23. Januar 2020

Susanne Götze und Annika Joeres in der „Süddeutschen Zeitung“ über Eike und andere „Klimaleugner“ Das Traumpaar der „SZ“ darf wieder über Rechte und Klima schreiben

Sie erkennen aber auch ihre eigene Ohnmacht

von Michael Limburg

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Bildquelle: Hadrian / Shutterstock.com Blick in den Trichter: „Süddeutsche Zeitung“

Ich gebe es zu, ich habe mal wieder gesündigt. Wirklich! Nein, ich betrachte es nicht als Sünde, überregional oder kein Bio zu kaufen, sondern mich nur an Qualität und Preis zu orientieren. Und ich betrachte es auch nicht als Sünde, statt unbequem mit dem Fahrrad weite Wege zurückzulegen, dies bequem mit meinem kleinen, alten, aber feschen VW Golf zu tun, leider kein Diesel, sondern ein Benziner. Aber mit Turbo. Schließlich bin ich ein alter weißer Mann, ein Zustand, den ich auch nicht als Sünde betrachte, zumal ich ihn auch gar nicht ändern könnte, selbst wenn ich es wollte. Aber ich will auch gar nicht, abgesehen von vielleicht einigen Jahren, die ich gelegentlich gern jünger wäre. Aber nur gelegentlich.

Nein, all das ist es nicht. Es ist viel schlimmer: Neulich habe ich ein Online-Abo bei der oft so genannten „Alpenprawda“, der „Süddeutschen Zeitung“ („SZ“) abgeschlossen. Zu meiner Entschuldigung führe ich an, dass ich neugierig war.

Neugierig darauf, ob das Klima-Autorentraumpaar – Dr. Susanne Götze und Annika Joeres – diesmal etwas Neues über „die Rechten“ und deren Auffassung zum Klimawandel geschrieben hat. Und auch, weil mein Name – in lieb-menschelnder Form – gleich ganz vorn im ersten Satz auftauchte.

„Für Michael Limburg ist der Klimawandel ein Herzensthema“, lautet er. Leider endet der restliche Artikel kurz darauf hinter einer Bezahlschranke. Die kann nur überwunden werden, wenn man Abonnent der „SZ“ wird. Das ist eine große Hürde. Und das weiß auch die „Süddeutsche“. Deswegen legt sie etwas Speck aus, denn mit Speck fängt man Mäuse. Man kann nämlich für einen Monat kostenlos Abonnent werden und jeden Tag kündigen, und erst nach einem Monat werden 9,90 Euro monatlich fällig.

Obwohl ich weiß, wie schusslig ich manchmal bin, schien mir daher dieses Risiko überschaubar. Also meldete ich mich an. Und ich habe es sogleich bereut. Denn es lohnt sich nicht, diesen x-ten Aufguss immer derselben Sauce mit immer denselben Bösewichtern zu lesen. Wirklich nicht. Nach Lektüre dieses länglichen Artikels von immerhin rund 12.000 Zeichen (mit Leerzeichen) fragt man sich verwundert, ob die Einkaufsabteilung der „SZ“, also die, die die Auswahl der Redaktion finanziell tragen muss, wirklich nicht merkt, welch olle und dazu oft noch falsche Kamellen ihr dieses Autorenduo Götze/Joeres immer wieder aufs Neue unterjubelt. Warum bezahlen die immer wieder für denselben Quark?

Ist es Dummheit, Vergesslichkeit, Gleichgültigkeit oder gar Raffinesse gegenüber ihren Lesern? Raffinesse vielleicht deswegen, weil Lüge – man kann es auch als Verdrehung oder Weglassung sehen –‍, hundertmal wiederholt, zur Wahrheit wird, wie schon der alte Goethe und nach ihm der gerissene Joseph Goebbels wusste. Nun will ich nicht behaupten, dass im Artikel nur Lügen stehen, so dumm sind die auch nicht. Sie schreiben gerade immer so, dass der Leser genau in den Trichter schaut, zu dem man ihn geführt hat, ohne gleich zu merken, dass er in einen Trichter schaut.

Wie dem auch sei: Der Artikel enthält nichts Neues, nur hie und da wurden ein paar alte Fehler korrigiert. So werde ich jetzt korrekt als Vizepräsident von Eike bezeichnet, aber die alte Lüge, dass „Eike AfD-nah“ sei, wird unverdrossen wiederholt. Wie wäre es zur Abwechslung mal mit der Behauptung, Eike sei CSU-Mittelstandsunion-nah? Ganz neu hingegen die Mitteilung, dass die 13. Eike-Klimakonferenz diesmal im noblen Luxushotel des Herrn Trump in Washington stattfand. Wussten wir noch gar nicht. Oder wie soll man diese Passage sonst verstehen? „Seit einigen Jahren kooperieren sie auch mit europäischen Leugnern wie Eike. Erst vor wenigen Monaten traf sich das Heartland-Institut, eine der einflussreichsten Klimaleugner-Denkfabriken der Welt, in Washington im Trump International Hotel, einem Luxushotel in Gehentfernung zum Weißen Haus. Auf dieser 13. Klimakonferenz des Instituts ging es nicht nur darum, die Kohle- und Ölindustrie zu hofieren und die ‚Klimalüge‘ zu enttarnen,…“

Nun, vielleicht war es anders gemeint. Aber erwähnenswert sollte vielleicht doch sein, dass auch im November 2019 die andere „13. Klima- und Energiekonferenz des Instituts“, nämlich die von Eike, in der Heimatstadt der „SZ“, in München, stattfand.

Natürlich war keine der Autorinnen dabei, wohl aber ein etwas unfähiger, dafür aber umso ideologisch verbohrterer Kollege, Philipp Bovermann. Der hätte es gewusst, aber vielleicht sprechen die ja nicht miteinander.

Ganz neu hingegen ist auch die zitierte Soziologenweisheit des Bielefelder Soziologieprofessors Wilhelm Heitmeyer, wonach die „Klimaleugner“ beziehungsweise die sie unterstützenden Gruppen einem „prekären Milieu“ entstammten. Nanu, das wusste ich ja noch gar nicht. Das galt doch bisher nur für Pegida und die Sachsen!

Ich stamme also aus einem „prekären Milieu“? Vielleicht deswegen: Ich habe keine Schulden, mein Häuschen im Grünen ist abbezahlt, ich fahre mit von eigenem Geld gekauftem eigenem Auto (auch direkt bezahlt) oder dem ÖPNV, je nachdem, was praktischer ist, zu meinen Terminen, ich bin seit 56 Jahren mit derselben Frau verheiratet (sehr verdächtig!). Und ich arbeite ehrenamtlich viele, viele Stunden in der Woche für Eike, ich zahle, wenn auch ungern, meine Steuern, ich fliege aber weder so eben mal nach Patagonien, sondern mache Urlaub auf Rügen. Mit Kindern und Enkelkindern (schon wieder ganz verdächtig, ein Teil der Enkelkinder ist auch noch blond, nur Zöpfe haben sie nicht, es sind Jungs). Aber Vorsicht: Jetzt wird‘s echt prekär, ich esse – obwohl einigermaßen gebildet, also eher bildungsnah denn bildungsfern – gerne Hausmannskost, am liebsten die, die meine Frau kocht (ist ja noch prekärer!). Das muss es also sein. Schlimm für mich!

Nett und ausnahmsweise völlig korrekt ist hingegen die folgende Aussage: „Ihn (Anmerkung des Autors: also mich) treibt an, was Klimawandel-Leugner und rechte Populisten wie die AfD vereint: die Hoffnung, das Rad der Zeit doch noch zurückzudrehen und das goldene fossile 20. Jahrhundert wiederzubeleben.“

Abgesehen von der mit der üblichen Diffamierung ergänzten Lüge, wir oder die anderen seien „Klimawandel-Leugner“, muss man die Einordnung als „rechte Populisten“ heute bereits als Ehrentitel verstehen. Sie kommt hier aber leider von SchreiberlingInnen, die im Leben noch nie etwas auf die Reihe gebracht haben, von vernünftigen Journalisten würde sie uns mehr ehren.

Aber abgesehen davon haben die beiden „SZ“-SchreiberlingInnen korrekt erkannt, dass sich Deutschland schon bald nach dem goldenen fossilen Zeitalter zurücksehnen wird, wie es Präsident Trump gerade für die USA zurückgeholt hat und wie es die cleveren Asiaten schon lange praktizieren. Denn wie anders ist deren steigender Wohlstand sonst zu erklären, bei gleichzeitig ständig zunehmenden Kohlendioxidemissionen.

Und ergänzt werden muss: „… wie es auch für Afrika unumgänglich sein wird, wollen wir nicht bevölkerungsmäßig Teil dieses Kontinents werden“. Mit allen schrecklichen Konsequenzen. Afrika muss Zugang zu billiger, jederzeit verfügbarer und damit vor allem fossil erzeugter Elektroenergie bekommen. Je schneller, desto besser, auch für uns.

Aber die beiden erkennen auch ihre eigene Ohnmacht, wenn sie schreiben: „Rechtskonservative und rechtspopulistische Parteien in Europa, den USA, Südamerika und Australien bremsen ehrgeizigen Klimaschutz systematisch aus.“

Da die Damen (sind es denn welche, oder wenigstens weibliche Wesen? Oder sind sie modern und divers? Wer weiß das schon so genau?) bis heute nicht begriffen haben, dass sich ein statistischer Mittelwert wie es Klima nun mal ist, nicht schützen lässt, schwatzen sie munter drauflos und glauben, dass „ehrgeiziger Klimaschutz“ ausgebremst wird. Na denn „Gute Nacht, Marie“!

Dafür haben sie aber begriffen, dass man als richtige links-grüne Schreiberlinginnen stets auf die immer stärker werdende Konkurrenz aus dem Internet eindreschen muss, also liest man da: „Die rechtslastigen Publikationen sind dabei die natürlichen Partner der Klimaleugner im Parlament. In Deutschland beschwört der Blog ‚Tichys Einblick‘ die Diktatur herbei, sollte es ernst werden mit dem Klimaschutz, und das weit nach rechts geschwenkte Portal ‚Achse des Guten‘ bezeichnet Klimawissenschaftler als ‚Einpeitscher‘, deren Prognosen sich in den vergangenen Jahrzehnten als falsch erwiesen hätten. Diese Medien repetieren dieselben Argumente und Fake News wie die Klimawandel-Leugner von Eike, Heartland und eben der AfD.“ So weit, so gut.

Ganz perfide aber wird es, und da hört jeder Spaß auf, wenn sie den nationalen Sozialisten Hitler, nicht nur grausamer Völkermörder, sondern auch Vegetarier, Hundefreund, Antialkoholiker und (damals schon) Windradbefürworter einspannen und uns, unsere Unterstützer und alle, die nicht ihren abstrusem Weltbild folgen, versuchen, ihm gleichzusetzen, denn anders kann man folgende Aussage nicht verstehen: „Ihr durch und durch reaktionärer Gründer (Anmerkung: gemeint ist der 1904 entstandene Verein ‚Bund Heimatschutz‘) Ernst Rudorff verwahrte sich gegen Frauen und Juden in seinem Verein. Der Natur- und Heimatschutz passte dann auch hervorragend in Hitlers faschistische Ideologie. So entstand 1935 das Reichsnaturschutzgesetz. Die perverse Verquickung von Naturschutz und Faschismus ging laut dem Leipziger Historiker Nils Franke sogar so weit, dass es Begrünungspläne für Auschwitz gab oder Landschaftskonzepte für Bunker und Geschützstände. Diesen Strang des rechten antiaufklärerischen Heimatschutzgedankens gibt es bis heute. Die AfD will auf diesen Zug aufspringen.“ Das ist nur noch Hate Speech und brauner Schmutz.

Trotzdem, irgendwann erkennen diese als Journalisten verkleideten Propagandistinnen, dass sie verlieren werden, denn sie schreiben resigniert am Schluss: „Ihre Strategie scheint ebenso aufzugehen wie die vom AfD-nahen Leugner-Institut Eike: Le Pen ist in Umfragen gleichauf mit Präsident Emmanuel Macron. Und die Videos der Eike-Konferenz, noch vor einem Jahr nahezu ignoriert, werden inzwischen zehntausendfach geklickt. Der Grund: Je größer das internationale Streben nach Klimaschutz, desto stärker halten die nationalen Kräfte dagegen.“

„Und das ist auch gut so“, möchte ich diesen Beitrag mit dem Zitat eines ehemaligen linken Berliner Bürgermeisters beenden, nicht ohne mit gewissem Stolz darauf hinzuweisen, dass unsere Videos durchaus schon hunderttausendfach („zehntausendfach“ ist etwas mickrig) angeklickt werden. Wer solche Schreiberlinginnen hat wie die „SZ“, braucht sich um seine Feinde (sinkende Auflagen) keine Gedanken mehr zu machen. Weiter so!

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Seite des Europäischen Instituts für Klima und Energie (Eike).


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