14. September 2017

Energiewende und Katastrophenschutz Evakuierung von Florida mit E-Autos?

Ein Blick in die Zukunft

von Michael Limburg

Artikelbild
Bildquelle: shutterstock Evakuierung nach Naturkatastrophe: Auch mit E-Autos möglich?

Blogger Hadmut Danisch brachte es auf den Punkt: Man stelle sich vor, die Evakuierung Floridas – oder in naher Zukunft auch anderer Tropensturm-gefährdeter Gebiete – müsste mittels E-Autos vollzogen werden. Ein Alptraum: Massensterben auf den Autobahnen.

Während die Alarmisten auch die aktuelle Hurrikan-Saison – ohne jedes Zögern – dem menschgemachten Klimawandel in die Schuhe schieben, sagen wir Realisten, dass da nichts dran ist.

Doch egal wer letztendlich recht behalten wird, eines ist so sicher wie das Amen in der Kirche: Hurrikane werden weiterhin jedesmal im Spätsommer/Herbst über die tropische Inselwelt im Golf von Mexiko und die südliche Landmasse der Vereinigten Staaten von Amerika hinwegfegen, mal stärker, mal schwächer, und oft Unheil und Tod bringen. Je besser die Frühwarnsysteme werden und je mobiler die Menschen dort bleiben, desto weniger Opfer werden sie fordern.

Und nun stellen wir uns vor, dass die Grünen aller Parteien in ihrem vorgeblichen Wunsch nach Klimarettung nicht nur bei uns, sondern auch in den USA auf breiter Front die E-Mobilität eingeführt hätten, wenn nicht freiwillig als Dritt- oder Viert-Auto betuchter Familien, dann zwangsweise. Auf jeden Fall als individuelles Massentransportmittel.

Denn das bedeuten ja im Kern die bereits eingeführten – Norwegen, Großbritannien, bald Frankreich – oder noch kommenden Verbrennerverbote wie von Deutschland und der EU geplant. Eventuell dann auch in den USA, falls Hillary oder ein linker Nachfolger sich zur Wahl stellen und gewinnen würde. Ein Verbrennerverbot wäre dann auch dort denkbar.

Und nun zurück zur Hurrikan-Saison. Stellen wir uns vor, E-Mobile hätten bereits einen großen Anteil an der Autoflotte und ein starker landfallender Wirbelsturm wie Harvey oder jetzt Irma würde eine großvolumige Evakuierung erzwingen. Es wäre eine entsetzliche Vorstellung. Millionen Menschen, auf engstem Raum auf der Autobahn zusammengepfercht. Die langsamsten, besser: die massenweise mangels Ladung stehengebliebenen, bestimmten das Fahrtempo. Es wäre im Nu null!

Dann wären diese Millionen von Menschen den Naturgewalten völlig hilf- und schutzlos ausgeliefert. Millionen von Toten und Abermillionen von Verletzten wären die Folge.

Informatiker Hadmut Danisch hat diesen Zustand mal ein wenig durchgerechnet: „Überlegen wir mal: Unterstellen wir, dass der Tankfüllstand zufällig gleichverteilt ist, dürften die meisten Pkw in der Regel einen im Durchschnitt halbvollen Tank haben, vor so einer Katastrophe mit Ansage vielleicht auch besser aufgetankt. Man könnte also mit jedem funktionsfähigen Auto, das herumsteht, im Mittel so ungefähr 250 bis 400 Kilometer fahren. Florida ist etwa 800 Kilometer lang, für viele Bewohner (wohnen ja nicht alle ganz unten) mit einem spritsparenden Auto (ich weiß, USA…) käme man also mit quasi einer Tankfüllung und autark (von den Staus mal abgesehen) aus Florida heraus nach Norden. Selbst wenn der Füllstand nicht reicht: Energie durch Benzin und Diesel ist mit wenig Aufwand portabel, kann mit Tanklastwagen transportiert und leicht umgefüllt werden, man kann da immer etwas improvisieren oder bestehende Tankstellen behelfsmäßig – notfalls durch das Militär – wieder auffüllen und im Notbetrieb mit Generator betreiben. Was aber ist mit Elektroautos? Da kann man nicht einfach so geladene Akkus durch die Gegend fahren. Die Reichweiten sind mäßig, damit kommt man im Mittel dann vielleicht 100 bis 200 Kilometer (und das auch eher nicht vollgeladen), dann müssen die lange laden und dafür brauchen die enorme Infrastruktur, und – möchte man hinzufügen – auch nur, wenn man nicht im Stau steckenbleibt. Dann geht nichts mehr! Stellt Euch vor, ganz Florida hängt seine Elektroautos zum Laden an das Stromnetz. Völlig egal, ist eh zusammengebrochen.“

Aber selbst diese Horrorannahme ist noch zu optimistisch, denn bereits bei ersten Landberührungen der Wirbelstürme brechen dort regelmäßig die Stromnetze auf breiter Front zusammen. Wie man gerade jetzt den Nachrichten wieder entnehmen kann. Am 10. September 2017 um circa 14 Uhr Ortszeit, so meldet das ZDF, waren bereits eine Million Haushalte ohne Strom.

Und dann? Chaos, Unheil und hunderttausend- bis millionenfacher Tod sind die unausweichlichen Folgen. Schöne neue Klimaschutz- und E-Mobilitätszukunft! Aber dann bleibt man wenigstens im vielleicht selbstfahrenden E-Mobil stecken.

Die unvermeidlichen Beschwichtiger werden nun einwenden, dass sich bis dahin die Bewohner sturmfeste Behausungen gebaut hätten und die Infrastruktur sich auch darauf eingestellt hätte, ebenso wie die Batterieladung dann nur wenige Minuten statt heute Stunden dauern würde.

Wer das glaubt, möge sich die zerstörten Häuser der vielen Inselbewohner der Region ansehen, die auch nach 100 Jahren leidvoller Wirbelsturmerfahrung immer noch nur aus Holz und Pappe, eventuell auch mit Rigips gebaut werden. Und dass Mutter Natur die elektrochemische Spannungsreihe der Metalle mit ihren Elektrolyten verändern würde, ist eigentlich auch nicht zu erwarten. Diese und die mit der Ladung unvermeidlich verbundenen elektrochemischen Prozesse und ihre Folgen begrenzen die Ladezeit. Und die werden sich nur in kleinen Schritten und letztendlich unwesentlich verbessern lassen. Nicht durch das Wunschdenken der grünen Weltretter.

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Seite des Europäischen Instituts für Klima und Energie (EIKE).


Artikel bewerten

Artikel teilen

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Dossier: Energieversorgung

Mehr von Michael Limburg

Über Michael Limburg

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige