21. November 2020

Mainstream-Journalismus Jung, links und dumm

„Rotzlöffel“ als willige Erfüllungsgehilfen der Regierung

von Michael Klonovsky

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Bildquelle: Tupungato / Shutterstock.com Gute Nachrichten: Vier Etagen im „Spiegel“-Hochhaus „abzumieten“

„Der Staat versagt dabei, die Corona-Auflagen auf Demonstrationen durchzusetzen. Deshalb sollten solche Großveranstaltungen vorübergehend eingeschränkt werden – oder verboten.“ (Timo Lehmann im „Spiegel“ vom 10. November 2020)

Falls Sie sich das strebsame Bübchen anschauen wollen, das dergleichen fordert: Auf seinem Twitter-Account hat es ein Konterfei veröffentlicht. Beim Spiegel schreibt Lehmann seit zwei Jahren ein trendkonformes Textlein nach dem anderen. Ich habe unlängst hier die Sentenz zitiert, dass man mit niemandem reden soll, der nur ein Echo fremder Ansichten ist, aber über das Phänomen dieser kollektiven Echos kann man ein Wort verlieren. Ich begann vor dreißig Jahren, den „Spiegel“ regelmäßig zu lesen (spätestens als Aust das Blatt verließ, sank mein Interesse freilich wieder); damals wurden die meisten Texte noch ohne Autorenzeile veröffentlicht – das war eine sympathische Marotte des Magazins –, doch der Leser erkannte seine Lieblingsschreiber auch so. Heute stehen unter den Artikeln verschiedene, zum Teil durchaus pittoreske Namen, aber die Texte klingen alle gleich, von der deprimierenden Verarmung in puncto Wortschatz, Sprachwitz und Formulierungseros zu schweigen. Der „Spiegel“ war immer ein politisches Tendenzblatt, das heißt, die Trennung von Meldung und Kommentar war aufgehoben, aber erstens nicht in jenem Maße wie heute, wo in jedem zweiten Satz und mit jedem dritten Adjektiv kommentiert wird, zweitens nicht dermaßen einseitig und regierungsfromm – das Magazin verstand sich weiland als grundsätzlich regierungskritisch –, und drittens existierte ein gewisser Binnenpluralismus, sodass immer wieder Artikel erscheinen konnten, die der Blattlinie zuwiderliefen. Heute schreiben sie alle dasselbe und vertreten alle dieselbe politische Meinung. Ich führe diese Uniformität der juvenilen Nachrücker, deren Namen sich niemand je merken wird, auf die Journalismusbaumschulen zurück, in denen sie gepflanzt und mit demselbem ideologischen Dünger versorgt wurden. Da sie keine eigene Meinung haben und nur Echos von Doktrinen sind, müssen sie irgendetwas Extremes fordern oder formulieren, um wenigstens einen Tag lang aus der Gruppe hervorzustechen.

Wie gesagt, es ist erstaunlich, aber auch typisch für den Strukturwandel in den Medien, wie viele junge Leute heute die Gazetten bevölkern und für ein Gehalt, für das ich damals morgens nicht aufgestanden wäre, uniforme Texte fabrizieren, die demnächst wahrscheinlich noch billiger von Bots produziert werden. Man darf einen Teil dieser Schreibkulis durchaus bemitleiden, es sind arme Würstchen, die wohl oft aus Angst um ihre berufliche Zukunft das Gewünschte abliefern. Andererseits ist dort auch der Typus des ewigen Hitlerjungen omnipräsent, des denunziationseifrigen Mitläufers, der sich in seiner Ein-Zimmer-Buchte für einen typischen Anywhere hält. Dieser Lehmann sieht ja nicht zufällig aus wie der Hitlerjunge Quex. Vor ein paar Tagen wurde gemeldet, eine Umfrage unter 86 ARD-Volontären habe ergeben, dass über 90 Prozent von ihnen grün (57 Prozent) oder rot wählen; die AfD bekäme nicht eine Stimme. Heil Vielfalt!

Solche juvenilen Fatzkes sind es wohl meistens auch, die in den Gazetten immer wieder über die sturen, dummen Alten schreiben, die angeblich die Welt nicht mehr verstünden, von den Entwicklungen überfordert seien, an lauter unbegründeten Ängsten litten und aus Motiven der Komplexitätsreduzierung rechts wählten. Tatsächlich ist es andersherum: Jung ist fast immer gleich dumm (die Frühvollendeten, die Hofmannsthals, Weinigers, Rimbauds et al., scheinen ausgestorben zu sein), die Jugend bildet mit ihrer Naivität, ihrem Idealismus, ihrer Vitalität, ihrem Eifer, ihrer Unbildung und ihrer Herden-Seligkeit einen idealen Lehm zum manipulativen Zurechtgeknetetwerden, während die Älteren mit ihrer Lebenserfahrung halt vieles ein bisschen besser wissen (ich will den Verknöcherten und Verkalkten hier aber kein Fest machen). Das lässt sich auch in der Geschichte studieren. Immer hat sich die Jugend verführen lassen, ist in Kriege gezogen, hat sich für Ideale geopfert; die Nazis waren eine Jugendbewegung, die roten Garden Maos bestanden aus jungen Leuten, immer wenn der Stacheldraht ausgerollt wurde, waren die, die es taten, jünger als diejenigen, die dahinter eingesperrt wurden; auch der radikale Islam ist eine Jugendbewegung, der IS ebenso. Die 68er waren eine, und die närrischen Fridays-for-Future-Hüpfer sind es auch. Merkt euch das, Rotzlöffel: Jung und dumm ist fast immer dasselbe. Jung und dumm. Keine Regierung und kein Regime kann sich willigere Trottel wünschen als die Jungen. Jung und dumm. Auch links und dumm. Dumm, dumm, dumm. Ist das endlich verstanden worden?

PS: Von der Hamburger Relotiusspitze wird verlautbart, dass der „Spiegel“ von seinen 13 Etagen vier „abmieten“ will. Mediensterben von seiner schönsten Seite.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Acta diurna“.


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