21. November 2020

Eristische Dialektik Die Kunst, Deutungshoheit und Macht zu behalten

Schopenhauers Kunstgriffe im Hier und Heute

von Udo Geißler

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Bildquelle: Durantelallera / Shutterstock.com In Disputen Recht behalten: Was man auch heute noch von Schopenhauer lernen kann

„Eristische Dialektik ist die Kunst zu disputieren, und zwar so zu disputieren, dass man Recht behält, also per fas et nefas (mit rechten wie mit unrechten Mitteln).“ Mit dieser Einleitung stellte Arthur Schopenhauer in seinem kleinen Brevier „Die Kunst, Recht zu behalten“ achtunddreißig Kunstgriffe dar, die es dem Disputanten ermöglichen, auf Gedeih und Verderb Recht zu behalten, selbst wenn die Wahrheit dafür geopfert wird. Schopenhauer äußerte sich zur Konzeption dieser Abhandlung, die er zwar fast zur Reinschrift brachte, aber nie veröffentlichte, folgendermaßen: „Die Schliche, Kniffe und Schikanen, zu denen sie [die Leute], um nur Recht zu behalten, greifen, sind so zahlreich und mannigfaltig, und dabei doch so regelmäßig wiederkehrend, dass sie mir, in früheren Jahren, ein eigener Stoff zum Nachdenken wurden, welches sich auf das rein Formale derselben richtete, nachdem ich erkannt hatte, dass so verschieden auch sowohl die Gegenstände der Diskussion als die Personen sein mochten, doch dieselben und identischen Schliche und Kniffe stets wiederkamen und sehr wohl zu erkennen waren.“

Auf die Frage, warum jemand letztlich Recht behält bei objektivem Unrecht, verweist Schopenhauer auf das menschliche Wesen. Gäbe es nämlich die natürliche Schlechtigkeit der Menschen nicht, dann wären wir von Grund auf ehrlich und „würden bei jeder Debatte bloß darauf ausgehen, die Wahrheit zu fördern“. Außerdem gesellt sich seiner Meinung nach zur angeborenen Unredlichkeit eine angeborene Eitelkeit, die „besonders hinsichtlich der Verstandeskräfte reizbar ist“. Dies trete vor allem im Disput zutage; häufig weicht hier das Interesse an der Wahrheit bald ganz dem Interesse der Eitelkeit. Die Gelegenheit ist gerade günstig, hierzu einen kurzen Exkurs zu wagen und ein aktuelles Beispiel aufzuzeigen.

Eine „Scheiß-Schalte“

Am 29. Oktober 2020 führen Bundeskanzlerin Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder sogenannte „Shutdown-Verhandlungen“. Merkel, so dringt heraus, will Deutschland im November fast vollständig runterfahren. Die „Bild“-Zeitung macht jedoch einen Tag vorher eine Videoschalte mit Lothar Wieler publik, in der der Chef des Robert Koch-Instituts (RKI) gesagt haben soll, dass „Gaststätten keine Pandemietreiber“ seien. Wider besseres Wissen setzt sich eine eitle Physikerin trotzdem durch, weil ihr Gesundheitsplan natürlich weiterhin stringent und wohlüberlegt aussehen soll. Und so wird die „Scheiß-Schalte“, wie sie ein Politiker aus der Großen Koalition nannte, schnell ausgeblendet. Die Gastwirte, die vorher schon mit der Erstellung von Hygienekonzepten gegängelt wurden, dringen nicht mehr durch. In Protestschreiben an den CDU-Hinterbänkler Carsten Linnemann lassen sie ihrem Frust freien Lauf: „Wir haben investiert, Herr Linnemann. Seit Wochen und Monaten. In Lüftungsgeräte, in Plexiglas, Heizpilze. Und jetzt sagen Sie mir, Pustekuchen, das zählt alles nicht?“ Bis heute haben die meisten Gastronomen ihren Status als „Kollateralschaden“ nicht begriffen, eben weil es einer Angela Merkel ausschließlich darauf ankommt, für die überwiegende Mehrheit der Leute augenscheinlich im Recht zu sein!

Doch zurück zu Schopenhauers Kunstgriffen, um – so passt es vielleicht besser in die heutige Zeit – nicht nur Recht, sondern vor allem die Deutungshoheit und somit die Macht im Land zu behalten. Wie aus Schopenhauers Lehrbuch vollzieht sich seit dem Jahr 2010 – spätestens jedoch seit 2015 – in aller Öffentlichkeit eine praktische Anwendung seiner eristischen Dialektik durch Politik und Medien, die ich anhand einiger exemplarischer Beispiele näher beleuchten werde.

Erstens: Die Erweiterung (A. Schopenhauer, Kunstgriff 1)

„Die Behauptung des Gegners über ihre natürliche Grenze hinausführen, sie möglichst allgemein deuten, in möglichst weitem Sinne nehmen und sie übertreiben; seine eigne dagegen in möglichst eingeschränktem Sinne, in möglichst enge Grenzen zusammenziehn: weil je allgemeiner eine Behauptung wird, desto mehreren Angriffen sie bloß steht.“

Schopenhauers erster Kunstgriff, nämlich die Ausdehnung des Themas, ist zugleich der wirksamste von allen. Politiker, abhängige Experten und vor allem die angeschlossenen Medien weiten mit dem Begriff „Corona-Leugner“ den Disputationsgegenstand derart aus, dass die Gegenseite sofort in Erklärungsnot gerät. Die „Kritiker der getroffenen Maßnahmen“, denn so müssten sie richtigerweise bezeichnet werden, leugnen natürlich zu keinem Zeitpunkt die Existenz und die Gefährlichkeit von Corona- oder auch Influenzaviren. Sie weisen lediglich auf die zahlreichen Opfer und langfristigen Schäden hin, die durch die Corona-Maßnahmen verursacht werden, und sind nicht bereit, diesem unverhältnismäßigen Treiben tatenlos zuzusehen. Viele Kritiker vermuten sogar, dass die „Kollateralschäden“ der Corona-Maßnahmen wie Vereinsamung, Unterversorgung, Fehlversorgung, Nichtbehandlung (siehe Waldshut-Studie sowie die Untersuchung von Medizinern um Steven H. Woolf von der Medizinischen Fakultät der Virginia Commonwealth University in Richmond), Elend und Leid, die durch Arbeitslosigkeit sowie ein Mehr an häuslicher Gewalt zustande kommen, weitaus gravierender sind als eine Unterlassung dieser extremen „Gegenmaßnahmen“. Nur merken wir schon jetzt, mit welchem Aufwand diese Argumentation betrieben werden muss. Wie einfach ist es hingegen, dramatische Bilder aus Intensivstationen zu zeigen oder das „Schwarze-Schwan-Ereignis“, also das „Symbolbild des Todes aus Bergamo“, gegen die angeblich so hartherzigen Corona-Leugner einzusetzen. Selten war der Kunstgriff „Ausdehnung des Themas“ so erfolgreich wie mit der Installierung und permanenten Wiederholung des hetzerischen Begriffs „Corona-Leugner“.

Zweitens: Das Thema vermeiden und Ablenkung (A. Schopenhauer, Kunstgriffe 18 und 29)

„Merken wir, dass der Gegner eine Argumentation ergriffen hat, mit der er uns schlagen wird; so müssen wir es nicht dahin kommen lassen, ihn solche nicht zu Ende führen lassen, sondern beizeiten den Gang der Disputation unterbrechen, abspringen oder ablenken, und auf andere Sätze führen: kurz eine mutatio controversiae [Verschiebung der Streitfrage] zu Wege zu bringen.“

Der Disput verläuft in einer Mediendemokratie selbstverständlich anders ab; heute ist es von entscheidender Bedeutung, wer die größte mediale Aufmerksamkeit erzeugt und dadurch mit seinem Thema überhaupt ankommt. Am effektivsten ist es deshalb, wenn die meisten Kunstgriffe, also auch „Themavermeidung und Ablenkung“, bereits im Vorfeld von Auseinandersetzungen Anwendung finden. Im günstigsten Fall können hierdurch sogar die Rollen vertauscht und ein erheblicher Rechtfertigungsdruck aufgebaut werden. Doch wie ist das möglich?

Wenn – wie im Januar 2020 geschehen – über 5.000 Bauern mit 2.500 donnernden Traktoren ganz Nürnberg lahmlegten, dann war das nicht nur ein riesiger organisatorischer Aufwand, sondern vor allem ein deutliches Warnsignal an die Politik, die Nöte und Sorgen der Bauern endlich ernst zu nehmen. Es reichten allerdings zwei Banner, die „rechte Symbole“ zeigen sollten, um die regierungsfreundlichen Medien auf den Plan zu rufen, dass die Proteste von „Rechten“ unterwandert seien. Strafrechtlich Relevantes wurde dabei von der Polizei nichts festgestellt, aber das musste es jetzt gar nicht mehr. Landauf, landab hieß es: „Nazi-Banner auf Nürnberger Bauerndemo!“ Auf diese Art und Weise konnten binnen kürzester Zeit die Angegriffenen (also die Politiker) zu Angreifern und strengen Ermahnern mutieren. Die ursprünglichen Protestler, die die Verantwortlichen eigentlich zur Rede stellen und ihre Argumente vortragen wollten, konnten hingegen froh sein, dass sie – nach allerlei Distanzierungen und Entschuldigungen – noch einmal mit heiler Haut davongekommen sind. Dieses Schema „Gefahr der Unterwanderung durch Rechte“ findet mittlerweile überall statt, wenn Bürgerbewegungen entstehen und drohen, gefährlich zu werden.

Drittens: Die Konsequenzmacherei (A. Schopenhauer, Kunstgriff 24)

„Man erzwingt aus dem Satze des Gegners durch falsche Folgerungen und Verdrehungen der Begriffe Sätze, die nicht darin liegen und gar nicht die Meinung des Gegners sind, hingegen absurd und gefährlich sind.“

Mit der Konsequenzmacherei versucht der Angreifer, die Position des Gegners in Misskredit zu bringen. Er schürt beispielsweise Ängste, indem er vollkommen verdrehte Schlüsse zieht. So warnte der damalige Finanzminister Schäuble im Jahr 2016 „Europa“ (!) eindringlich vor immer größeren Hürden für Migranten und vor einer Einigelung: „Die Abschottung ist doch das, was uns kaputtmachen würde, was uns in Inzucht degenerieren ließe.“

Viertens: Die verhasste Kategorie, Personen angreifen (A. Schopenhauer, Kunstgriffe 32 und 38)

„Eine uns entgegenstehende Behauptung des Gegners können wir auf eine kurze Weise dadurch beseitigen oder wenigstens verdächtig machen, dass wir sie unter eine verhasste Kategorie bringen.“

Der Kunstgriff der verhassten Kategorie korreliert in starkem Maße mit dem perfidesten Vorgehen, welches darin besteht, vom Gegenstand des Streits möglichst weit wegzugehen und die Person selbst irgendwie anzugreifen: argumentum ad personam. Eine Schlüsselrolle in der Corona-Krise spielte und spielt hierbei das Wörtchen „wirr“: Wie soll also einer, der „nicht mehr alle Tassen im Schrank hat“, uns bitte schön die Welt erklären können?

Da die Thematik an dieser Stelle ausufern würde, empfehle ich hierzu das Dossier „Meinungsfreiheit und wissenschaftlicher Diskurs in der Corona-Krise“ von Prof. Dr. Martin Schwab (Lehrstuhlinhaber an der Fakultät für Rechtswissenschaften der Universität Bielefeld) zu studieren. Für die beiden oben genannten Kunstgriffe sind Martin Schwabs Ausführungen zum medialen Umgang mit Wolfgang Wodarg interessant, die er wie folgt zusammenfasst: „Ich habe mich sehr ausführlich mit der Berichterstattung über Wolfgang Wodarg befasst, weil es mich geradezu erschreckt hat, mit welcher Selbstverständlichkeit Personen, die seinem Sachverstand nichts entgegenzusetzen haben, sich einbilden, über die fachliche Qualität seiner Thesen urteilen zu können. Und das in einer Schärfe, die es in sich hat: Wolfgang Wodarg wurde regelrecht öffentlich hingerichtet. Vor allem die Beiträge, die zwischen dem 18. und dem 20. März 2020 über ihn erschienen, deuten auf abgestimmtes Verhalten hin. Mein ohnehin schon angeknackstes Vertrauen in die Corona-Berichterstattung durch die Leitmedien ist gerade durch die Art und Weise, wie anmaßend der Journalismus über einen unbescholtenen Fachmann wie Wolfgang Wodarg herzieht, endgültig restlos zerstört worden.“

Fünftens: Mit Experten aufwarten (A. Schopenhauer, Kunstgriff 30)

„Das argumentum ad vercundiam [an die Ehrfurcht gerichtetes Argument]. Statt Gründe brauche man Autoritäten nach Maßgabe der Kenntnisse des Gegners.“

Wie Gutachter, also Autoritäten auf ihrem Fachgebiet, eine immense Machtposition innehaben, so sind aufgefahrene Autoritäten in Talk-Runden oder beim Begründen von Maßnahmen von entscheidender Bedeutung. Als ob Arthur Schopenhauer gewusst hätte, was uns im Jahr 2020 bevorsteht, führte er hierzu Folgendes aus: „Was man so die allgemeine Meinung nennt, ist, beim Lichte betrachtet, die Meinung zweier oder dreier Personen; und davon würden wir uns überzeugen, wenn wir der Entstehungsart so einer allgemeingültigen Meinung zusehen könnten. Wir würden dann finden, dass zwei oder drei Leute es sind, die solche zuerst annahmen oder aufstellten und behaupteten und denen man so gütig war zuzutrauen, dass sie solche recht gründlich geprüft hätten: Auf das Vorurteil der hinlänglichen Fähigkeit dieser nahmen zuerst einige andre die Meinung ebenfalls an; diesen wiederum glaubten viele andre, deren Trägheit ihnen anriet, lieber gleich zu glauben, als erst mühsam zu prüfen. So wuchs von Tag zu Tag die Zahl solcher trägen und leichtgläubigen Anhänger: Denn hatte die Meinung erst eine gute Anzahl Stimmen für sich, so schrieben die Folgenden dies dem zu, dass sie solche nur durch die Triftigkeit ihrer Gründe hätten erlangen können. Die noch Übrigen waren jetzt genötigt gelten zu lassen, was allgemein galt, um nicht für unruhige Köpfe zu gelten, die sich gegen allgemeingültige Meinungen auflehnten, und naseweise Burschen, die klüger sein wollten als alle Welt.“

Die Möglichkeiten einer breiten Gegenöffentlichkeit, die durch das Internet entsteht, drohen die Macht der Experten heutzutage erheblich einzuschränken. Um diese Gegenöffentlichkeit zu kontern, werden unabhängige Autoritäten wie Prof. Sucharit Bhakdi oder Wolfgang Wodarg zuerst ignoriert und, wenn dies keinen durchschlagenden Erfolg verspricht, massiv angegriffen und verunglimpft (argumentum ad personam).

Sechstens: Den Gegner ins schlechte Licht rücken (A. Schopenhauer, Kunstgriff 16)

„Argumenta ad hominem oder ex concessis. Bei der Behauptung des Gegners müssen wir suchen, ob sie nicht etwa irgendwie, nötigenfalls auch nur scheinbar, im Widerspruch steht mit irgendetwas, das er früher gesagt oder zugegeben hat, oder mit den Satzungen einer Schule oder Sekte, die er gelobt und gebilligt hat, oder mit dem Tun der Anhänger dieser Sekte.“

Bei diesem Kunstgriff ist es interessant zu beobachten, wer von Politik und Medien ins schlechte Licht gerückt wird wegen früherer Aussagen oder Handlungen und bei welchem Personenkreis dies strikt vermieden wird. So wirft Barack Obama seinem Vorgänger „Versagen im Kampf gegen die Pandemie“ vor und klagt ihn regelrecht an: „Viele Amerikaner hätten nicht sterben müssen.“ Der Mainstream berichtet ausführlich, zeigt entsprechendes Bildmaterial dazu und skizziert traurige Schicksale.

Nur frage ich mich, warum die vielen Corona-Verharmloser hierzulande, die es von Januar bis Mitte März zuhauf gab, nahezu komplett von derlei Vorwürfen ausgespart werden. Bankkaufmann, Politologe und Berliner Villenbesitzer Jens Spahn, derzeit als Bundesgesundheitsminister fungierend, ordnete – trotz zweifellos vorhandenem Herrschaftswissen – den „Krankheitsverlauf beim Coronavirus milder ein als etwa bei einer Grippe“. Während bereits im Februar viele Länder ihre Einreisebestimmungen und Sicherheitsvorkehrungen (Quarantäne, Fiebermessungen und so weiter) verschärft hatten, übten sich die Verantwortlichen in Deutschland in Gelassenheit und setzten – man höre und staune – auf „Aufklärung und Selbstverantwortung“. Bei Messen, Karnevalsveranstaltungen und Fußballspielen zeigte sich das gleiche Muster. Während im Ausland bereits alles abgesagt wurde, wurde in Deutschland gefeiert, gebrüllt und sich eng umschlungen. Noch Ende Februar sagte der Präsident des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, dass es „für Masken im Alltag keinerlei Evidenz gäbe, dass sie in irgendeiner Weise hilfreich sind“. Von einer „Spahn-Wieler-Todesuhr“ am Ku’damm, so wie sie als „Trump-Todesuhr“ am Times Square tickt, ist nichts bekannt.

Auf die Schweinegrippe-Rolle des „Star-Virologen“ Christian Drosten und des RKI, die eine auffallende Nähe zur Pharmaindustrie aufweisen, kommen heute ebenfalls nur alternative Medien zu sprechen. Die Rolle der Hauptstrommedien stellte sich vor zehn Jahren noch anders dar. In der ARD-Monitorsendung „Milliardengrab Schweinegrippe: Wer steuert die WHO?“ schlussfolgerten die Reporter: „Heute steht fest: Das Schweinegrippe-Virus verdrängte sogar das gefährlichere regionale Grippevirus. Für Deutschland hieß das die Verdrängung tausender Grippetoter wie in anderen Jahren durch 255 bestätigte Todesfälle durch Schweinegrippe im letzten Winter.“ Laut Grippe-Experten Tom Jefferson war dieser Umstand bereits von Anfang an bekannt: „Es war eigentlich schon früh klar, dass das eine Luftnummer war. Die ersten Zahlen aus Australien hatten gezeigt, dass das eine ganz milde Grippe sein würde. Aber das wurde komplett ignoriert.“

Aber anstatt angesichts dieser Faktenlage schleunigst abzusteigen, ritt Christian Drosten das tote Pferd der „gefährlichen Schweinegrippe“ weiter und versuchte den Menschen Angst einzuflößen und sie zu einer Impfung zu drängen: „Die Welle hat begonnen. Bei der Erkrankung handelt es sich um eine schwerwiegende allgemeine Virusinfektion, die erheblich stärkere Nebenwirkungen zeitigt, als sich irgendjemand vom schlimmsten Impfstoff vorstellen kann.“ Die Impfungen mit Pandemrix, welche Drosten empfahl, verursachten schwerste Nebenwirkungen, unter anderem Narkolepsie (795 Fälle in Europa). Politiker und Soldaten erhielten übrigens Celvapan, das ohne Wirkstoffverstärker, die ein großes Nebenwirkungspotenzial aufweisen, auskommt.

Weil Politik und Medien diese Tatsachen aus der Vergangenheit, die verschiedene Akteure in ein schlechtes Licht rücken, am besten dort lassen wollen, wo sie keiner sieht, nämlich unter den Teppich gekehrt, werden sie das folgende Fazit von Alrun Vogt („Der Fall Corona im anderen Licht: Dieselben Fachleute – wie schon damals im Vogel- und Schweinegrippe-Skandal“) nirgendwo in den Leitmedien zu lesen bekommen: „Wer die früheren Zeitungsmeldungen zum Thema Vogel- und Schweinegrippe studiert, muss zu dem Ergebnis kommen, dass die WHO, das Robert Koch-Institut, Experten wie Herr Drosten, die Pharmalobby und auch andere Akteure ihre Glaubwürdigkeit verwirkt haben und die einzig logische Konsequenz wäre, ihnen nicht noch einmal zu vertrauen.“

Siebtens: Den Gegner durch taktische Provokateure ins schlechte Licht rücken oder in verhasste Kategorien führen?

Der letzte Kunstgriff hat mit Schopenhauer nichts mehr zu tun und besitzt lediglich spekulativen Charakter. Hinter einer Bezahlschranke des „Hamburger Abendblattes“ befindet sich ein Artikel von Jörg Heuer, der es in sich hat: „Wir werden von der Politik verheizt – Polizisten erzählen.“ Hier kommt ein junger Polizist zu Wort, der angibt, eine Karriere als Zielfahnder beim Landeskriminalamt anzustreben. Seine Ausführungen geben zu denken: „Ich erkenne mit mehr als nur Magengrummeln, dass der Staat, dem ich diene und der mich damit beauftragt, Recht und Gesetz durchzusetzen, selbst in seinen inneren Strukturen immer weniger freiheitlich und demokratisch ist.“

Wirklich heikel wird es jedoch hier: „Ich weiß, dass wir bei brisanten Großdemos verdeckt agierende Beamte, die als taktische Provokateure, als vermummte Steinewerfer fungieren, unter die Demonstranten schleusen. Sie werfen auf Befehl Steine oder Flaschen in Richtung der Polizei, damit die dann mit der Räumung beginnen kann.“

Der (mögliche) Einsatz von taktischen Provokateuren würde rechtsstaatlichen Prinzipien diametral entgegenstehen und könnte im schlimmsten Fall dazu führen, dass Polizeibeamte von eigenen Kollegen verletzt oder sogar getötet werden. In Bezug auf unser Thema besäße nur ein Körnchen Wahrheit eine extrem große Sprengkraft, weil all das, was man dem Gegner anhängen will, nun auf den Provokateur und dessen Auftraggeber selbst zurückfiele. Der Einsatz von verdeckt agierenden Provokateuren wäre überdies eines der perfidesten Mittel, einen Disput schon im Vorfeld zu sabotieren, weil man den Gegner nach außen hin als gewalttätig, radikal und unmenschlich darstellt, obwohl er an den provozierten Vorfällen keinerlei Anteil hat.

Fazit:

Die aufgezeigten Beispiele stellen nur einen Bruchteil dessen dar, welcher Mittel sich Politik und Medien bedienen, um Deutungshoheit und Macht zu behalten. Dabei sind die ganzen ähnlich gearteten Täuschungsmanöver, mit denen Kriege mit Millionen von Todesopfern angezettelt und von der Presse als „nötig und richtig“ bezeichnet wurden, noch gar nicht mit berücksichtigt. Die Frage heißt deswegen nicht, wie man disputieren sollte, sondern ob man sich überhaupt erst darauf einlässt: „Wer klug ist, wird im Gespräch weniger an das denken, worüber er spricht, als an den, mit dem er spricht. Sobald er dies tut, ist er sicher, nichts zu sagen, das er nachher bereut“, so lautet Schopenhauers kluger Rat.

In einer Mediendemokratie, in der selbst Siege in Diskussionen hernach in Niederlagen umgedeutet oder auf unbedeutende Nebenschauplätze umgelenkt werden, braucht sich selbst der Wohlmeinendste nicht zu seiner eigenen Hinrichtung aufmachen, was bereits Sun Tsu, chinesischer General und Philosoph, wusste: „Siegen wird der, der weiß, wann er kämpfen muss und wann nicht.“ Wenn für Kritiker des Regierungshandelns ein ellenlanger und bewusst unscharfer Paragraph 130 StGB installiert wird, wenn nach Gutsherrenart die Gesetzeslage laufend so geändert wird, dass (frühere) Gesetzesverstöße plötzlich keine mehr sind, dann ist die Zeit der vielen Worte und besten Absichten vorbei, wie auch Schopenhauer findet: „Vergeben und Vergessen heißt kostbare Erfahrungen zum Fenster hinauswerfen.“

Deswegen sollte sich die kleine Schar von Aufrichtigen sammeln und die Zugbrücke rechtzeitig hochziehen, damit sie nicht unter den Füßen einer verdorbenen Mehrheit, die sich – wieder einmal (!) – das kritiklose Hinterherlaufen hinter einer zerstörerischen Ideologie und damit einhergehend eine aggressive Ausgrenzung sowie die soziale Vernichtung Andersdenkender auf die Fahnen geschrieben hat, zertrampelt wird. Schopenhauer weist auf die große Bedeutung dieser Abgrenzung in seinem letzten Kunstgriff hin, dem nichts mehr hinzuzufügen ist: „Nicht mit dem Ersten dem Besten zu disputieren; sondern allein mit solchen, die man kennt, und von denen man weiß, daß sie Verstand genug haben, nicht gar zu Absurdes vorzubringen und dadurch beschämt werden zu müssen; und um mit Gründen zu disputieren und nicht mit Machtsprüchen und um auf Gründe zu hören und darauf einzugehn; und endlich, dass sie die Wahrheit schätzen, gute Gründe gern hören, auch aus dem Munde des Gegners, und Billigkeit genug haben, um es ertragen zu können, Unrecht zu behalten, wenn die Wahrheit auf der andern Seite liegt. Daraus folgt, dass unter hundert kaum einer ist, der wert ist, dass man mit ihm disputiert.“

Dieser Artikel erschien zuerst auf politkarikatur.de.


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Udo Geißler

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