14. Oktober 2021

Medien – die Herrschaft der Banalität Boing! Bumm! Zack!

So einfach gehen „Debatten“

von Axel B.C. Krauss

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Bildquelle: Crystal Eye Studio / Shutterstock.com Aktueller Journalismus: Clickbaiting um jeden Preis?

Sagt mal, was ist eigentlich los mit euch? Zu viel Langeweile? Oder habt ihr mit manchen „Prominenten“ oder solchen, zu denen ihr sie durch unnötiges, ja überflüssiges Zitieren erst aufplustert, vielleicht eine Art Vertrag? Und falls ja, gibt’s solche Verträge zu gestaffelten Preisen? Bekommt man Rabatt, wenn man unmaßgebliches Gequatsche auf die Titelseiten klatscht und Leuten, für deren Ergüsse sich ansonsten, pardon, keine Sau interessieren würde, dadurch künstlich – und ganz buchstäblich – einen Stellenwert zuschreibt, den sie eigentlich gar nicht haben?

Oder geht es nur um „Clickbaiting“? Verzweifelte Auflagensteigerung? Gibt’s hier vielleicht einen „Quotensoll“ für „provokante Äußerungen“ zum Zwecke des Zeilenschindens, von dem ich noch nix weiß? Bliebe manche Seite sonst leer? Bitte erklärt es mir. Ich will es doch nur verstehen. Sollen durch solche Sperenzchen vielleicht nur „Debatten“ in Gang gesetzt werden, wo man ansonsten nur Zikaden zirpen oder aus weiter Ferne einen Frosch auf einer Seerose ein melancholisches „Quak“ im Mondlicht seufzen hören würde?

Ja, ich meine euch, werte Journos. Also mir fällt dazu nur noch ein Zitat von Erhard Horst Bellermann ein: „Es sprach der Zeitungsredakteur: Eine Schlagzeile muss her! Ich glaube fast das isse: Hornist erschlägt Hornisse!“

Doch worum geht es eigentlich? Na, um Folgendes: „Bilder vom Großen Zapfenstreich für die Afghanistan-Veteranen sorgen für Kritik: TV-Moderator Jan Böhmermann findet ‚Fackelmärsche von Uniformierten vorm Reichstag richtig, richtig scheiße‘. Die Debatte zeigt: Auch 2021 hat Deutschland noch ein gespaltenes Verhältnis zu seiner Armee.“

Wenn ich einen Vergleich geben darf: Zwölf Erwachsene unterhalten sich in einem Raum. Plötzlich wirft ein verzogenes Kind einen Stein durchs Fenster. Schlagzeile am nächsten Morgen: „Klirr!“

Und was ist mir der Unterhaltung? Also, der Erwachsenen? Ist die gar keine Erwähnung wert? Worüber haben die denn gesprochen?

Anderer Vergleich: Einstein, Heisenberg und Planck unterhalten sich in einem Café über Physik. Dem Kellner, der ihnen Kaffee und Kuchen an den Tisch bringt, entfleucht ein Pups. Leitartikel am nächsten Tag: „Brauchen wir mehr Luftfilter in Deutschlands Gastronomie?“

Wie dem auch sei: Ganz großer Dank an Regierungssprecher Böhmi für den geistreichen, vielschichtigen, differenzierten, inspirierenden „Debatten“-„Beitrag“.

Was meint ihr wohl, warum ich für so was einen eigenen Begriff geschöpft habe? Nämlich „Oralflatulenzen“. Auf gut Deutsch: durch den Mund furzen.

Ich finde übrigens auch etwas.

Nämlich hoffentlich bald den Ausgang aus diesem Kindergarten.


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