30. März 2020

Laut „Tagesschau“ soll Südkorea das Vorbild für die deutsche Bundesregierung bei der Bekämpfung von Covid-19 werden Die Politdarsteller haben keine Ahnung, wovon sie palavern

Ein Interview mit einem südkoreanischen Experten bietet Aufklärung

von Michael Klein

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Bildquelle: shutterstock Kampf gegen Corona in Südkorea: Vorbild für die deutsche Bundesregierung?

Südkorea soll Vorbild für die Reaktion der deutschen Regierung auf Covid-19 werden. Die „Tagesschau“ hat es gemeldet. Es steht in einem „vertraulichen Strategiepapier“, wie die Rechercheverweigerer der ARD, Markus Grill und Georg Mascolo, ihren Lesern vermitteln wollen. Nun, das „vertrauliche Strategiepapier“, das im Bundesinnenministerium innerhalb von ganz kurzer Zeit erstellt worden sein soll, ist entweder ein Plagiat, oder die beiden Journalisten-Attrappen der ARD betreiben krude Propaganda. Wo auch immer die Urheberschaft der Ideen, die im „vertraulichen Strategiepapier“ verbreitet werden, verschwiegen wird, die Ideen stammen von Tomas Pueyo. Er hat sie vor einiger Zeit publiziert. Jeder halbwegs zur Recherche fähige Journalist kann das in knapp einer Minute Suchzeit herausfinden. Nur Grill und Mascolo können das in ihrem Beitrag, der unter dem Reiter „Investigativ“ abgelegt ist, nicht.

Inkompetenz oder Unterschlagungsabsicht?

Die Bundesregierung hat sich also Südkorea zum Vorbild genommen, um den eigenen vollkommen chaotischen Versuch, Covid-19 unter Kontrolle zu bringen, durch eine systematische Herangehensweise zu ersetzen. Ich sage: In der Bundesregierung haben sie keine Ahnung, was die Methode „Südkorea“ bedeutet.

Sie bedeutet unter anderem: Verbindliches Tragen einer Maske für alle in der Öffentlichkeit; umfangreiches Testen auf Sars-CoV-2 – bis zum 23. März wurden in Südkorea 338.000 Tests durchgeführt; Bereitstellen der Testergebnisse innerhalb von maximal einem Tag; konsequente Isolation der positiv Getesteten in häuslicher Quarantäne; tägliche Statusberichte der positiv Getesteten per Smartphone; Bewegungskontrolle der positiv Getesteten, um sicherzustellen, dass die Quarantäne eingehalten wird; sofortige Benachrichtigung aller Südkoreaner per SMS über positiv Getestete in ihrer Wohngegend, inklusive Informationen zu den Zeiten, zu denen sich der positiv Getestete an öffentlichen Plätzen, an denen sie sich angesteckt haben könnten, befunden hat; und vieles mehr.

Ich denke, in der deutschen Bundesregierung hat man keine Ahnung, was die Methode „Südkorea“ eigentlich bedeutet. Aber dem kann Abhilfe geschaffen werden. Das unten verlinkte Video ist das Beste, was ich bislang zu Covid-19 gefunden habe. Stephen Park von „Asian Boss“ interviewt darin Kim Woo-Ju. Woo-Ju ist Professor für Infektionsmedizin am Korea University College of Medicine und der Mann, der in Südkorea für die Strategie verantwortlich ist, die dem Land einen unglaublichen Erfolg im Kampf gegen Sars-CoV-2 beschert hat. Woo-Ju ist, wenn man so will, der Experte für Sars-CoV und der Architekt der südkoreanischen Strategie, die im Gegensatz zur deutschen nicht in vertraulichen Strategiepapieren zu finden ist, sondern von ihm ganz öffentlich und gegenüber Vertretern der Neuen Medien bereitwillig erklärt wird. Während in Deutschland die Presse von Pressekonferenzen (was für ein Witz) ausgeschlossen wird und erhebliche Berührungsängste zu Neuen Medien bestehen, wird in Südkorea Öffentlichkeit gesucht. Der ganze Ansatz zur Bekämpfung von Covid-19 ist in Südkorea ein öffentlicher, ein vollkommen transparenter. Schon deshalb ist ausgeschlossen, dass er in Deutschland, im Land der Geheimnistuer, die Verschwiegenheit benötigen, um ihre Inkompetenz zu kaschieren, umgesetzt werden wird.

Das unten verlinkte Video ist eine Perle für all diejenigen, die wirklich wissen wollen, was es mit Sars-CoV und dem Kampf gegen Covid-19 auf sich hat. Die Methode „Südkorea“ wird in dem Video von ihrem „Erfinder“ ebenso dargestellt, wie die Gefahr, die von Sars-CoV-2 ausgeht, sehr plastisch vor Augen geführt wird. Das Interview wird auf Koreanisch geführt und ist mit englischen Untertiteln versehen. Die Erste Welt spricht ihre Landessprache und Englisch – es ist besser, sich darauf einzustellen, vor allem wenn man wie die deutsche Regierung den Anschluss verpasst hat.

tagesschau.de: „Mit effizientem Testen zum ‚Best Case‘“

„Medium“: „Coronavirus: The Hammer and the Dance“ (Englisch)

„Asian Boss“: „Du solltest diesem führenden Covid-19-Experten aus Südkorea zuhören“

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Sciencefiles“.


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