02. Mai 2020

Politikgläubigkeit und Aufschieben von Unangenehmem Handwerk der Feigheit

Nicht zu leiden bedeutet auch, nicht zu leben

von Frank Jordan

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Bildquelle: shutterstock Illusion von Sicherheit: Staatliches Konstrukt

Etwas vom Sichersten im Leben sind Schwankungen. In emotionaler, physischer, wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht. Ein fixiertes, starres Leben, Zusammenleben und Wirtschaften – Platons großer Traum der Unveränderlichkeit, des Ein-für-allemal – ist nicht nur nicht lebenswert, sondern als Idee absurd und als reales Experiment in jeder Beziehung ruinös. Und es endet zwingend in Tyrannei und Tod wie alles, das Flüchtiges, wie das Leben es ist, festhalten, fixieren und kontrollieren will.

Trotzdem wird nichts anderes von der Politik praktiziert und von einer Mehrheit der Menschen gefordert: das Ausschalten von Schwankungen, Unsicherheiten und Bereinigungen zugunsten einer Illusion von Stabilität und Sicherheit, die allem, was Leben und Natur bedeutet, zuwiderläuft.

Mit Billionen von Euros und Dollars wird die Bereinigung des Finanz- und Wirtschaftssystems verhindert und ein Konstrukt in den Himmel gebaut und aufrechterhalten, das aus eigener Kraft längst nicht mehr stehen würde. Mit dem Ausschalten der natürlichen Verteilung und der Schwankungen von Talent, Begabung und Fähigkeiten werden Generationen von Kindern mit der Nadel der Gerechtigkeit auf dem Samt der Gleichheit aufgespießt und zu Bewegungslosigkeit und geistigem Tod verdammt. Mittels Lockdown werden zurzeit Tausende von Toten verhindert, die das Leben selbst und der Ruin morgen fordern werden.

Das Leben ist hart, die Natur und ihre Gesetze sind mitleidlos. Aber das, was die Politik uns anbietet und was viele glaubend kaufen, das hat mit Sicherheit nichts zu tun. Auch nicht mit Stabilität. Es ist vielmehr die Reduktion dessen, was man Leben nennt, auf ein Ausweichmanöver, ein Jahrzehnte dauerndes Sich-Wegducken. Es ist nichts anderes als der größenwahnsinnige Versuch und der feige Wunsch, Unsicherheit, Ungleichheit, Bereinigung, Krankheit und Tod, die natürlicher Teil des Lebens sind, durch Unterschlagung der Tatsache auszuschalten, dass das Einzige, was man damit erreicht, ihre Verschiebung in die Zukunft ist. Es ist die Bereitschaft und der Wille, Unangenehmes zugunsten eines komfortablen Jetzt zu vermeiden und es jenen, die nach uns kommen, aufzubürden. Alles, alles, bloß heute nicht leiden, heute „gut leben“. Das Problem dabei: Nicht zu leiden bedeutet auch, nicht zu leben.

Mehr noch: Wo Schwankungen unterdrückt werden zugunsten eines laschen Komforts, wo ein halbes Heute akzeptiert wird für ein Stück falscher Sicherheit, da wird nicht nur nicht gelebt, da wird das Morgen hart, brutal, arm und unfrei.

Und es stellt sich die Frage, ob eine Gesellschaft, die bereit ist, ihren Kindern solches zu hinterlassen, um heute nicht leben zu müssen, überhaupt zur Zukunft fähig ist, eine haben will oder eine verdient hat.

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog des Autors.


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