22. Februar 2017

Donald Trump, Russland und die Ukraine Ein innenpolitischer Schachzug

In zwei Monaten ist die Sache vergessen

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Bildquelle: vector_brothers / Shutterstock, Inc. Sind nicht auf Konflikt aus: Donald Trump und Wladimir Putin

Ich gestatte mir mal wieder ein bisschen geopolitische Kaffeesatzleserei. Donald Trumps Forderung an die Russen, sie mögen die Krim der Ukraine zurückgeben, ist ein innenpolitischer Schachzug. Nachdem Trumps Sicherheitsberater Michael Flynn den Hut nehmen musste, weil er über seine Russland-Kontakte gegenüber dem Vizepräsidenten Mike Pence nicht die Wahrheit gesagt hatte, reagiert der in die Defensive geratene Präsident mit der Übernahme der Maximalforderung des innenpolitischen Gegners gegenüber Russland. Was wollt ihr?, heißt das, meine Regierung unterhält keine allzu engen Beziehungen zu den Russen, und schon gar nicht sprechen wir irgendetwas Geheimes ab. Wir setzen die Russen sogar unter Druck. Ob der Zug klug ist? Nach innen mit Sicherheit. Ansonsten weiß alle Welt, dass die Russen eher Schnee fressen, als die durch und durch russische Krim herauszurücken (so wenig wie die Amis Alaska zurückgeben würden, das auf ähnlich dubiose Weise in ihren Besitz gelangt ist wie die Krim in ukrainischen); insofern ist der Vorfall schlechterdings egal. Auf einen Konflikt wird es keine Seite ankommen lassen. In zwei Monaten ist die Sache vergessen. In einem Jahr verhandeln sie über den endgültigen Frieden in einer neutralen Ukraine, die weder NATO- noch EU-Mitglied wird.

Beneidenswert ist freilich die Option der Weltmacht, auf innenpolitischen Druck sofort außenpolitisch zu reagieren. Die großen Mächte haben immer die Möglichkeit, Aggressionen nach außen zu lenken. In Deutschland richten sich sämtliche Aggressionen nach innen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Acta diurna“.


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