15. Februar 2018

Populismus, Neonationalismus, Protektionismus und ihr Führer Donald Trump Über eine dialektische Zangengeburt

Eine abweichende Meinung

von Axel B.C. Krauss

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Bildquelle: shutterstock Liest im Kopfstand: Medienkonsument

Gleich vorweg eine eindringliche Warnung: Dieser Kolumnenbeitrag ist nichts für Leute, die im Kopfstand (irre‑) führende Tageszeitungen abonniert haben. Gut, das war eine Tautologie, gewissermaßen. Denn wer (irre‑) führende Tageszeitungen abonniert, erst recht wenn sie von Lenkfabriken gedruckt werden, befindet sich per se schon im Kopfstand, sonst würde er den kopfständigen verbalen Nebelwurf, der die aus der Nebelwand unserer Zeit ähnlich einer Massenkarambolage auf der Autobahn förmlich schon schreienden und quietschenden Zeichen verzweifelt, aber – zumindest aus meiner Sicht – erfolglos als Abseitiges, Absurdes, Krudes, Undenkbares oder besser: gedanklich Unerlaubtes zu diffamieren versucht, gar nicht erst konsumieren. Denn aus normaler, fußständiger Sicht, die zu besitzen ich mich erdreiste, muss das, was spätestens seit dem „Wahl“-Sieg Donald Trumps (und schon davor) als „weltweiter Siegeszug des Nationalismus und Protektionismus“ in gewohnt synchroner, gleichgeschalteter Manier in den Propagandaheftchen herbeigeschrieben und stets beschworen wurde (und natürlich immer noch wird), eben erscheinen wie ein grotesk geschminkter Clown, der auf dem Kopf steht und mit den Füßen ein Plakat mit der Aufschrift „Kauf mich!“ schwenkt.

Ich kauf‘s aber nicht, so leid‘s mir tut. Habe ich von Anfang an nicht. Erst wirbt ein Newt Gingrich auf einem Mainstream-Sender vor einem Millionenpublikum damit, Trump sei „nicht durch die Initiierungsriten ihrer Geheimgesellschaften“ (!) gegangen. Obwohl gerade solche Themen, also „krude Theorien“, immer penibelst aus den „seriösen“ Nachrichtenkanälen herausgehalten und aus Leibeskräften lächerlich gemacht werden. Das allein war mir schon suspekt genug.

Ich werde nachfolgend beschreiben, warum ich der Ansicht bin, dass der 45. Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, quasi als Galionsfigur einer Antithese oder antithetischen Bewegung zum existierenden (und über Jahrzehnte sorgsam aufgebauten) Globalismus als These dient.

Ich werde versuchen, es so knapp und verdichtet wie möglich darzustellen und bitte Sie darum, mir ein Weilchen zu folgen – in drei Sätzen geht es natürlich auch nicht.

Punkt eins: Selbstverständlich gibt es mehr als nur eine mögliche Form von Globalisierung, also des Versuchs, „die Welt zu binden und zu führen“, wie Edward Bernays, den ich bereits in einem meiner letzten Beiträge zu Wort kommen ließ, in seinem Buch „Propaganda“ schrieb. Die „unsichtbaren Führer“, die „wir nie zu Gesicht bekommen“, sind es, so Bernays, „die sich uralte soziale Kräfte nutzbar machen“. Mit anderen Worten: Die sind ja nicht ganz doof (sonst wären sie nicht „Elite“) und wissen, auf welche „Knöpfe“ sie drücken müssen, um bei den „Massen“ bestimmte Reaktionen auszulösen. Sie kennen die „organisierten Gewohnheiten und Meinungen der Massen“, durch deren „bewusste und intelligente Manipulation“ sie erreichen, „dass wir in fast jeder Handlung unseres täglichen Lebens – sei es in der Sphäre von Politik und Geschäft, in unserem Sozialverhalten oder ethischen Denken, von einer vergleichsweise kleinen Zahl von Personen dominiert werden“.

Das ist aus herrschaftlicher Sicht auch vollkommen logisch: Eine vergleichsweise winzige Minderheit kann eine zahlenmäßig hoffnungslos überlegene Mehrheit nicht physisch kontrollieren, gängeln oder zu etwas zwingen. Sie würde in kürzester Zeit überrannt. Sie kann aber versuchen, einen Kanon an Welt- und Menschenbildern, politischen und wirtschaftlichen „Leitmotiven“, Ansichten und Überzeugungen, kurz, einen Bewusstseinsrahmen vorzugeben, in deren Grenzen sich die Regierten ihrer Auffassung nach doch bitte überwiegend zu bewegen haben. Wer diesen Vorgaben nicht folgen will, ist natürlich ein Verschwörungsspinner, den kann man nicht ernst nehmen, der erntet Spott und Gelächter. Sei‘s drum.

Auch die „Vereinten Nationen“, also die UN, sind das Produkt solcher geopolitischen Führungsabsichten, also im Bernaysschen Sinne der Führung und Bindung der Welt.

Noch mal kurz zusammengefasst: Die heute existierende Form der „Globalisierung“ ist nicht Resultat einer Art historisch immanenter Zwangsläufigkeit, sondern entstand aus bewussten machtelitären Entscheidungen. Sie bezeichne ich hier als „These“.

Der amerikanische Geschichtsprofessor Antony Cyril Sutton lieferte in seinem Buch „America‘s Secret Establishment“ eine sehr akkurate Beschreibung der dialektischen Methode zur Erzeugung erwünschter geschichtlicher Entwicklungen (unter Bezugnahme auf seinen Fachkollegen Carroll Quigley): „Im Gegensatz zu diesem Autor (Sutton) sympathisiert Quigley mit den Zielen der Gruppe, obwohl er ihre Methoden als abscheulich bezeichnet. Beide, sowohl Die Gruppe als auch Der Orden sind nicht willens oder schlicht unfähig, eine globale Gesellschaft durch Mittel der Freiwilligkeit herbeizuführen, also entschieden sie sich für Zwang. Um dies zu erreichen, kreierten sie Kriege und Revolutionen, plünderten öffentliche Kassen, unterdrückten, brandschatzten und logen – sogar gegenüber ihren eigenen Landsleuten.“ (Antony C. Sutton, „America‘s Secret Establishment – An Introduction to the Order of Skull & Bones“, 2009, Seite 31, Übersetzung aus dem Englischen durch mich.)

Und weiter heißt es darin: „Die operative Geschichte des Ordens kann nur verstanden werden im Rahmen eines Hegelschen dialektischen Prozesses. Einfach ausgedrückt geht es dabei um die Vorstellung, dass Konflikt Geschichte erzeugt. Aus diesem Axiom folgt, dass kontrollierter Konflikt eine vorbestimmte Geschichte erzeugen kann. Beispiel: Wenn die Trilaterale Kommission ‚gelenkten Konflikt‘ diskutiert, wie sie es in ihrer Literatur extensiv tut, impliziert die Kommission damit die gesteuerte Anwendung von Konflikten zur Erreichung langfristiger Ziele – keine bloß zufällige Übung manipulativer Kontrolle, um ein Problem zu lösen. Die Dialektik führt diesen ‚gelenkten Konflikt‘ der Trilateralen einen Schritt weiter. In Hegelschen Begriffen schafft eine existierende Kraft (These) eine Gegenkraft (Antithese). Konflikt zwischen beiden Kräften resultiert in der Bildung einer Synthese. Dann startet dieser Prozess von neuem: These gegen Antithese führt zu einer Synthese. Die Synthese, die vom Establishment angestrebt wird, nennt sich ‚Neue Weltordnung‘. Ohne kontrollierten Konflikt lässt sie sich nicht errichten. Zufällige individuelle Handlungen von Personen in der Gesellschaft würden diese Synthese nicht herbeiführen, die künstlich ist – deshalb muss sie erzeugt werden. Und das geht nur durch den kalkulierten, gelenkten Gebrauch von Konflikten.“ – „Das erklärt, warum die internationalen Bankiers die Nazis unterstützten, die Sowjetunion, Nordkorea, Nordvietnam, bis zum Erbrechen – gegen die Vereinigten Staaten. Der ‚Konflikt‘ erzeugt Profite, während man die Welt immer näher an eine Weltregierung heranführt. Der Prozess dauert bis heute an.“ (Seite 115, Übersetzung durch mich.)

In der Tat. Er dauert bis heute an. Siehe Nordkorea. Ach, das wussten Sie noch gar nicht? Sie hatten geglaubt, es habe sich dabei um bloßen Zufall gehandelt? Höhere Gewalt? Da könne man nun mal nichts machen? Doch, kann man. Aber das setzt voraus, dass man solche Überlegungen möglichst unvoreingenommen anstellt – ohne Rücksicht darauf, für wie „verrückt“ man deshalb von sogenannten „normalen“ Leuten gehalten wird oder wie viele „schräge Blicke“ man dafür erntet. Dies sollte in einer „freien Gesellschaft“ eigentlich problemlos möglich sein.

Um mich gegen Manipulationsversuche wehren zu können, muss ich mir ihrer Existenz überhaupt erst mal bewusst sein. Und genau da hapert‘s heute. Gewaltig. Viele Menschen sind leider nicht mehr in der Lage, ohne sofortiges inneres Zusammenzucken über die Grenzen der veröffentlichten Meinung (was wir wissen sollen, was wir nicht wissen dürfen) hinauszudenken.

Punkt zwei: Wie Sutton richtig herausstellte, ist, es sei noch einmal wiederholt, diese Ordnung der Welt, in der wir heute leben, Resultat ganz bestimmter machtelitärer Zielsetzungen. Er hielt korrekt fest, dass die federführenden Eliten sich dabei eines dialektischen Prozesses bedienen: Der Konflikt zwischen These und Antithese generiert eine Synthese, eine „Lösung“ von Problemen, die es ohne die vorab künstlich geschaffene beziehungsweise aufgebaute These gar nicht gäbe. Es war Jean-Claude Juncker, der diese dialektische Methode ebenfalls einmal recht genau beschrieb, als er sagte, man beschließe etwas und stelle das dann in den Raum (man schafft ein Problem), warte dann die Reaktion ab und mache dann – wenn es keinen Widerstand gibt, „keine Aufstände“, so Juncker, weil „die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde“ (!), einfach weiter, und zwar Schritt für Schritt, „bis es kein Zurück mehr gibt“.

Nun bin ich der Überzeugung, dass Trump eben als Galionsfigur einer solchen antithetischen Bewegung fungiert. Sie lautet: Populismus, Protektionismus, (Neo‑) Nationalismus. Was tat er unmittelbar nach seinem Amtsantritt? Er stellte so gut wie jede „Errungenschaft“ dieser globalistischen Eliten in Frage. Er teilte gegen ihre Schöpfung UNO aus. Er lehnte (zu Recht übrigens, aber das tut in diesem Kontext nichts zur Sache) den im wesentlichen in einer „Denkfabrik“ namens „Club of Rome“ im Rahmen der postindustriellen Nullwachstumsagenda erarbeiten Schwindel vom „menschengemachten Klimawandel“ ab, der nicht aus ökologischen Motiven entworfen wurde, sondern als ökologistischer und hochemotional-manipulativer Tarnschirm, hinter dem sich in Wahrheit knallharte Machtinteressen verbergen – nämlich der Wunsch, die wirtschaftliche Entwicklung einzelner Länder nach Gusto steuern zu können. Dahinter steckt nicht mehr als ein planwirtschaftlich-technokratischer Omnipotenz-Größenwahn mit Blickrichtung „Global Governance“. Und für kurze Zeit wendete er sich natürlich auch gegen eine der wichtigsten Einrichtungen der Globalisten zur geopolitischen Transformation der Welt: die „Weltpolizei“ namens „NATO“.

All das tat er nach meinem Dafürhalten in allzu offensichtlicher Manier, gerade so, als wolle er ganz gezielt den Eindruck eines wild entschlossenen „Widerständlers“ erwecken. Seine Politik – vor allem in puncto Rüstung beziehungsweise Verteidigungsausgaben und Krieg – spricht aber eine ganz andere Sprache. Hier macht er bislang nämlich gar nichts anders, im Gegenteil. Und wie ich bereits in mehreren Artikeln anhand eines Protokolls einer US-Senatsanhörung aus dem Jahre 2007 (!), in der niemand geringerer als der 2017 verstorbene Chefstratege der „Neuen Weltordnung“, Zbigniew Brzeziński, das weitere Vorgehen im Nahen Osten detailliert beschrieben hatte, zweifelsfrei nachweisen konnte, wird jetzt – wie geplant – in Richtung des Iran gepoltert, also des letzten Landes auf der „Liste von sieben Ländern“. Erst vor wenigen Tagen wurde seitens Washington scharf geschossen: Das Land sei eine Bedrohung für die „Stabilität“ in der von Brzeziński so bezeichneten „zentraleurasischen Region“, also dem Nahen Osten. Ah, ja. Ist damit eventuell diejenige Stabilität gemeint, die dank nicht enden wollender „Einsätze“ im Interesse der „Humanität“ seit der Seifenoper 9/11 in Grund und Boden gebombt wird? Ist das wieder einer dieser besonders schlechten Witze?

Brzeziński sagte in dieser Anhörung unter anderem: „Sollten die Vereinigten Staaten fortfahren, sich auf ein langwieriges Engagement im Irak einzulassen, wäre die Endstation dieser Talfahrt ein Konflikt mit dem Iran und mit einem großen Teil der islamischen Welt. Ein plausibles Szenario für eine militärische Auseinandersetzung mit dem Iran beinhaltet ein Versagen im Irak und ein Verfehlen der dortigen Ziele, gefolgt von Anschuldigungen, der Iran sei für dieses Scheitern verantwortlich; dann von irgendeiner Provokation im Irak oder einem Terrorangriff in den USA, den man dem Iran in die Schuhe schieben wird, kulminierend in einer ‚defensiven‘ US-Militäraktion gegen den Iran, durch die ein einsames Amerika in einem sich ausweitenden und vertiefenden Morast versinken würde, der sich schließlich durch den Irak, den Iran, Afghanistan und Pakistan ziehen wird. Ein mystisches historisches Narrativ zur Rechtfertigung eines solchen langwierigen und potentiell ausgedehnten Krieges wird bereits formuliert.“ Nun gab es zwar keinen Terrorangriff in den USA, aber eine – angebliche – Provokation, nämlich den Abschuss eines Kampfjets. Es war – wie eigentlich immer in solchen Fällen – noch gar nicht klar, was genau dort vorgefallen war, schon wurde mit den Säbeln gerasselt. Mit dem Segen des „Outsiders“ Trump übrigens, der kurz vor seiner Wahl mit Blick auf den Iran sagte: „Wir werden uns darum kümmern, das verspreche ich euch.“

Irgendjemand aus den Reihen der offensichtlich etwas sehschwachen Trump-Jünger möge mir doch bitte endlich mal erklären, in welcher seiner Haarspitzen ich nun den „Außenseiter“ suchen muss. Ich finde einfach keinen. Sorry.

Er plädierte für Schutzzölle, griff verlogenerweise andere Länder dafür an, den USA wirtschaftlich schaden zu wollen, und stellte Amerika als Opfer dar – obwohl die US-Fed in der Geschichte des Geldwesens den bislang größten Schaden angerichtet hat und Washington den Status des Dollar als „Weltleitwährung“ über Jahrzehnte gezielt als Druckmittel zur Erpressung anderer Länder nutzte, die sich den Wünschen des Weißen Hauses nicht beugen wollten. Und jemand wie Trump will das alles nicht gewusst haben? Er legt sich mit China an und kritisiert das Land scharf, obwohl ein Mann seines Status, seiner Kontakte, seiner zweifellos sehr hohen Intelligenz und seines Wissensstandes selbstverständlich sehr genau weiß, dass China ohne die großzügige Hilfe amerikanischer Plutokraten nicht so schnell zum „Global Player“ aufgestiegen wäre. Weder was die ausufernde Vergabe von Fiat-Krediten an Peking betrifft, noch die millionenfache Verlagerung amerikanischer Arbeitsplätze ins Reich der Mitte zur Deindustrialisierung Amerikas. Übrigens, dies nur am Rande: Der Chef der People‘s Bank of China sitzt in der „Group of Thirty“, der G30. Dort finden sich (mit Stand 2. August 2017) auch die Chefs oder ehemaligen Vorsitzenden und nicht selten heute als Hochschullehrer in Ökonomie (!) tätigen Chefs unter anderem der englischen, polnischen, europäischen, brasilianischen, schweizerischen, japanischen, französischen und indischen Zentralbank. Man findet dort außerdem, aber das ist natürlich Zufall, nahezu alle Fürsprecher des herrschenden Geldsystems wie zum Beispiel: Larry Summers (Ex-Chef der Weltbank), Kenneth Rogoff, Paul Krugman, Philipp Hildebrand (Blackrock), Timothy Geithner (Ex-Fed), Jaime Caruana (General Manager der BIZ), Paul Volcker (unter Nixon maßgeblich für die Schließung des Goldfensters verantwortlich, Ex-Fed), Ben Bernanke (Ex-Fed), Jean-Claude Trichet (ehemaliger Präsident der EZB) sowie zahlreiche Banker von JPMorgan und Goldman Sachs. Und so weiter und so fort. Kurz, auf diese Weise – durch die Konzentration der wichtigsten und führenden Köpfe in einer Gruppe – koordinieren die Eliten ihre Geldpolitik in den größten Ländern der Welt, außerdem versuchen sie dadurch, die Kontrolle über die wirtschaftswissenschaftliche Lehre durch Plazierung ihrer Systemstützstrümpfe in den „renommiertesten“ Hochschulen zu behalten. Nicht umsonst werden in allen (irre‑) führenden Tageszeitungen dieser bunten Republik pausenlos Leute wie Rogoff und Krugman zitiert, als wären sie Stellvertreter Gottes auf Erden.

Doch zurück zum vermeintlichen Outsider Trump: In den letzten Monaten kündigte sich in der Presse bereits an, wohin diese Reise gehen soll: Trump wird durch eben jenen „Protektionismus“ und „Nationalismus“ („America First“) höchstwahrscheinlich genau die Art von Krisen heraufbeschwören, genau dasjenige Chaos auslösen, das – im Konflikt mit der bestehenden internationalen Ordnung, die Trump, auch dies war seit seinem Amtsantritt immer wieder zu lesen, so stark gefährde – als Grundlage beziehungsweise Rechtfertigung für die neue Ordnung dienen soll. Und wem wird man diese Erschütterungen dann anlasten? Und das nicht nur in den USA, sondern nach demselben Muster auch in Europa? Natürlich: der populistischen und protektionistischen Bewegung, den „abgehängten, altweißen Nationalisten“ – und so weiter.

Um den „Federal Reserve Act“ durchzudrücken, bediente man sich eines recht simplen massenpsychologischen Tricks. Man wusste sehr genau, wie ablehnend US-Bürger der Gründung einer Zentralbank gegenüberstanden. Also ließ man über die Presse (die größtenteils eben jenen Bankiers gehörte, die hinter dem Fed-Act standen) verkünden, man wende sich entschieden dagegen. Man bediente fast schon Untergangsprophetien: Dieses Gesetz bedeute den Niedergang Amerikas. Die Reaktion fiel wunschgemäß aus: Also, wenn diese Bankster sich so sehr dagegen sträuben, kann es für uns Bürger eigentlich nur gut sein. Meiner Meinung nach greift bei Trump sowie dem „Populismus, Nationalismus und Protektionismus“ exakt dasselbe: Also, wenn der Mainstream und, wie bereits geschehen, so viele prominente Mitglieder dieser Eliten wie zum Beispiel eben erwähnter Paul Krugman (in mehreren Artikeln der „Welt“) so sehr dagegen verwahren und davor warnen, kann er für uns „einfache Leute“ eigentlich nur gut sein.

Ist er aber nicht. Er dient nur als Sprungbrett. Als dialektisches Schmiermittel – so zumindest die Absicht. Ob das aufgehen wird, sei natürlich dahingestellt.

Mir ist klar, wie abrisshaft das erscheinen muss, aber der Artikel ist bereits lang genug. Bei Interesse bin ich gerne bereit, noch sehr viel ausführlicher darauf einzugehen. Ich werde nachfolgend nur noch kurz beschreiben, wie das weitere Prozedere aussehen wird. Spätestens nach den nächsten größeren Krisen, seien es finanzsystemische/wirtschaftliche oder außenpolitische/militärische, wahrscheinlich sogar beides gleichzeitig, werden Sie in der Presse folgendes zu lesen bekommen: Man habe doch wirklich lange genug eindringlich vor den negativen Folgen dieser garstigen „Rechten“, dieser Reaktionären, die sich gegen den Globalismus stellen, gewarnt. Aber die Leute wollten ja nicht hören und wählten sie trotzdem in die Parlamente. Tja, das haben sie nun davon. Das ganze Chaos hätte man sich ersparen können, hätte man nur rechtzeitig auf die Warnungen gehört. Aber, und das ist ein ganz entscheidender Punkt, die lieben Kleinen sind eben zu dumm. Sie sind nicht fähig, intelligente, vernünftige politische Entscheidungen zu treffen. Sie haben die Falschen gewählt, und das haben sie jetzt davon. Doch keine Sorge, wir, eure Globalisten, haben bereits eine Lösung für euch parat: eine noch viel stärkere internationale Zusammenarbeit als bisher, eine „integriertere globale Ordnung“, wie David Rockefeller einmal schrieb, unter Aufsicht von „Weltbankiers und Intellektuellen“, eine Ordnung, die „der nationalen Souveränität vergangener Jahrhunderte sicher vorzuziehen ist“ (!). Das nächste Mal, ihr Dummerchen, hört ihr bitte gleich auf den weisen Ratschluss eurer Eliten. Kapiert?

Klingt überspannt? Weit hergeholt? Wüste Konspirationsphantasien?

„Die Zeit“, 7. Februar. Überschrift: „Die Retterin Englands“. Überraschung: „Mitten im Brexit-Chaos strahlt die britische Krone heller denn je. Ist Monarchie doch besser als Volksherrschaft?“ Klingeling. Natürlich ist sie besser. Erst recht nachdem die unfähigen Massen durch ihre falschen Wahlentscheidungen den Populisten und Protektionisten Auftrieb gaben, was unter anderem den Brexit zur Folge hatte inklusive des daraus resultierenden Chaos. So kann das ja nicht weitergehen. Man kann dem Fußvolk eben keine Entscheidungen von großer Tragweite überlassen. Vielleicht sollten wir zu guten alten Zeiten zurückkehren, in denen nur eine ganz kleine Minderheit über solche Fragen zu entscheiden hatte. Vielleicht sollten wir das Regieren lieber auserwählten Führern überlassen, die, um noch einmal auf Bernays zurückzukommen, durch ihre „natürlichen Führungsqualitäten“ zu überzeugen wissen. Ist doch egal, wie wir sie nennen, ob nun „Monarchen“ oder, wie Richard Nikolaus Coudenhove-Kalergi, „Plutokraten“, die sich des Staates als ihres „Werkzeuges und Helfershelfers“ bedienen.

Ich hoffe aufrichtig, mich zu irren. Bisher sieht es jedoch leider danach aus, als wolle man in genau diese Kerbe hauen – alles deutet bereits in diese Richtung, und das mit einer Deutlichkeit wie ein mit Höchstgeschwindigkeit auf den aufmerksamen Beobachter zudonnernder Güterzug.

Nachtrag: Nach Niederschrift dieses Beitrages erschien eine weitere Zeitungsmeldung, die exakt das geschilderte Narrativ bedient, sich ihm nahtlos anschließt. „Die Welt“, 13. Februar, Überschrift: „Der ‚König der Schulden‘ riskiert den Kollaps der Finanzwelt“. Trump treibe sein „Land in den Schuldensumpf“.

Ich weiß nicht mehr, was ich dazu noch sagen soll. Es wird beinahe täglich offensichtlicher. Allein in der Amtszeit Obamas stieg das US-Haushaltsdefizit meiner Kenntnis nach um circa fünf bis sechs Billionen (!) Dollar, andere Quellen sprechen von acht Billionen. Unter George W. dasselbe. Also warum dieser verlogene Unsinn von Trump als „König der Schulden“? Und warum könnte er „den Kollaps der Finanzwelt“ riskieren? Weil es darum geht, im Falle eines solchen Crashs alles ihm anzulasten. Verantwortlich dafür werden, wie weiter oben erklärt, die Knechte sein, die ihn trotz aller „Warnungen“ der Eliten gewählt haben...


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