24. März 2020

Patrick Gensing auf tagesschau.de über „Rechtspopulisten“ und Corona ARD-Propaganda-Troll steht plötzlich ohne Sündenböcke da

Mit Journalismus hat das nichts zu tun

von Michael Klein

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Bildquelle: shutterstock Planvolleres Vorgehen als in Deutschland: Kampf gegen Corona im Vereinigten Königreich

Nichts ist so schlecht, als dass es nicht für etwas gut ist. Ein alter weißer und weiser Pfälzer hat das gesagt.

Sars-CoV-2 hat es geschafft, die öffentliche Diskussion von vollkommen Irrelevantem zu befreien. Das tägliche Stakkato gegen angebliche Rechtspopulisten und für Gender-Quatsch in welcher Weise auch immer und das tägliche Drücken auf die Mitleidsdrüse für all diejenigen, die hoffen, ihren Spleen zu einer von allen finanzierten Eigenschaft machen zu können, seien sie Transgender oder Leute, die ihre Zugehörigkeit zu einer Minderheit wie eine Auszeichnung vor sich hertragen (weil sie auf sonst nichts verweisen können), es hat aufgehört. Die Realität hat den Ausgeburten gelangweilter Gehirne zeitweise ein Ende gesetzt.

Können Sie sich vorstellen, wie bleischwer ich war, als mich gestern ein Hinweis auf den Propaganda-Troll der ARD, Patrick Gensing, erreicht hat, zu seinem heutigen Versuch, als Journalist zu erscheinen, der ebenso wie alle davorliegenden gescheitert ist?

„Wenn plötzlich Sündenböcke fehlen“, so titelt Gensing voller Selbstreferenz, denn er schreibt ausschließlich von denen, die seine Sündenböcke sind, und attestiert ihnen, nicht mehr im öffentlichen Diskurs vorzukommen, wenn also plötzlich Sündenböcke fehlen, dann kriegen es Propagandisten wie Gensing mit der Angst zu tun. Dann befürchten sie (zu Recht), ihre derzeitige Überflüssigkeit sei nicht nur temporär, sondern dauerhaft. Dann bäumen sie sich gegen das drohende Ende der auf Kosten von Gebührenzahlern geführten Existenz auf und schauen voller Grauen in eine Zukunft, in der sie mit richtigen Journalisten, die Informationen recherchieren und bereitstellen, konkurrieren müssen und vorhersehbar scheitern werden.

Der gestrige Beitrag von Gensing ist eine Folge dieser Angst, zum Corona-Verlierer zu werden. Es ist ein Beitrag, in dem wir nichts erfahren, was wir nicht sowieso schon wussten. Gensing mag die AfD nicht – deshalb salbadert er über Björn Höcke, Wolfgang Gedeon und Tweets von Georg Pazderski und wirft der AfD vor, sie habe zum Coronavirus (so wie er) nichts zu sagen. Gensing mag Matteo Salvini nicht, deshalb behauptet er, Salvini werde aktuell ignoriert (von wem auch immer). Gensing mag Donald Trump nicht, deshalb wird der US-Präsident zum Hörer „beißender Kritik“ umfunktioniert. Gensing mag Boris Johnson nicht, was abermals mit Kritik, in der Johnson derzeit stehe, legitimiert werden soll.

Die kleine Welt des Patrick Gensing ist damit bereits am Ende. Das, was seine Tätigkeit als Propaganda-Troll zum Gegenstand hat, ist vollumfänglich beschrieben. Mit Journalismus hat dies nichts zu tun, schon deshalb nicht, weil Journalismus und das Ausleben der eigenen, sehr begrenzten linkspopulistischen Haltung nichts miteinander zu tun haben.

Richtiger Journalismus betrachtet zwei Seiten einer Medaille. Richtiger Journalismus hat zum Ziel, Konsumenten journalistischer Erzeugnisse mit möglichst vielen Fakten zu einem Problem zu versorgen. Zwangsläufig führt richtiger Journalismus dazu, dass ein Journalist seinen Horizont stets erweitert. Was zum Ergebnis hat, dass ein Journalist von Zweifeln getrieben ist und keine unveränderlichen Feindbilder pflegt.

Nichts davon trifft auf Gensing zu. Seine Troll-Beiträge sind immer einseitig. Seine Troll-Beiträge machen keinerlei Versuch, jenseits einseitiger Behauptungen Fakten beizutragen, die es Konsumenten erlauben, sich ein eigenes Urteil zu bilden. Der Horizont von Gensing ist seit Jahren ohne Erweiterung. Seit Jahren kennt er nur „Rechtspopulisten“. Gensing kennt keine Zweifel und wird von seinen unverrückbaren Feindbildern geradezu vor sich hergetrieben. Er ist eben ein Propaganda-Troll, der wohl dafür bezahlt wird, die Öffentlichkeit mit seiner Propaganda zu trollen.

Und diese Propaganda hat nichts mit der Realität zu tun. Das wird am Beispiel von Boris Johnson besonders deutlich. Nebenbei hat ihn Gensing zum Rechtspopulisten erklärt. Nun, wenn Johnson ein Rechtspopulist ist, dann ist er ein sehr erfolgreicher: Dass in einer Umfrage 52 Prozent eine Wahlabsicht für die Tories erklären, das hat es in der britischen Geschichte noch nicht gegeben.

Übrigens: Der Labour-Leader wird ignoriert. Wissen Sie, wer der Labour-Leader ist? Wissen Sie, dass derzeit darüber gestritten wird, wer Labour-Leader sein soll? Kennen Sie auch nur einen derjenigen, die Labour-Leader werden wollen?

Eben: Labour wird komplett ignoriert, nicht nur Salvini, sofern er überhaupt ignoriert wird, was wir nicht wissen, denn der ARD-Propaganda-Troll bleibt jeden Beleg für seine Behauptung schuldig. So wie er jeden Beleg für seine Behauptung, dass die britische Regierung unter Boris Johnson stark in der Kritik stehe, „da sie zunächst bei Maßnahmen zum ‚Social Distancing‘ zurückhaltend war“, schuldig bleibt.

Nun, wenn die britische Regierung in der Kritik steht, dann schlägt sich das nicht in der öffentlichen Meinung nieder. Es wäre spannend, eine ähnliche Umfrage aus Deutschland zu sehen. Aber das käme Kritik gleich, und Kritik an der deutschen Regierung ist nicht das, wofür Gensing bezahlt wird, ganz im Gegenteil.

Dabei wäre Kritik, heftige Kritik an der larmoyanten Art und Weise, in der die Bundesregierung und die Landesfürsten versuchen, eine Pandemie auszusitzen beziehungsweise ihr mit Ad-hoc- und Panik-Maßnahmen zu begegnen, mehr als angebracht.

Chris Whitty ist der Chief Medical Officer des Vereinigten Königreichs und der Berater der britischen Regierung, deren Ansatz, der Pandemie Herr zu werden, von Anfang an ein wissenschaftlicher war, der auf Basis neuer Daten täglich neu ausgewertet wird. Zur Erinnerung: Lange bevor die Mitglieder der deutschen Bundesregierung „Sars-CoV-2“ fehlerfrei buchstabieren konnten, gab es im Vereinigten Königreich einen Coronavirus-Handlungsplan, in dem die Regierung von Boris Johnson die Phasen des Vorgehens gegen Sars-CoV-2 und Covid-19 beschrieben hat. Dieser Handlungsplan ist bis heute unverändert in Kraft und sieht unter anderem ein Vorgehen vor, wie der Gefahr, die durch die Verbreitung von Sars-CoV-2 entstanden ist, in Abhängigkeit von der aktuellen Entwicklung begegnet werden soll: zuerst mit dem Versuch, das Virus einzudämmen. Wenn dies aufgrund der Zahl der Infizierten und aufgrund einer nicht mehr gegebenen Nachverfolgbarkeit der Fälle nicht mehr möglich ist, mit dem Versuch, die Verbreitung von Sars-CoV-2 zu hemmen, um eine Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern. Und natürlich damit, die Folgen der Pandemie für die Erkrankten und die von Maßnahmen zur Eindämmung von Sars-CoV-2 Betroffenen zu mildern. Dazu wurde die „Coronavirus Bill“ auf den Weg gebracht. Die ständige wissenschaftliche Begleitung aller Entscheidungen der britischen Regierung wird zum einen durch die täglichen Pressekonferenzen, die Boris Johnson, Chris Whitty und der Chief Scientific Adviser Sir Patrick Vallance gemeinsam abhalten, dokumentiert, zum anderen dadurch, dass die britische Regierung auf die kontinuierliche Auswertung der Situation unverzüglich mit Maßnahmen reagiert, die der veränderten Situation gerecht werden sollen.

Das war nun viel Information, um dem, was die britische Regierung gegen Sars-CoV-2 unternimmt, gerecht zu werden. Dazu muss man recherchieren oder die Kenntnisse, die man hat, zusammenstellen. Wenn man nicht recherchieren kann oder will und nicht auf eigene Kenntnisse zurückgreifen kann, weil man zum Beispiel ein Propaganda-Troll ist, der Angst um seine Einkunftsquelle hat, weil das einzige, was er von linksextremer Position aus kann, Leute rechts von ihm zu Rechtspopulisten zu erklären, nicht mehr nachgefragt wird, dann bleibt nicht viel übrig, als zu versuchen, die eigene Armseligkeit hinter pauschalen Behauptungen zu verstecken wie: „Die britische Regierung von Boris Johnson steht ebenfalls stark in der Kritik.“

Es muss schlimm sein, wenn man in einem Berufsfeld tätig ist, für das einem jede Qualifikation fehlt und in dem das Trollen aus linkspopulistischer Perspektive nicht mehr nachgefragt wird…

tagesschau.de: „Wenn plötzlich Sündenböcke fehlen“

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Sciencefiles“.


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