14. Mai 2018

Eklat um saudi-arabische Flagge auf Bierflaschen der Eichbaum-Brauerei Wie der „gemäßigte“ Islam den öffentlichen Raum erobert

Die säkulare Gesellschaft hat aufgehört, zu kämpfen

von Ramin Peymani

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Bildquelle: shutterstock Führte zu wütenden Protesten: Saudi-arabische Flagge auf Kronkorken

Allzu gerne unterscheidet man in Deutschland zwischen dem radikalen und dem gemäßigten Islam. Zu letzterem werden jene Muslime gezählt, die es nicht auf Andersgläubige abgesehen haben oder ihnen nach dem Leben trachten. Radikal verhält sich in den Augen der Mehrheitsgesellschaft lediglich, wer eine offensichtliche Gefahr für Leib und Leben darstellt. Dazu gehören natürlich vor allem die feigen Selbstmordattentäter. Es gehören aber auch die offiziell bekannten rund 1.000 Gefährder dazu, die von den hiesigen Behörden beobachtet werden, während sie Straftaten vorbereiten, Hass säen und andere radikalisieren. Die Einteilung in nur zwei Kategorien wird der Realität jedoch nicht gerecht. Sie blendet die große Gruppe jener Muslime aus, die zwar niemals morden würden, unseren Gesellschaftsentwurf aber missbilligen oder verachten. Sie eint der Wunsch, alles aus dem westlichen Alltag zu verbannen, was ihrer Meinung nach im Widerspruch zum Islam steht. Die gewünschten Veränderungen versuchen sie auf vielfältige Weise durchzusetzen und müssen dabei noch nicht einmal besonders organisiert vorgehen, da sie wissen, wie sehr Politik, Medien und Unternehmen daran interessiert sind, es ihnen recht zu machen. Während die in unserer Gesellschaft verankerten Muslime nur deswegen integriert sind, weil sie sich im Grunde für die eigene Religion gar nicht interessieren, sind es die „Gemäßigten“, denen unser Hauptaugenmerk gelten muss. Sie gewinnen immer mehr an Einfluss und Macht.

Wieder wirft sich ein Unternehmen vor dem muslimischen Empörungschor in den Staub

Zu spüren bekommen dies längst auch die Lebensmittelkonzerne. Die sind allerdings selbst schuld, weil sie sich im Kampf um Kunden und Marktanteile allzu willfährig vor den muslimischen Karren spannen lassen. Noch in frischer Erinnerung sind die Retuschen, mit denen auf Lidl-Verpackungen die Kreuze von den Kirchdächern verschwanden, oder die unterwürfige Entschuldigungsarie des Discounters nach dem Shitstorm muslimischer Kunden infolge eines Frischkäseschnecken-Angebots, das Schweinefett enthielt. Die Rezeptur für das Produkt wurde schließlich geändert, obwohl bis dahin bei der breiten Kundschaft beliebt. Nun hat es die Eichbaum-Brauerei getroffen. Und wieder wirft sich ein Unternehmen vor dem muslimischen Empörungschor in den Staub, statt sich Angriffen selbstbewusst entgegenzustellen und zu seinen Produkten zu stehen. Der Bierhersteller hatte zur nahenden Fußballweltmeisterschaft wie bei vielen Turnieren zuvor die Flaggen aller Teilnehmer auf die Innenseite der Kronkorken gedruckt. Die Sammelleidenschaft der Deutschen kennend, ist dies nicht nur ein pfiffiger Marketing-Gag, sondern auch ein echter Absatzbringer. Blöd nur, dass diesmal auch Saudi-Arabien mit von der Partie ist, dessen Flagge die Huldigung Allahs ziert. Die Aktion war kaum angelaufen, da machten ihr wütende Muslime ein jähes Ende. Kleinmütig bat Eichbaum „förmlichst um Entschuldigung“ und versprach, alle noch nicht verkauften Flaschen aus dem Handel zu nehmen.

Proteststürme, Drohgebärden und Einschüchterungsversuche

Nun kann man durchaus über die Bigotterie derer philosophieren, die sich hinter verschlossenen Türen einen feuchten Kehricht um die Regeln ihrer Religion scheren und nur zu gerne dem Alkohol frönen. Doch der Punkt ist ein anderer: Der Canossa-Gang der Eichbaum-Brauerei macht deutlich, wie fest die sogenannten gemäßigten Muslime unser Land inzwischen im Griff haben. Sie nutzen jede sich bietende Gelegenheit für eine Demonstration ihrer Macht. Es geht ihnen nicht um die Sache, sondern darum, mit Proteststürmen, Drohgebärden und Einschüchterungsversuchen den Umbau der Gesellschaft zu einem islamfürchtigen Staat voranzutreiben. Da ihnen die Mehrheitsgesellschaft nicht entgegentritt, sie gar von Medien und Politik unterstützt werden und sich ihnen Weltkonzerne beugen, sitzen sie am längeren Hebel. Dabei stehen ihnen in Deutschland rund 77 Millionen Nicht-Muslime gegenüber, denen es ein Leichtes sein sollte, ihre Art, zu leben, zu verteidigen. Doch die Naivität der Deutschen ist nach wie vor so grenzenlos wie das Land selbst. Unter der Fuchtel „gemäßigter“ Muslime atmen die Beherrschten schon auf, wenn die Religion nichts Schlimmeres mit sich bringt als eigene Schwimmbadzeiten, erzwungene Umbenennungen von Festen oder spezielle Kita-Speisepläne. Die säkulare Gesellschaft hat aufgehört, zu kämpfen. Sie hat sich in ihrem „Stockholm-Syndrom“ eingerichtet. Werden unsere Enkel es uns einmal verzeihen können, dass wir die einst lebendige und pluralistische Demokratie einem monokulturellen Herrschaftsanspruch geopfert haben? Wir wissen, wie schwer es war, unseren Großeltern zu verzeihen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Liberale Warte“.


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