02. September 2020

Mainstream-Presse und Meinungsfreiheit Blasierte und düpierte Journalisten-Proteste: Die altbekannte radikale Faktenresistenz im Standesd(u)ünkel

Wie eine Zunft sich selbst zerlegt

von Axel B.C. Krauss

Artikelbild
Bildquelle: Model Republique / Shutterstock.com Mainstream-Marionetten: Mythos der Unabhängigkeit und Pressefreiheit

Eigentlich müsste man der KPdSU (Kaderpresse der Sowestunion) dankbar sein für das, was sie im Verlauf der sogenannten Corona-„Pandemie“ zur Schau gestellt hat, zudem mit einer verblüffend autodestruktiven Energie. Es scheint sich um Masochisten zu handeln, die sich nichts Schöneres vorstellen können, als sich selbst größtmöglichen Schaden zuzufügen – durch eklatante Widersprüche, die einen förmlich schon anspringen wie tollwütige Katzen, durch beharrliche Faktenleugnung und eine – ganz milde formuliert – ostalgische „Parteitreue“, wenn es um das äußerst löchrige Corona-Narrativ des kontrolliert-veröffentlichten Meinensollens geht.

Wie man sich den Boden unter den eigenen Füßen aber auch so vollständig wegziehen kann, hat schon etwas Surreales. Manchmal genügen schon ein, zwei krude Sätze in einem Artikel, um die Kluft zwischen Selbstbild und Wirklichkeit, zwischen Anspruch und Ergebnis überdeutlich hervortreten zu lassen. In einem standesd(u)ünkelhaften, grenzenlos arroganten Elaborat der „Zeit“ mit dem Titel „Corona-Proteste: Die neue Wohnzimmer-Radikalität“ vom ersten September 2020 heißt es zum Beispiel:

„Die Kritiker der Corona-Politik, die sich am Samstag in Berlin und am Montag in Nordrhein-Westfalen versammelten, haben den ersten großen Verschwörungsmythos des Corona-Zeitalters widerlegt: dass man nichts gegen die Corona-Maßnahmen sagen dürfe, weil jede abweichende Stimme unterdrückt werde. In Berlin haben einige Zehntausend Demonstrierende das Gegenteil bewiesen, das ist gelebte Demokratie.“

Nun kann man sich streiten, ob das einfach nur blanker Zynismus oder der verantwortliche Redakteur vielleicht auch nur stockblind ist: Nachdem eine Regierung ganz undemokratisch, ohne jemals den „Souverän“ zu befragen, ohne Vorlage wirklich überprüfbarer, geschweige denn wissenschaftlichen Ansprüchen genügender Beweise einfach einen nationalen Lockdown beschlossen hatte, der beträchtliche ökonomische Schäden verursachte, noch nicht zu reden von den psychischen in Teilen der Bevölkerung, soll eine Demonstration gegen solche Maßnahmen nun ein Beweis für diejenige „gelebte Demokratie“ sein, die bereits seit geraumer Zeit – und das beileibe nicht nur in der „Corona-Politik“ – dermaßen mit Füßen getreten wurde, dass man kaum noch Unterschiede zu Komaprüglern in U-Bahnhöfen erkennt. Und wieder schaute ich vorsichtshalber nach, ob der Artikel unter „Satire“ publiziert worden ist: Nein, der meint das ernst. Um sich dann zusammen mit anderen Kollegenden zu wundern, warum die Auflagen schneller fallen als Ikarus in der glühenden Mittagssonne. Welche Leser – pardon, Lesende – mit auch nur einem Fingerhut zündender Neuronen im Kopf lassen sich so was bieten? Wie soll man da nicht die Faust in der Tasche ballen?

Das allein wäre natürlich nicht weiter berichtenswert, sondern nur die übliche Phrasenstrohdrescherei, das hinlänglich bekannte und gewohnte rhetorische Gehampel und -humpel durch das mentale Standesdunkel einer fast nur noch Regierungsvorgaben abschreibenden Zunft, das zudem immer öfter die Frage aufwirft, ob da überhaupt noch Menschen an Tastaturen sitzen oder Alogrithmen aus Satzbausteinen des Kommunistischen Manifestes Artikel zusammenwürfeln.

Nein, der krasseste Widerspruch ist natürlich der, tatsächlich zu behaupten, abweichende Meinungen zu den maßlos überzogenen Maßnahmen der Regierung würden nicht unterdrückt. Vor allem im Pressefail- und Fakestream. Deshalb mache ich jetzt einfach mal die Probe aufs Exempel.

Hochverehrte Qualitätskollegende der „Zeit“, ihr behauptet also, auch regierungsuntreue Ansichten durchzulassen. Nichts würde bei euch unterdrückt. Na, dann bitte. Ich fordere euch deshalb hiermit auf, einen Artikel der AAPS, der vor einigen Tagen auf ihrer Website erschienen ist und den ich ins Deutsche übersetzt habe, in eurer Zeitung ungekürzt abzudrucken. Dasselbe gilt übrigens auch für die „FAZ“, die „Süddeutsche“, den „Tagesspiegel“, „Spiegel“, die „Welt“ sowie den „Focus“.

Falls euch die Abkürzung nichts sagt: AAPS steht für „American Association of Physicians and Surgeons“, also auf Pressedeutsch: Amerikanische Vereinigung rechtsextremer Merkel-Leugner, Covidioten und fachlich unbeleckter Wohnzimmerstürmer. Na, dann bin ich mal gespannt. Der Brief der fachfremden Verschwörungsnazis richtete sich direkt an den US-Vizepräsidenten Mike Pence. Bitte sehr:

„Sehr geehrter Herr Vizepräsident Pence,

Wir, die unterzeichnenden Ärzte, bitten respektvoll und eindringlich darum, dass die Geschäfte und Schulen unseres Landes wieder eröffnet werden können.

Wir trauern um jedes Leben, das durch den neuartigen Virus Covid-19 verloren gegangen ist, aber auch unzählige andere Menschen haben einen enormen Tribut gezahlt.

Unsere Patienten haben unnötigerweise unter Schmerzen und körperlichem Verfall mit Fortschreiten der Krankheit gelitten, weil die Regierung kurzsichtige Erlasse erlassen hat, um jegliche nicht notfallbezogene Versorgung, die nichts mit Covid-19 zu tun hat, einzustellen. Einigen Patienten droht nun der unausweichliche Tod, weil Diagnose und Behandlung zu lange hinausgezögert wurden. Zu viele unserer Patienten haben weit mehr unter den psychologischen, physischen und wirtschaftlichen Folgen der Schließung von Gemeinden und Unternehmen gelitten als unter den direkten Auswirkungen von Covid-19 selbst.

Das gesammelte Wissen, das wir jetzt über Covid-19 und die beobachteten Verwüstungen durch den Shutdown der Wirtschaft haben, stimmt uns zuversichtlich, nun fordern zu können, dass dem amerikanischen Volk die Freiheit gegeben wird, sich unverzüglich wieder in Handel und Gesellschaft zu engagieren. Immer mehr Beweise deuten darauf hin, dass die beispiellose Politik, gesunde Amerikaner in Quarantäne zu zwingen, nicht notwendig gewesen wäre, um Leben zu retten, sondern dass sie stattdessen zehn Millionen Menschen verheerenden Schaden zugefügt hat. Es ist unnötig, weiterhin mit der Schließung von Unternehmen zu drohen und Menschenansammlungen aufgrund von Fallzahlen oder willkürlichen Benchmarks zu verbieten, insbesondere dann, wenn verstärkte Tests natürlich zu einem Anstieg der Fallzahlen führen, die Krankenhauseinweisungen aber nicht überwältigend waren. Es ist deutlich geworden, dass Covid-19 von der Ärzteschaft bewältigt werden kann – Wir können die Kranken behandeln und die Schwachen schützen, ohne dass es zu einem sozialen und wirtschaftlichen Lockdown kommt.

Die folgenden Konzepte basieren auf beobachtbaren Fakten und einer gesunden Dosis gesunden Menschenverstands:

1. Wir wollen den Menschen in diesem Land Hoffnung bringen und das Vertrauen wiederherstellen, dass wir wieder sicher in Gemeinschaft miteinander leben und wirklich ein Leben ohne Angst führen können. 99 Prozent der Infizierten sind trotz des Virus überlebensfähig. Bei den unter 60-Jährigen liegt die geschätzte Sterblichkeitsrate bei 0,05 Prozent. Im Durchschnitt liegt die Sterblichkeitsrate bei 0,2 Prozent.

2. Die überwältigende Mehrheit der Infizierten, vielleicht 80 Prozent, hat keine oder höchstens leichte Symptome. Wir können nicht mit Sicherheit wissen, wie viele asymptomatische Fälle es gibt oder gab.

3. Wir wissen jetzt, dass eine genau definierte Untergruppe der Bevölkerung durch Covid-19 für schwere Krankheiten oder Tod anfällig ist. Unsere Ressourcen sollten darauf ausgerichtet sein, diese Personen, insbesondere Pflegeheimpatienten, zu schützen und umgehend zu behandeln, ohne sie zu einer längeren Isolation von der Liebe und dem Trost ihrer Familien und Freunde zu verdammen.

4. Die Medien erschrecken die Menschen und erzeugen eine lähmende Angst, die unserer Gesellschaft das Leben entzogen hat. Selbstmord-Hotlines wurden mit Anrufen überhäuft. Patienten leiden unter medizinischer Vernachlässigung aufgrund der gefährlichen Medienberichte, in denen die Menschen angewiesen werden, zu Hause zu bleiben, wenn sie krank sind.

5. Beamte des öffentlichen Gesundheitswesens und der Verwaltung haben sich in die medizinische Entscheidungsfindung eingemischt. Einige gewählte Amtsträger und staatliche Gremien haben die Verwendung sicherer und von der FDA [die Food and Drug Administration FDA ist die Lebensmittelüberwachungs- und Arzneimittelbehörde der Vereinigten Staaten] zugelassener Medikamente bei der Behandlung von Covid-19 verhindert, was eine beispiellose Einmischung in das ärztliche Urteilsvermögen darstellt. Ärzte werden auch unter Druck gesetzt, die Todesfälle so zu zählen, dass die tatsächliche Zahl der Infektionstoten aufgebläht wird. Wir können unsere Patienten nicht beruhigen und die Kranken vertrauensvoll behandeln, wenn wir verzerrte und ungenaue Daten verwenden.

6. Eine frühzeitige Behandlung dieser Krankheit verhindert Krankenhausaufenthalte und ermutigt diejenigen, die Angst haben. Es gibt immer mehr Belege für den Einsatz von sicheren, kostengünstigen und leicht verfügbaren Medikamenten und Vitamin- und Mineralstoffzusätzen sowie für neuere Behandlungen in der Entwicklung. Wir müssen unser Bestes tun, um die Informationen, die wir haben, zu nutzen, um Patienten frühzeitig im Krankheitsprozess zu behandeln. Wir brauchen keine Angst zu haben, die Krankenhäuser zu überfordern, wenn wir die Kranken frühzeitig in Arztpraxen oder bei den Patienten zu Hause behandeln, bevor sie so krank werden, dass sie ins Krankenhaus eingeliefert werden müssen.

7. Sehr viele Landkreise waren aufgrund des breit angelegten zentralisierten Ansatzes der Landesregierungen sinnlosem Leid ausgesetzt. Am 11. Mai gab es in 50 Prozent der US-Landkreise null Tote, 63 Prozent (1.996) aller Landkreise haben nicht mehr als einen Todesfall pro Landkreis. Dies sind unglaublich ermutigende Nachrichten für unser Land. Wir müssen es diesen Landkreisen ermöglichen, voll funktionsfähig zu sein und ihnen die Freiheit geben, ihre Nachbargemeinden zu unterstützen, die sich möglicherweise in einer Katastrophe befinden.

8. Eine natürliche, weit verbreitete Immunität kann sicher erreicht werden, ohne auf einen Impfstoff zu warten. Die Ansteckung mit leichten und weitgehend überlebensfähigen Krankheiten ist ein natürlicher Prozess der Immunitätsbildung und stärkt unsere Gemeinschaften. Wir haben schon immer und werden auch weiterhin, wenn möglich, die Schwachen identifizieren und schützen.

9. Es ist unbedingt erforderlich, dass die öffentlichen Schulen pünktlich in diesem Herbst eröffnet werden. Die pädagogischen, psychologischen und sozialen Auswirkungen der Unterbringung zu Hause sind verheerend. Obwohl viele Bezirke heldenhafte Anstrengungen unternommen haben, um online zu unterrichten, waren der Mangel an Routine, die Isolation und die Unfähigkeit, effektiv mit den Schülern zu interagieren, ein schlechter Ersatz für das Schulzimmer. Kinder sind am wenigsten anfällig für eine signifikante Covid-19-Krankheit.

10. Die Massentestung von Bürgern sollte nicht dazu benutzt werden, eine Politik zu schaffen, die den Lebensunterhalt des Einzelnen und seine Freiheit zur Teilhabe an der Gesellschaft einschränkt, und auch nicht dazu, Unternehmen und Landkreise mit wiederholten Schließungen zu bedrohen. Wir wenden uns gegen unnachgiebige Überwachung, dagegen, Einzelpersonen als Sündenböcke zu benutzen, sowie gegen Spitzelprogramme in der Nachbarschaft. Dieser drakonische Ansatz im Umgang mit einem Atemwegsvirus ist schädlich und wird das Wohlwollen unserer Gesellschaft erschüttern.

Wir haben aus dieser Erfahrung gelernt und sind bereit, jeder künftigen Ansteckung auf organisierte, effiziente Weise entgegenzutreten – ohne die zusätzliche wirtschaftliche und soziale Katastrophe, die sich aus dem nationalen Lockdown ergeben hat. Wir werden unsere Patienten ermutigen, aufklären und zum Verständnis dazu beitragen, dass wir alle Menschen und als solche anfällig für Infektionen sind, die immer wieder auftreten werden. Tatsächlich bedeutet Leben, in vollen Zügen und mit Risiken zu leben und diese Risiken mit gesundem Menschenverstand so zu mindern, dass wir unsere Menschlichkeit und die Notwendigkeit, uns in Gemeinschaft, Handel, Bildung und Gottesdienst mit unseren Mitbürgern zu engagieren, annehmen können.

Wir können die gegenwärtige Dysfunktion in der Gesellschaft nicht als „neue Normalität“ akzeptieren. Unser Ziel ist es, mit Hoffnung und Mut statt mit Angst und Verwirrung zu führen. Wir wollen dazu beitragen, dass in unseren Gemeinschaften wieder ein neuer Sinn für die Sache entsteht, die Menschen wieder ihren Lebensunterhalt bestreiten und wieder an Musik, Sport und Kunst teilnehmen können. Unsere Mediziner sind bereit, dieser Nation nach dem altehrwürdigen Hippokratischen Eid zu dienen, der uns aufruft, mit Respekt und Mitgefühl zu dienen und vor allem keinen Schaden anzurichten.“

Link zum englischen Original-Artikel:„Physician Letter: Reopen America“

Artikel bewerten

Artikel teilen

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Dossier: Mediales

Mehr von Axel B.C. Krauss

Über Axel B.C. Krauss

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige