02. Dezember 2015

Waffenbesitz Wäre Paris in Texas, hätte es weniger Tote gegeben

Das Vertrauen in den Staat ist zerzaust

von Christian Ortner

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Bildquelle: shutterstock Terroristenschreck: Bewaffnete Bürger

Nehmen wir einmal kurz an, jener Bataclan-Konzertsaal, in dem jüngst unter lautem „Allahu-Akbar“-Gebrüll Terroristen ein Massaker angerichtet haben, wäre nicht in Paris gelegen, sondern zum Beispiel im texanischen Dallas. 

Dort ist es – ganz anders als in Europa – durchaus üblich, dass Bürger auch im Alltag Schusswaffen bei sich tragen. Deshalb hätten den drei Terroristen, die in Paris hunderte von unbewaffneten Menschen zuerst als Geiseln nehmen konnten und danach in aller Ruhe abschlachteten, mit hoher Wahrscheinlichkeit in Dallas Dutzende von Bewaffneten und trainierten Schützen im Publikum gegenübergestanden.

Es lässt sich naturgemäß nicht beweisen – aber allen Gesetzen der Logik und der Lebenserfahrung folgend hätten diese bewaffneten Bürger den drei Terroristen wohl ziemlich schnell das Lebenslicht ausgeblasen.

Das heißt: Hätte im Publikum des Bataclan eine ausreichende Zahl bewaffneter Bürger gesessen, wäre die Anzahl der Toten mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit deutlich niedriger gewesen, als sie es in der französischen Realität dann leider war.

Dergleichen Überlegungen anzustellen, gilt freilich in Europa noch immer als irgendwie anstößig, wo man sich längst damit abgefunden hat, dass der Staat seine Bürger entwaffnen darf, was die Mehrheit der US-Amerikaner nicht einmal im Traum akzeptieren würde. 

Solange die europäischen Gesellschaften vergleichsweise friedvoll, gewaltfrei und durch eher niedrige Kriminalitätsraten charakterisiert waren, mag das ja auch noch halbwegs in Ordnung gegangen sein. Solange die Polizei tatsächlich imstande ist, die Bürger zu schützen, wiegen möglicherweise die Nachteile privater Bewaffnung, wie sie in den USA ja auch zu studieren sind, möglicherweise schwerer als das Bedürfnis einzelner, sich selbst robust zu schützen.

Doch spätestens seit dem 13. November ist diese Fiktion vom Staat, der seine Bürger ausreichend gut beschützt, ziemlich zerzaust.

Umso bizarrer ist, dass die Europäische Union, offenbar in einem Zustand tiefster geistiger Umnachtung, als Reaktion auf den Terror von Paris eine weitere Einschränkung des privaten Waffenbesitzes beschlossen hat. Das ist insofern bemerkenswert, als sich die Pariser Terroristen ihre Waffen natürlich wie alle Terroristen dieser Welt schwarz und illegal organisiert hatten; in Brüssel kann man mit 500 Euro am Schwarzmarkt innerhalb einer halben Stunde eine AK-47 oder dergleichen erwerben. Privaten Waffenbesitz weiter einzuschränken oder gar zu verbieten kostet Terroristen deshalb höchstens ein müdes Lächeln, schränkt ihre Entfaltungsmöglichkeiten aber gar nicht ein. 

Dass bis an die Zähne bewaffnete Terroristen auf eine Bevölkerung losgehen, der die eigene Regierung die letzte Spritzpistole weggenommen hat, ist für die Zukunft keine wirklich erbauliche Aussicht.

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog fisch+fleisch.


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