12. März 2020

Das Virus und der Crash Kein schwarzer Schwan

Corona bietet auch die Chance für einen Neustart

von Andreas Tögel

Artikelbild
Bildquelle: shutterstock Massive Auswirkungen auf die Wirtschaft: Corona

Die von der WHO inzwischen offiziell ausgerufene Coronavirus-Pandemie hat schon jetzt wesentlich massivere Auswirkungen auf die Wirtschaft, als ursprünglich befürchtet. Von einem nur „leichten Dämpfer“ für die Konjunktur kann längst keine Rede mehr sein. Die Wahrscheinlichkeit einer weltweiten Rezession nimmt mit jeder Stunde zu.

Die Einschränkung der individuellen Mobilität, wie sie in Italien flächendeckend verordnet wurde, wirkt sich naturgemäß verheerend auf die gesamte Volkswirtschaft sowie auf deren in- und ausländische Kunden und Zulieferer aus. Mobilität bedeutet eben Freiheit – auch für den Broterwerb. Geht es mit dieser Freiheit bergab, dann auch mit dem Wohlstand der Nation‍(‍en‍).

Noch ist es zu früh für seriöse Prognosen. Aber gerade Italien, das innerhalb der EU in wirtschaftlicher Hinsicht wohl größte Sorgenkind mit seinen zahlreichen ungelösten Strukturproblemen, könnte sich als der Stolperstein für das weitere Schicksal der Union – insbesondere für die Gemeinschaftswährung – erweisen. Denn beim schwer verschuldeten italienischen Staat handelt es sich um ein ganz anderes Kaliber als im Fall Griechenlands. Italien kann niemand im Vorbeigehen aus seinen Problemen herauskaufen – auch die EZB und der IWF nicht. Dennoch ist schon von Milliardenspritzen für den italienischen Patienten die Rede, um strauchelnde Betriebe über Wasser zu halten – und das sind nicht wenige. Christine Lagarde stellt seitens der EZB bereits eine Verdopplung des Anleihekaufprogramms in Aussicht.

Krisen und Kriege (wogegen auch immer sie geführt werden) verhelfen den Regierungen stets zur Machtkonzentration und ‑ausweitung. Wer dabei nicht freudig mitzieht, wer hoheitliche Interventionen nicht kritiklos gutheißt, findet sich sehr schnell in der Rolle des Sündenbocks, Volksfeindes oder gar eines Verräters wieder.

Die durch das Coronavirus ausgelöste Krise ist geradezu perfekt dafür geeignet, um von vielen in der Vergangenheit gemachten Fehlern abzulenken und die Welt noch stärker in Richtung einer Überwachungs- und Regulierungswüste zu transformieren. Wir haben es keinesfalls mit einem in Gestalt des Virus unerwartet aufgetauchten „schwarzen Schwan“ zu tun, der mit einem Mal alles verändert und manche Freihandelsfeinde bereits über einen „globalen Gamechanger“ frohlocken lässt. Nein, Corona liefert lediglich den Funken, der die Lunte zum Brennen und die längst gelegte Ladung zur Explosion bringt. Börsencrash, Ölpreisschock (diesmal nicht wie 1973, sondern in die Gegenrichtung), „Flüchtlings“-Tsunami an der Außengrenze der EU – all das wäre auch ohne das Virus nicht zu vermeiden gewesen. Zu lange wurden einfach die falschen Anreize geboten.

Wie geht es mittelfristig weiter? Die Pandemie wird – nach soundso vielen Todesopfern – wieder abklingen. Die Menschheit hat auch mehrere weit schlimmere Pestepidemien überlebt. Gesunde Betriebe werden – vorausgesetzt, die von den Regierungen verhängten Zwangsmaßnahmen fallen nicht zu drastisch aus und dauern nicht zu lange an – die Krise überstehen. Viele der zahlreichen „Zombieunternehmen“ dagegen, die schon seit Jahren nur dank der Niedrigzinspolitik der Zentralbanken immer noch nicht liquidiert wurden, werden wohl untergehen.

Insofern liefert das Coronavirus-Problem, wie jede Krise, auch eine Chance für einen Neustart. Aus der Wirtschaftskrise 2007/2008 wurden ja leider keine Konsequenzen gezogen – jedenfalls keine richtigen. Die damals offenbar gewordenen Probleme wurden durch eine Verstärkung ihrer Ursachen – mit einer noch größeren Geld- und Kreditschwemme – bekämpft. Es war, als habe man versucht, Brände mit Benzin zu löschen. Die an der damaligen Krise wahren Schuldigen, Regierungen, Zentral- und Geschäftsbanken, also der politisch-geldindustrielle Komplex, hatten dann auch noch die Chuzpe, „die Märkte“ des Versagens zu bezichtigen und auf rigorosen Interventionsmodus zu schalten. Das konnte nicht gutgehen – einfach, weil Planwirtschaften eben noch nie funktioniert haben und auch nie funktionieren werden. Die Corona-Pandemie demaskiert die Hybris der Nomenklatura noch brutaler als der Klimawandel.

Daher: Schluss mit der sozialistischen Kommandowirtschaft und der Konkursverschleppung der „Too-big-to-fail“-Banken! Zurück zu einer verantwortlichen Betriebsführung! Her mit beinharten Haftungsregeln für Vorstände, Aufsichtsräte und die politische Klasse sowie mit einem Insolvenzrecht für Staaten!

Um die über lange Zeit hinweg aufgebauten Verzerrungen aufzudecken, hätte es der Corona-Pandemie wahrlich nicht bedurft.


Artikel bewerten

Artikel teilen

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Dossier: Staatswirtschaftskrise

Mehr von Andreas Tögel

Über Andreas Tögel

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige