27. November 2019

Margarete Stokowski beklagt sich über „Hassangriffe der rechten Szene“ Im Stahlbad der Verbalschikanen

Zu wirklichen Attacken ist es noch nicht gekommen

von Michael Klonovsky

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Bildquelle: Harald Krichel (CC BY-SA 4.0)/Wikimedia Commons Beklagt Hassangriffe auf sich selbst, begrüßt aber solche auf „Rechte“: Margarete Stokowski

Die „Spiegel Online“-Kolumnistin Margarete Stokowski beklagt ihr hartes Los, praktisch täglich „Hassangriffen der rechten Szene im Netz“ zum Opfer zu fallen. Seit sie angefangen habe, „feministische Texte zu schreiben“, erhalte sie „Morddrohungen und alle möglichen Arten von Gewaltandrohungen“. Zu wirklichen Attacken sei es allerdings noch nicht gekommen.

Gut, könnte man jetzt sagen, das ist gerade für AfD-Leute Alltag, nur dass man denen überdies noch die Autos abfackelt, die Scheiben einschmeißt, die Häuser beschmiert, die Wirte und Vermieter bedroht, die ihnen Versammlungsräume zur Verfügung stellen wollen, oder sie eben auch direkt angreift, aber das ändert nichts daran, dass es widerwärtig ist. Frau Stokowski erklärt in ihrem Interview zwar, ihr sei durchaus bewusst, dass dergleichen Drohungen auch über andere Zeitgenossen ausgekübelt werden, nur ist der von ihr in Schutz genommene Personenkreis ein recht exklusiver. Dass Politiker, Publizisten und Blogger der „rechten Szene“ ebenfalls betroffen sind, hat sie mehrfach begrüßt. Zur Bundestagswahl 2017 steuerte sie den Kommentar „Antifaschismus muss Alltag werden“ bei, und natürlich legen Klein-Margarete und ihre Clique fest, was „Faschismus“ ist. Niedlich war immerhin, wie sie die Drohung „Antifa bleibt Handarbeit“ erst ausstieß und dann im Rahmen der ihr verfügbaren Schlauheit zu versimpeln suchte mit den Worten: „das heißt, dass wir in den kommenden vier Jahren die Hände voll zu tun haben werden, denen nachhaltig auf die Nerven zu gehen, die versuchen, sich als Konservative zu verkleiden, aber in Wirklichkeit für Rassismus, Nationalismus und völkisches Denken stehen“. Mit „Handarbeit“ auf die Nerven gehen, na klar, wo sich eine Tastatur und eine Margarete treffen, klappt sogar das.

„Es kann nicht genug Antifa geben“, echote sie sich selber im September 2018 zu und monierte: „Sobald man sich in der Öffentlichkeit positiv auf die Begriffe ‚Antifa‘ oder ‚radikal‘ bezieht, gibt es Leute, die das als Aufruf zu Gewalt verstehen.“ (Aber hatte sie nicht gesagt, ihr werde keine Gewalt angetan; wo ist dann das Problem bei denjenigen, die sie „radikal“ mit Worten malträtieren, wie es die Neofa bei den von ihr markierten Zielpersonen mindestens tut?) Vor acht Tagen bestritt die maulende Myrte sogar die Existenz eines „linken Mobs“, der Andersmeinende – „Andersdenkende“ unterstellte ja, bei der Neofa würde überhaupt gedacht – bedroht.

Also, Stokowski jammert, weil sie im Netz beleidigt und bedroht wird – den Gentleman, der ihr beisteht, hat sie ja zum Sexisten erklärt –‍, sie hat aber keine Schwierigkeiten damit, wenn dergleichen anderen widerfährt, sofern die eben zur politischen Gegenseite gehören. Da hält sich mein Mitleid denn doch in Grenzen. Und ob sie wirklich wegen ihrer „feministischen Texte“ beleidigt wird und nicht wegen ihrer teilnahmsvollen Worte über die Nicht-Schläger, Nicht-Scheibeneinschmeißer, Nicht-Autoanzünder und Beinahe-nie-Veranstaltungsverhinderer aus dem Kreise der Schläger, Scheibeneinschmeißer, Autoanzünder und Veranstaltungsverhinderer von links, sei dahingestellt. Aber immerhin scheint die Maid im Stahlbad der Verbalschikanen einen Gesinnungswandel zu durchlaufen; hat sie die Neofa vor einiger Zeit noch angefeuert, leugnet sie inzwischen deren Existenz. Weitere Einsichten demnächst unter „Stokowski“ in Ihrer „Spiegel Online“-Einheitskolumne.

Interview mit Margarete Stokowski im Deutschlandfunk: „‚Wir sind nicht geschützt‘“

Margarete Stokowski auf „Spiegel Online“: „Antifaschismus muss Alltag werden“

Margarete Stokowski auf „Spiegel Online“: „Es kann nicht genug Antifa geben“

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Acta diurna“.


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