14. November 2019

Satire zu rassistischem „Whitefacing“ bei Klimaprotesten Scham statt Schminke

Alles andere als harmlos

von Holger Finn

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Bildquelle: Christopher Sharpe / Shutterstock.com Rassistisch: Whitefacing bei der Klimademo

Sie stehen auf gegen die Klimakatastrophe, gegen den Untergang der Menschheit, gegen Dürre, Dauerregen, Hunger, Konsumwahnsinn und industrielle Landwirtschaft. Doch die Klimakampfbrigaden von Extinction Rebellion vergreifen sich dabei nicht zum ersten Mal sichtlich in der Wahl ihrer Mittel: Beschmiert mit weißer Schminke, bedienten sie zuletzt rassistische Stereotype, die im Namen der Tradition Menschen belustigen sollen.

Was sonst in Deutschland vor allem in der unseligen Karnevalszeit geschieht, in der Leute sich ihre „Indianer“‑, „Jungfrauen“- und „Polizisten“-Kostüme überziehen, um sich dem Alkohol und – klimaschädlichen – Umzügen hinzugeben, erobert immer öfter auch die Klimaprotestszene. In der deutschen Hauptstadt war es weiße Schminke, das Kolonialherrengegenstück zum verbotenen „Blackfacing“. In London hingegen verkleideten sich Klimakämpfer als Chinesen und Japaner und anderswo sogar als ohne Scheu vor offenem Sexismus als übergroße Penisse.

Seit Jahren schon wird von der kritischen Weißheitsforschung beklagt, dass nicht nur die Blackfacing-Praxis von niederländischen Karnevalsfiguren und deutschen Dreikönigskindern Stereotype bedient, die nur den Falschen nutzten, sondern auch der von Klima-Aktivist_innen gepflegte Brauch, sich „weiß“ anzumalen, um die Verantwortung für die Klimakatastrophe klar und deutlich zu machen. Nur vereinzelt wurde die Rassismuskritik ernst genommen, bei vielen anderen Paraden aber tauchten als türkische Flugfeldarbeiter oder ganz normale Rheinländer verkleidete Demonstranten auf, die sich ihres Auftretens sichtlich nicht einmal schämten.

Der Mehrheit derer, die die Täter in ihren Demo-Zügen aufnehmen, scheint die Kritik egal zu sein – nicht nur in Deutschland, wo Blackfacing, das Verkleiden als Tier („Animalmaking“) und – vor allem in immer wieder gezeigten Filmen mit „Winnetou“ – „Nativeacting“ immer noch zur hässlichen Realität des alltäglichen Rassismus gehören. Argumente für die rassistische Praxis klingen in ihrer differenziertesten Version meist so: „Sieht aber gut aus“, „wird von den Medien viel fotographiert und oft gezeigt“ und „ist auch was fürs Auge für Demogucker“.

Dass die Verteidigung von rassistischen Traditionen aber eben alles andere als harmlos ist, zeigt sich immer wieder. Schon verweisen erste rassistische Karnevalsvereine, die das Nachahmen von Bipoc als integralen Bestandteil ihrer weißen Kultur verstehen, auf die White-Face-Protestierer gegen den Klimatod. Wer dem widerspricht, ist schlimmsten Anfeindungen im Netz ausgeliefert, obwohl er aufzeigt, wie rassistische Kostüme als Folge kolonialer Strukturen ganze Gesellschaften zerstören. Ja, selbst der DFB, dem sein Ausstatter Adidas beim neuen EM-Trikot alle Farben zu brauner Buntheit verlaufen ließ, setzt auf das Weiße, das Rassismen in sich trägt, die endlich anerkannt werden müssen. Gerade auch von Kostümfetischisten, die ebenso gut und klimafreundlicher in normaler Straßenkleidung protestieren könnten.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Politplatschquatsch“.


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