10. Juni 2014

Russland Krieg gegen den Liberalismus Teil 1

Werdegang und Einfluss Alexander Galjewitsch Dugins

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Um das heutige Russland zu verstehen, muss man seine Akteure betrachten. Einer der wichtigsten davon ist Alexander Dugin. Geboren im Jahr 1962 als Sohn eines KGB-Generalmajors, legte er eine steile Kariere als Intellektueller, Professor, Politiker und politischer Berater. Er gilt als der Vater der Eurasischen Union. In seinem aktuellen Buch ruft er zum „globalen Krieg gegen den Liberalismus“ auf. Zudem unterhält er beste Verbindungen zu zahlreichen etablierten konservativen und rechtsextremen Kreise in Europa.

1980 trat er zusammen mit dem heute einflussreichen Islamisten Gaidar Djemalov dem esoterischen Club „Schwarzer Orden SS“ bei. Dugin wurde Schüler des Gründers dieses Ordens, des Okkulten und Traditionalisten Evgenij Golovin, welcher sich selbst „faschistischer Mystiker“ nannte, den Titel „Reichsführer“ trug und als einer der ersten russischen Neurechten gilt. 1988 traten die beiden Weggefährten, Dugin und Djemalov, der „Nationalpatriotischen Front - Pamet (Erinnerung)“ bei, wobei Dugin in das Zentralkomitee gewählt wurde. Die beiden Freunde wurden jedoch innerhalb kürzester Zeit aus dem Verein unter anderem wegen Kontakten zu „okkulten satanischen Kreisen“ und zu dem Dissidenten und traditionalistischen Schriftsteller Mamleev entlassen. Der Verein „Pamet“ verstand sich selbst als antikommunistisch, antizionistisch, traditionalistisch, monarchistisch und antimasonisch.

Seit 1982 betätigt sich Alexander Dugin als Autor, Kolumnist, Chefredakteur, und Verleger verschiedener traditionalistischer und faschistischer Publikationen und Moderator und Produzent mehrerer Radio- und Fernsehsendungen. Er übersetze mehrere Bücher ins Russische, unter anderem „Heidnischer Imperialismus“ von Julius Evola, dem bekannten italienischen Faschisten und Esoteriker. 1990 bekam Alexander Dugin, ermöglicht durch seinen Vater, offiziellen Zugang zu den Archiven des KGB. Der damals noch antikommunistische Dugin behauptete, dabei sensationelle Erkenntnisse gewonnen zu haben und produzierte auf dieser Grundlage die Fernsehserie „Tajni Veka – Geheimnisse des Jahrhunderts“ über Esoterik, Magie, Mystik verschiedener Naturreligionen, Vampire, wunderliche Geheimwaffen und Freimaurer. 1992 schließlich soll er enge Kontakte zu dem „Orientalischen Templerorden - OTO“ aufgebaut haben.

Seine politische Karriere begann im Jahr 1993, als er die National-Bolschewistische Partei Russlands mitgründete, die 2005 verboten wurde. Das Ziel der Partei war es die Links- und Rechtsradikalen zu vereinen. Dieses Vorhaben spiegelte sich auch im Parteilogo wieder, welches an der Flagge der Nationalsozialisten angelehnt war. Anstelle der Swastika befinden sich Hammer und Sichel. Die Partei warb aggressiv um junge Mitglieder mit Slogans wie: „Vervollständigen wir die Reformen so: Stalin! Berja! Gulag“. Lawrenti Berja war von 1938 bis 1945 der Chef des NKWD und somit der Architekt der stalinistischen Säuberungen. Eine weitere Parteigründung, die auf die Initiative Alexander Dugins zurückgeht, ist die Partei „Eurasien“, sowie die gescheiterte Gründungsinitiative der Partei „Proletarische Templer“.

1998 wurde zum Schicksalsjahr für Alexander Dugin. Er trat aus der National-Bolschewistischen Partei aus und wurde in das politische Establishment aufgenommen. Anschließend wurde er Berater des Abgeordneten der Duma, Gennadij Seleznev, Mitglied der Kommunistischen Partei und ihrer Nachfolgeorganisation und ehemaliger Chefredakteur der „Komsomolskaja Prawda“ zu Sowjetzeiten. Auf einer in jenem Jahr organisierten Konferenz mit dem Namen „Großeurasischer Nationalismus“ lernte er den ehemaligen Oberst des FSB, Peter Suslov, kennen. Mit ihm gründet er die Bewegung „Eurasien“. Sie diente zunächst als Plattform für Gespräche zwischen dem damaligen Präsidenten Boris Jelzin und den tschetschenischen Rebellen (zur Zeit des ersten tschetschenischen Krieges), insbesondere mit dem mehrmals vorbestraftem Mafiosi und Traditionalisten, Hosh Ahmed Nuhaev. Dieser ehemalige tschetschenische Politiker wird bis heute des Mordes an zahlreichen Personen beschuldigt, unter anderem an dem Chefredakteur der Zeitung „Forbes Russia“ und Anna Politkowskaja, sowie an mehreren schweren Terroranschlägen, die Russland zur Invasion in Tschetschenien provoziert haben. Er wird als der Pate der tschetschenischen Mafia betitelt und nahm mehrmals an Dugins Neo-Eurasischer Konferenzen statt. Seine traditionalistischen Schriften kursieren bis heute auf mehreren Internetseiten der Eurasischen Bewegung.

Im Laufe der letzten Jahre gründet Alexander Dugin verschiedene neo-eurasische Organisationen, die international aktiv und thematisch breit aufgestellt sind. Er organisiert zahlreiche internationale Konferenzen mit damaligen Schlüsselpersonen aus Politik, Militär, Philosophie, sowie christlichen und islamischen Geistlichen zum Thema Neo-Eurasismus.

Laut der Homepage der „Internationalen Eurasischen Bewegung“ ist Alexander Dugin spätestens seit 2008 „inoffizieller Ideologe“ von Putins Regierungspartei „Einiges Russland“.

Die Bildung der eurasischen Elite wird ebenfalls nicht vernachlässigt. So arbeitet Alexander Dugin als Professor für Soziologie an der Staatlichen Universität Moskau und referiert über Geopolitik, Philosophie und Soziologie. In manchen Vorlesungen gibt der Professor akribische Anweisungen zum politischen Aktivismus inklusive einer Anleitung zur bewussten Spaltung und Neuformung der eigenen Persönlichkeit. Damit sollen die Studenten eine „hyperstarke Persönlichkeit“ entwickeln und ihre Ziele effektiver erreichen.

Obwohl er nie ein Kreuz trägt, stilisiert sich der Kreationist Dugin selber als streng gläubig in der russisch-orthodoxen Tradition. Er bewundert die Frömmigkeit der russisch-orthodoxen Gemeinde und ihrer Anhänger. Die russische Kirche beteiligt sich aktiv im Kampf gegen Homosexuelle und lobt den neu erstarkten Militarismus Russlands. In einem Interview aus dem Jahr 2009 offenbart Dugin jedoch seinen Hang zum Okkultismus. Dabei lobte er Wladimir Putin für seine Gaspolitik gegenüber der Ukraine. „Putin hat in unserem Gaskrieg den Ukrainern einen wundervollen Preis genannt. 418 Dollar. 418 ist eine kriegerische Zahl aus der thelemetischen Lehre von Aleister Crowley. Als wir den Preis gesenkt haben, haben wir den magischen Krieg der Zahlen verloren“. Ein weiteres Indiz für Dugins obskure Sichtweise ist das inoffizielle Symbol der Eurasischen Bewegung, welches an den Chaosstern erinnert. Dieses Symbol ist in allen seinen Tätigkeitsfeldern allgegenwärtig.

Alexander Dugin ist aus dem russischen Fernsehen nicht mehr wegzudenken. Im Internet kursieren dutzende seiner Vorträge, Interviews und Konferenzen. Unermüdlich reist er von Konferenz zu Konferenz und versucht internationale Allianzen mit dem extremen linken und vor allem mit dem rechten Lager zu schmieden und sie für die Idee des Neo-Eurasismus zu begeistern. Dabei entsteht ein auf den ersten Blick fragiles Bündnis aus Faschisten, Kommunisten und allerlei religiösen Fundamentalisten aus christlichen, muslimischen und esoterischen Kreisen. Die großen gemeinsamen Nenner sind dabei das anti-moderne Denken, die offene Ablehnung der Menschenrechte und der Aufklärung, Antikapitalismus und die Opposition zu den Vereinigten Staaten von Amerika, die, so wird es stets betont, den Liberalismus repräsentieren.

Dugins Kampf gegen den Individualismus und Marktwirtschaft ist fundamentalistisch und absolut radikal. Es steht außer Frage, dass dieser Mann die russische Politik grundlegend beeinflusst, wenn nicht gar definiert.


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