13. November 2019

Markt und Plan Der Wahn des Lösbaren

Es gibt immer nur Kompromisse

von Frank Jordan

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Bildquelle: shutterstock Haben keine Lösung: Komplexe Probleme

Die Versuchung des Totalitären liegt in dem Glauben, es könne Lösungen für komplexe Probleme geben. Aber Lösungen gibt es nie. Es gibt immer nur Kompromisse.

Bescheidene Versuche, etwas zu verbessern, im Bewusstsein, dass dabei stets das Risiko besteht, dass es nicht funktioniert, dass schlechter wird, was man verbessern wollte, oder aber dass es zwar besser, etwas anderes als Reaktion aber ein wenig oder viel schlechter wird.

Das Mindeste, was es also vor jeder großflächigen Umsetzung einer „Lösung“ zu tun gälte, wäre, sie wiederholt der Feuerprobe des Versuchs zur Feststellung von Tauglichkeit, Wirkung und Nebenwirkung auszusetzen.

Was behauptet, darauf aus Gründen der „Dringlichkeit“ oder „Alternativlosigkeit“ nicht angewiesen zu sein, sagt damit zwar nichts über die Qualität der „Lösung“ aus, wohl aber über ihren totalitären Kern. Dies gilt sowohl für die moderne Geldtheorie als auch für Konzepte wie Diversity und sämtliche Maßnahmen „gegen“ den Klimawandel.

Solchem Glauben liegt die Sehnsucht oder die Illusion zugrunde, das Leben, Gemeinschaften, Natur, Märkte seien feste, bestimm- und planbare Systeme und daher auch planmäßig veränder- und steuerbar. Wer dieser grotesken Vereinfachung dessen, was wir sind und was uns umgibt, auf den Leim geht, ist entweder naiv oder größenwahnsinnig und wünscht sich im Grunde bloß Platons starren Staat – ein Ende der Freiheit, der Qual der Wahl, der Veränderung und der Offenheit des Möglichen. Jene, die den Leim auslegen, sind derweil nur an einem interessiert: Macht.

Darin liegt meiner Meinung nach auch der Grund für die fundamentale Abneigung, den Hass gegen den sogenannten „Kapitalismus“, den man als eine Art institutionalisierte Profitgier dazustellen versucht. Dabei gilt das genaue Gegenteil: Der Kapitalismus im Sinn freien und freiwilligen Austauschs von Gütern und Leistungen ist eine Anhäufung von Kompromissen in Form von Verträgen. Freiwillig abgeschlossen von den direkt daran Beteiligten in ihrem ureigensten Interesse. Hier ist nichts starr und deshalb auch nicht großflächig planbar. Und darum funktioniert es.

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog des Autors.


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