04. Dezember 2015

Pseudo-Kryptowährung Finger weg von Onecoin!

Warnung vor einem unseriösen Marketinginstrument

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Bildquelle: shutterstock Fauler Apfel unter den Kryptowährungen: Onecoin

Der Strukturvertrieb hat nun auch die boomende Kryptoszene erreicht. Früher funktionierte das ja wie folgt: Ein ehemaliger Metzger oder Schreiner bekam eine zweiwöchige Schnellbleiche im Verkauf von Versicherungsprodukten. Mit dieser „Topausbildung“ wurde er dann auf die Allgemeinheit losgelassen, hatte in der Anfangszeit in seinem persönlichen Umfeld einige Verkaufserfolge (man fühlt sich ja verpflichtet beim Onkel/Vetter/Schulkamerad und so weiter was zu machen), um dann doch nach einigen Monaten wieder ernüchtert in den alten Beruf zurückzukehren, da der nachhaltige Verkaufserfolg, über das persönliche Umfeld hinaus, doch ausblieb. Sein Big Boss freute sich dennoch über die Provisionserträge, um danach Veronika Ferres zu daten, aber das ist eine andere Geschichte…

Nun steht es mit der Versicherungsbranche nicht mehr zum Besten. Aber das „bewährte Prinzip“ lässt sich doch auf Kryptowährungen anwenden, dachte sich die findige Bulgarin Dr. Ruja Ignatova und initiierte vor zwei Jahren die Onecoin. Die selbsternannte „Kryptoqueen“, ich zitiere einige ihr zugerechnete Attribute: „jung, apart und brillant. Mit offenem Geist…“, schien hier auf eine Marktlücke gestoßen zu sein. Google zeigt bereits 715.000 Suchergebnisse für Onecoin – im Vergleich für die etablierte Peercoin gerade einmal die Hälfte davon! Es soll bereits über 600.000 Investoren für die Coin geben. Doch wie genau funktioniert Onecoin? Ich möchte hierzu meinen geschätzten Kollegen Christoph Bergmann zitieren (Bitcoinblog.de, Finanzblogaward 2015!): „Wer sich eines der vielen Pakete, die bis zu 5.000 Euro kosten, kauft – Bezahlung nur per PayPal oder Kreditkarte –, darf mitmachen. Er kann Onecoins minen, an andere Onecoiner verkaufen oder gegen Aurum tauschen. Aurum sind scheinbar mit Gold gedeckte virtuelle Münzen. Auf bitcointalk wurden sie schon oft und vor langem als Betrug bezeichnet.
Vor allem aber bekommt der Käufer eines Onecoin-Pakets eine Provision in Form von Mining-Tokens, wenn er neue Onecoiner wirbt. Je mehr Leuten man davon überzeugt, dass Onecoin das nächste Bitcoin ist, desto mehr Onecoins kann man minen.“

Das erklärt auch, weshalb in den letzten Monaten unzählige deutschsprachige Webseiten zur Onecoin wie Pilze aus dem Boden geschossen sind. Die Coinhalter müssen weitere „Onecoiner“ gewinnen, um über die Provisionseinnahmen ihre Investition wieder hereinzuholen. Dieses Prinzip nennt sich „Netzwerk-Marketing“ oder „Multi-Level-Marketing“. 

Es wird mit vielen Akzeptanzstellen geworben, da die Onecoiner eine Mastercard beantragen können, die selbstverständlich in vielen Geschäften angenommen wird. Nicht erwähnt wird aber, dass diese Prepaid-Mastercard selbst mit eigenen Euros geladen werden muss – eine Aufladung mit Onecoin ist (noch) nicht möglich. Es ist also ziemlich absurd, hier mit Millionen-Akzeptanzstellen für Onecoin zu werben.

Laut dem Blog BehindMLM könnte es bereits Anzeichen für einen möglichen Zusammenbruch geben: OneCoin wechselt die Bankverbindung öfter als manche Männer ihre Unterhosen; Mitglieder müssen teilweise seit Monaten auf Auszahlungen warten, der Support spielt auf Zeit und beschwichtigt; Kreditkartenzahlungen (obwohl Prepaid!) funktionieren seit November nicht mehr richtig; das neue Festival-Packet wird für 18.800 Euro in den Markt gedrückt (um finanzielle Löcher zu stopfen?).

Das Dilemma ist natürlich, dass ein wahrscheinliches Scheitern dieses Systems dann wieder dazu benutzt wird, die Kryptoszene insgesamt in den Dreck zu ziehen. Und die vielen Kleininvestoren, die nicht in der Lage waren, ein Vertriebsnetzwerk aufzubauen, werden dabei wohl finanziell auf der Strecke bleiben und sind nach einer derartigen Negativerfahrung vermutlich auf absehbare Zeit für die Kryptoszene verloren. Dabei hat Onecoin nicht im Entferntesten mit einer seriösen Kryptowährung zu tun. Die Coin ist zentralisiert, Closed-Source, und es gibt keinen freien Handel. Kurzum: Es ist ein Marketinginstrument, das sich als Kryptowährung tarnt. Finger weg – klare Warnung von meiner Seite!

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog Der Altcoinspekulant.


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Dossier: Kryptowährungen

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Markus Bohl

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