidbare Diffamierung von links und den „Verlust“ von Wählern, die wir sowieso nicht gewinnen können – und meines Erachtens mangels Liberalität auch gar nicht gewinnen sollten! Hört auf, in Gewässern fischen zu wollen, die andere längst leergefischt haben! Steht aufrecht und lauter als bisher zu eurer Programmatik und euren Überzeugungen, auch wenn ihr euch hier und da unbeliebt macht! In einem Land, in dem man den Menschen Freiheitlichkeit, Eigenständigkeit und Unabhängigkeit (wie auch Patriotismus) seit langem ziemlich erfolgreich abtrainiert, ist es als echter Liberaler weder ein Wunder, noch gänzlich zu verhindern, dass man sich Feinde macht. Gerade deshalb kann es jedoch auch nicht anders funktionieren, dem Liberalismus wieder eine hörbare Stimme zu geben. 

Ob die FDP das Vakuum, das Angela Merkels CDU mit ihrem massiven Linksrutsch in der politischen Mitte erzeugt hat, als Potential erkennt und sich die nun politisch Unzufriedenen oder gar Heimatlosen anzusprechen traut oder nicht, wird den Unterschied machen zwischen einer Partei, die in Zukunft knapp oberhalb der Fünf-Prozent-Hürde dahinbröselt, und einer Partei, die durch echte Opposition zum aktuellen Fatalismus der Bundespolitik – ohne dabei aber die westliche Wertegemeinschaft abzulehnen – zu einer liberalen Volkspartei aufsteigen und dem Liberalismus in Deutschland damit vielleicht doch noch eine Chance geben kann.


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