08. August 2016

RezensionHans-Werner Sinn: Die Target-Falle

Gefahren für unser Geld und unsere Kinder

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Dem Leiter des ifo-Instituts ist in diesem Buch nicht weniger gelungen, als die Probleme des Eurosystems im Ganzen darzustellen. Für Interessierte ist Sinns Buch alternativlos. Laut ihm floss nach der Einführung des Euro sehr viel Kapital in die Peripherieländer Europas. Dadurch kam es zu einem wirtschaftlichen Boom in den heutigen Krisenstaaten. Gewerkschaften konnten sehr viel höhere Löhne durchsetzen. Nach dem Crash fielen die Preise, die Löhne blieben jedoch starr. Nun sind die Länder nicht mehr wettbewerbsfähig. Die Löhne sind zu hoch, um Vollbeschäftigung zu ermöglichen. Sie müssten teilweise um 30 bis 40 Prozent sinken. Schuld an dem Kapitalstrom war eine schlechte Regulierung durch das Basler Abkommen. So wurden alle Staaten im Euroraum als gleich sicher definiert. Die risikoärmeren Investments im Norden wurden unrentabel. Die Krisenländer konnten sich grenzenlos verschulden, ohne höhere Zinsen fürchten zu müssen. Nun drucken die Zentralbanken der Peripheriestaaten Geld, das überwiegend in Deutschland wieder geschreddert wird. Eine gigantische Umverteilung von Gütern aus dem Norden zugunsten der Krisenstaaten findet auf diese Weise statt. Die daraus entstehenden „Target-Salden“ haben für Deutschland eine Höhe von über 750 Milliarden Euro erreicht. Die Krisenländer können so ihr Defizit unbemerkt weiter finanzieren. All das läuft an den Parlamenten und der Öffentlichkeit fast vollständig vorbei. Die EZB ist dabei die eigentliche Wirtschaftsregierung geworden. Durch die Target-Salden und die vielen Rettungspakete fehlt jeglicher Anreiz zu echten Reformen. Die Löhne sind so gut wie nicht gesunken, die Preise nach wie vor zu teuer und die Schulden steigen weiter. Die Politik habe einen Weg beschritten, so Sinn, der in die Katastrophe führt. Sie könne ihn jedoch kaum mehr verlassen. Nun sollen jegliche Schulden sozialisiert werden. In Amerika hat sich das jedoch als fatal erwiesen und maßgeblich zu noch höheren Schulden und dem Sezessionskrieg von 1861 beigetragen.


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