19. März 2018

Mauritius Afrika geht auch anders

Eines der am besten regierten Entwicklungsländer

von Volker Seitz

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Bildquelle: shutterstock Afrikanische Erfolgsgeschichte: Mauritius

Mauritius wurde vor 50 Jahren unabhängig, am 12. März 1968, nach 150 Jahren britischer Herrschaft. Seit der Unabhängigkeit entwickelt sich die Insel positiv und ist damit eine der wenigen Erfolgsgeschichten Afrikas. Mauritius ist ein Vielvölkerstaat. Die indischstämmige Bevölkerung ist mit 70 Prozent in der Mehrheit. 30 Prozent sind Kreolen und Afrikaner.

Die meisten Bewohner sind Hindus, ein Drittel sind Christen, und es gibt eine muslimische Minderheit. Präsidentin ist seit 2015 Ameenah Gurib-Fakim. Sie ist auf dem Kontinent die einzige Frau in diesem Amt. Mauritius hat eine stabile Demokratie mit regelmäßigen freien Wahlen und eine positive Bilanz bei der Durchsetzung von Menschenrechten.

Dadurch hat das Land bedeutende ausländische Investitionen angezogen und eines der höchsten Pro-Kopf-Einkommen in Afrika. In den letzten Jahren haben Naturkatastrophen und der fallende Preis für Zucker dazu geführt, dass sich das Wachstum verlangsamt hat. Die Volkswirtschaft stützt sich auf Zucker, Tourismus, Textilien und Bekleidung sowie Finanzdienstleistungen. Zudem dehnt sie sich auf weitere Bereiche aus: Fischverarbeitung, Informations- und Kommunikationstechnologie, Entwicklung des Hotel- und Gaststättengewerbes und des Immobiliensektors.

Mauritius hat durch eine konsequente Öffnungspolitik als Touristenstandort sowie als freie Produktionszone komparative Vorteile ausgenutzt. Längst ist der Tourismus Einnahmequelle Nummer eins. Die rund 65 Kilometer lange und 40 Kilometer breite Insel vor Madagaskar und Südafrika lockt mit vielen einfachen bis exklusiven Unterkünften.

„Die Mauritier sind eine Nation von Krankenpflegern“

Den Aufstieg von Mauritius in den letzten Jahrzehnten kann man nachvollziehen, wenn man den Nobelpreisträger V. S. Naipaul liest. Er berichtet in seinem Buch „Die letzte Kolonie“ (deutsch 2005), dass im Jahre 1972 noch viele Mauritier eine Anstellung als Krankenpfleger im Ausland suchten, weil die Arbeitslosigkeit ein großes Problem darstellte. Er schreibt: „Krankenpfleger sind die einzigen Mauritier, die man im Ausland willkommen heißt. Die Mauritier sind eine Nation von Krankenpflegern.“

Heute ist die Insel, mit einer Einwohnerzahl von etwas mehr als Köln, demokratisch, rechtsstaatlich, friedfertig (ohne Militär) und weltoffen, deshalb auch das Pro-Kopf-Einkommen an der Spitze Afrikas. Mauritius hat immer wieder neue Geschäftszweige aufgebaut, Tourismus, leistungsfähige Textil- und Bekleidungsindustrie, Call-Center, Finanzdienstleistungen, Informations- und Telekommunikationstechnologien sowie „Business Outsourcing“. Das Land profitiert von seiner Zeitzone zwischen Afrika und Asien.

Mauritius will bis 2021 rund 35 Prozent seines Strombedarfs aus erneuerbaren Energien decken. Angesichts fehlender landwirtschaftlicher Flächen kann sich das Land nicht selbst ernähren. Hauptlieferländer für Nahrungsmittel sind Australien, Spanien, Frankreich, Indien, Neuseeland und Südafrika. Die mauritische Sozialpolitik ist im afrikanischen Kontext vorbildlich. Die Regierung setzt auf Infrastrukturprojekte, insbesondere im Hafenbereich („Ocean Economy“), um den Fischereisektor zu stimulieren und Investitionen für die Fischverarbeitung zu fördern.

Der Inselstaat Mauritius ist eines der am besten regierten Entwicklungsländer. Das Land belegt Spitzenplätze im Economic Freedom Index, im Doing Business Ranking und beim Korruptionswahrnehmungsindex. Unabhängig ist es, wie gesagt, seit 1968. Die Bevölkerung beträgt 1,3 Millionen, das Bruttoinlandsprodukt 9.671,9 US-Dollar pro Einwohner, das demographische Wachstum 0,4 Prozent. Die Alphabetisierungsrate liegt bei 90,62 Prozent. Auf dem UNDP-Index der menschlichen Entwicklung (Human Development Index, HDI) belegt Mauritius den 64. Rang von 188.

Dieser Artikel erschien zuerst auf der „Achse des Guten“.


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