16. April 2020

Interview mit Bill Gates in den „Tagesthemen“ Das Gute außer Rand und Band

Auf dem Weg in den fröhlichen Ameisenstaat

von Michael Klonovsky

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Bildquelle: Paolo Bona / Shutterstock.com Bill Gates: Großer Wohltäter oder James-Bond-Bösewicht?

Verschwörungstheorien sind das eine, ihre Kronzeugen das andere. Am Ostersonntag wurde Bill Gates in den „Tagesthemen“ interviewt, und diesem Gespräch ist weite Verbreitung zu wünschen („Kommentare sind deaktiviert“). Ein offenkundig Übergeschnappter – man achte nur auf das immer wieder über sein Gesicht huschende Grinsen, während er von seinem Kampf gegen die Pandemie spricht – erklärt ungerührt, er lasse gerade eine Vakzine entwickeln, und dann „werden wir den Impfstoff letztendlich sieben Milliarden Menschen verabreichen. Da können wir uns keine Probleme mit bedrohlichen Nebenwirkungen leisten. Und doch werden wir die Entscheidungen zum Einsatz des neuen Impfstoffs auf einer geringeren Datengrundlage als sonst fällen, damit wir schnelle Fortschritte erzielen.“

Wir sehen in das Gesicht eines Menschen, der in gottähnlicher Präpotenz auf den Globus und die darauf herumwimmelnden Milliarden schaut – das Interview lief ja noch zufällig (?) an Ostern. Dieser Mann hat in einer Garage mit einer genialen Idee angefangen, und nun ist er Multimilliardär, und wir dürfen dabei hospitieren, wie er durchdreht. Wer meinte, die James-Bond-Bösewichte seien eine Erfindung, empfängt dieser Tage Belehrung; sie sind freilich auf eine andere Art gemeingefährlich; Gevatter Soros ist ja auch so ein Fall. Wilhelm Buschs „Das Gute, dieser Satz steht fest, ist stets das Böse, das man lässt“ muss umgedichtet werden: Das Böse, glaubt die Stelle nie vakant, ist heut das Gute außer Rand und Band. Aber vielleicht irre ich mich ja und Gates ist der große Wohltäter der Dritten Welt. Ich kann mich eines Interviews mit dem Impf-Neocon entsinnen – ich finde es leider nicht im Netz –‍, in dem er davon phantasierte, dass unsere künftige Sprache einfacher, unterkomplexer, unraffinierter sein müsse, damit alle Welt sie verstehe und besser miteinander kommunizieren könne (das sagte er sinngemäß, nicht wörtlich). „Der Teufel hat heutzutage eine geometrische Form“ (Nicolás Gómez Dávila).

Auf der Webseite cashkurs.com erfährt der Leser Interessantes: „Im September 2019, und somit gerade einmal drei Monate vor dem ersten dokumentierten Auftauchen des Coronavirus in China, kündigte die in San Francisco ansässige Biometrie-Firma ID2020, die Microsoft zu ihren Gründungsmitgliedern zählt, ohne viel Aufhebens an, an einem neuen Projekt zu arbeiten, das ‚Forschungen an zahlreichen biometrischen Identifikationstechnologien für Kleinkinder mit einbezieht‘.“ – „In einem neuen Interview merkt Bill Gates in autoritärem Stil an, dass Massenversammlungen in jeder Hinsicht der Vergangenheit angehörten und nicht mehr abgehalten werden könnten, solange es keine Massenimpfung (gegen das Coronavirus) gebe. Wer hat Bill Gates eigentlich zum König der Welt erklärt?“ – „Forscher am Massachusetts Institute of Technology(MIT) haben entwickelt, was sich bei Licht besehen als ‚High-Tech-Tätowierung‘, die in unsichtbarer Färbung unterhalb der Haut daherkommt, bezeichnen lässt. Diese ‚Markierung‘ würde zusammen mit einem Impfstoff geliefert und wahrscheinlich durch Gavi, die globale Impfstoffbehörde, die sich ebenfalls unter dem Schirm der Bill & Melinda Gates Foundation befindet, verwaltet.“ – „Aus heutiger Sicht und einer globalen Dienstleistungsökonomie, die sich unter einem Lockdown befindet, um große Gruppen von infizierten Personen daran zu hindern, sich zu versammeln, ist es nie zuvor leichter gewesen, sich einen Tag vorzustellen, an dem sich die Menschen dazu aufgefordert sehen werden, sich ihre persönliche ‚ID-Tätowierung‘ verabreichen zu lassen, um wieder Zugang zu jeder Art von öffentlichen Orten zu erhalten.“

Entsteht der globale Überwachungsstaat als Kollateralnutzen der Gesundheitsfürsorge? Werden unsere Nachkommen in einer Welt leben, in der sie morgens der Computer über ihren Gesundheitszustand aufklärt und ihnen verbietet, Kaffee oder Alkohol zu trinken, um nicht der Gesellschaft eines Tages unnötige Kosten aufzubürden, und sie darüber informiert, dass ihr Kohlendioxid-Mobilitätskontingent für den laufenden Monat aufgebraucht ist, während das Wahrheitsministerium weiß, dass sie auf doppelplusunguten Webseiten unterwegs waren, und für den Wiederholungsfall eine dreitägige pädagogische Sperrung der – natürlich längst unter der Haut implantierten – Kreditkarte androht? Solche Fragen mögen überdreht anmuten angesichts der Zustände in manchen afrikanischen Ländern, doch wenn man sich anschaut, wie durchorganisiert die elektronische Kontrolle der Einwohner – von Bürgern wird man ja wohl nicht mehr sprechen – in einem Riesenland wie China mit seinen Sozialpunkten heute schon ist, wirken sie nicht unplausibel. Gottlob muss ich diesen fröhlichen Ameisenstaat, diese Brave New World nicht mehr erleben.

„Tagesthemen“ vom 12.04.2020: „Bill Gates über Corona-Impfstoff“

„Cashkurs“: „Bill Gates: Keine Massenversammlungen ohne globalen Impfstoff mehr!“

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Acta diurna“.


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