16. September 2019

Ein Beispiel für eine typische Diskussion mit Klimagläubigen Ein Mailwechsel mit einer Film- und Fernsehschaffenden

Ahnungslos, aber mit klarer Haltung

von Michael Limburg

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Bildquelle: shutterstock Medienschaffende und das Klima: Ahnungslos, aber mit Haltung

Am 9. September 2019 erhielt ich eine ausführliche Mail von einer mir bis dahin völlig unbekannten weiblichen Person, die sich in der Mail als Journalistin und Dokumentarfilmerin vorstellte. Ihre Mail an mich hatte den Titel „Warum alle ‚Argumente‘ von Klimawandelleugnern und Klimawandelskeptikern völlig ins Leere laufen…“ und fing so an: „Ich bin Journalistin und Dokumentarfilmerin und beschäftige mich seit Monaten intensiv und umfassend mit der Klima- und Systemkrise. Dabei habe ich so unendlich viel darüber gelesen und aus den unterschiedlichsten Richtungen zusammengetragen, dass ich inzwischen die gesamtgesellschaftlichen Zusammenhänge begreife. Bitte nehmen Sie sich einen Moment Zeit und lassen Sie diese Zeilen an sich heran.“

Des Weiteren enthielt die Mail fast alle der üblichen Falschbehauptungen inklusive geballter Kapitalismuskritik, die Weltuntergangspropheten schon seit langem im Repertoire haben. Und endete nach einer schier endlosen Fülle zum Teil völlig frei erfundener Aussagen mit den netten Sätzen, die auf geglückte Autosuggestion schließen lassen: „Am 20. September werden Millionen von Menschen weltweit Haltung zeigen. Fast 2.500 ‚Entrepreneurs for Future‘ geben ihrer kompletten Belegschaft dafür frei… Wir werden uns unermüdlich für den Erhalt unserer und auch Ihrer Lebensgrundlage einsetzen, denn unsere Regierung schläft in dieser Sache seit fast 40 Jahren und betreibt auch im Moment dazu nur Kosmetik und Lobbypolitik.“ – „Quellen: Für diese Zusammenfassung habe ich Infos aus zig unabhängigen Studien und aus der Fachliteratur zusammengetragen. Ich wollte keine Doktorarbeit daraus machen, kann aber versichern, jede hier aufgestellte Behauptung einem seriös recherchierten Double oder sogar Triple Check unterzogen zu haben.“

Nun, eigentlich hätte Frau Regisseurin selber auf die Idee kommen können, dass fast alles, was sie da „so seriös recherchiert“ zusammengetragen hatte, einer realistischen Betrachtung nicht standhalten würde. Denn zu ihrer Widerlegung fast aller ihrer Behauptungen (Sie können die Startmail der Medienschaffenden, natürlich anonymisiert, unter dem unten angegebenen Link nachlesen, alle anderen finden Sie in diesem Beitrag) braucht es vor allem gesunden Menschenverstand und zusätzlich auch etwas Sachverstand, wie man ihn eigentlich bei einer gebildeten Person mit oder ohne Studium voraussetzen sollte. Wie gesagt: Wäre sie so kritisch, wie sie zu sein vorgibt, hätte sie selber darauf kommen müssen.

Um ihr ein wenig dabei zu helfen, schrieb ich Ihr die folgende Mail: „Sehr geehrte Frau XXXXXX, auch wenn Sie noch so oft wiederholen, wie fleißig Sie waren und dass Sie enorm viele Quellen gelesen hätten, ist sowohl Ihre Schlussfolgerung falsch als auch Ihre Argumente. Es gibt nach wie vor – trotz milliardenteurer Forschung – keinerlei Beweis dafür, dass die sehr moderate Rückerwärmung nach dem Ende der Kleinen Eiszeit (circa ab 1850) in irgendeiner Weise mit der Zunahme der anthropogenen Kohlendioxidemissionen im Zusammenhang steht, noch, dass die anthropogenen Kohlendioxidemissionen ursächlich dafür sind. Wenn Sie bei Ihren Recherchen einen Beweis gefunden zu haben glauben, dann legen Sie ihn bitte vor. In einem gebe ich Ihnen jedoch recht. Die rasante Zunahme der Weltbevölkerung insbesondere in Afrika, wie auch im muslimischen Asien, stellt diese Menschen und damit uns vor gewaltige Probleme. Deswegen müssen diese Menschen besser heute als morgen Zugang zu zuverlässiger bezahlbarer Energie bekommen, vorzugsweise Elektroenergie. Die ist die Basis jeden Wohlstands. Und das geht aktuell nur mit Kohle, Gas und Öl, für weiter entwickelte Länder auch mit Kernenergie. Erst wenn das gesichert ist, können und werden diese Menschen zu Hause bleiben und den Wohlstand schaffen, der ihnen ein menschenwürdiges Dasein ermöglicht. Wenn Sie daran arbeiten wollen, dann finden Sie uns an Ihrer Seite. Ich verbleibe mit freundlichen Grüßen Ihr Michael Limburg“ – „P.S. Wenn Deutschland von heute auf morgen alle Emissionen einstellen würde, betrüge die Minderung der maximalen Erwärmung laut IPCC-Werten in ferner unbekannter Zukunft nur 0,000653 Grad Celsius. Das ist nichts! Da werden Sie wohl zustimmen.“

Kurz darauf kam ihre Antwortmail, natürlich ohne auch nur mit einem Wort auf meine Argumente einzugehen. „Sehr geehrter Herr Limburg, niemand von Ihnen ist in der Klimaforschung tätig, mit Ihren Aussagen konterkarieren Sie die Befunde von 98 Prozent aller Klimaforscher. Sie täuschen auf bösartige Weise Wissenschaftlichkeit vor und verhindern, dass unser Planet wieder zu einem besseren Ort wird. Warum machen Sie das? Was ist Ihre Agenda? Was ist mit Moral und Verantwortung?“

Was mich zu folgender etwas längerer Mail veranlasste, weil ich fälschlich dachte (ja, ich weiß, ich bin ein unverbesserlicher Optimist), dass sie ehrlich und besorgt sei, aber vielleicht einfach zu wenig Ahnung, zu wenig Wissen habe, um die aktuelle Situation auf diesem Gebiet zu beurteilen, aber – weil vermutlich ehrlich – doch Fakten akzeptieren würde. „Sehr geehrte Frau XXXXXX, Sie fragen nach unserer Moral und Verantwortung, dabei stellen Sie einfach ungeprüfte und auch noch falsche Behauptungen auf, wie die: ‚niemand von Ihnen ist in der Klimaforschung tätig‘. Ich selbst bin seit nunmehr 18 Jahren täglich mehr als acht Stunden mit Fragen, die die Fehler in der Temperaturmessung von historischen Wetterstationen betreffen, in der Klimaforschung tätig. Ein wichtiges Thema, denn meine Ergebnisse zeigen, dass die Messungen der Vergangenheit niemals dazu gedacht waren und auch nicht dazu taugen, eine virtuelle globale Mitteltemperatur (was immer das physikalisch sein soll) auf eine oder sogar zwei Stellen nach dem Komma zu berechnen. Es geht zwar rechnerisch, aber das Ergebnis hat so große Messunsicherheiten, plus/minus zwei bis drei Grad Celsius mindestens, dass der gesamte Verlauf im Rauschen (wenn Ihnen dieser technische Begriff etwas sagt) verschwindet. Dr. Pat Frank hat diese Problematik auf die Klimamodelle ausgeweitet und die vorhandenen Modelle daraufhin untersucht. Wenn Sie es lesen, werden Sie vermutlich Mühe haben, zu verstehen, wovon die Rede ist, ich kann Ihnen aber versichern, dass nach diesen Regeln jedes Haus, jede Brücke, jede Maschine, einfach alles konstruiert und gebaut wird. Es sind ganz einfach wissenschaftliche Standards, die jeder Experimentalwissenschaftler, jeder Ingenieur, jeder Statiker im Studium erlernt. Nur die ‚Klimaforscher‘ nicht, die Sie offensichtlich nur kennen. Andere wie Prof. Lüdecke beschäftigen sich mit aktuellen und zukünftigen Einflüssen solarer Strahlung auf unser Klima, wieder andere mit den landwirtschaftlichen Aspekten des Klimas, und, und, und. Neben unserer eigenen Arbeit sind wir Sprachrohr für international hoch anerkannte und renommierte Klimaforscher sowohl auf unserer Website als auch bei unseren Klimakonferenzen. Das alles hätten Sie zum Beispiel unter ‚Publikationen‘ auf unserer Website leicht finden und nachlesen können. Haben Sie aber nicht. Stattdessen verweisen auf ‚Moral und Verantwortung‘? Das kann man, wenn man so locker mit Beschimpfungen Andersdenkender umgeht wie Sie, unter dem Begriff ‚böswillige Unterlassung‘ subsumieren. Tue ich aber nicht, jedenfalls noch nicht. Einfach weil ich unterstelle, dass Sie sich wirklich Sorgen machen und es bisher nur nicht geschafft haben, sich wirklich sachkundig zu machen. Vielleicht können – vor allem wollen – das ja noch ändern. Meine Hilfe dabei wäre Ihnen gewiss. Ich verbleibe mit freundlichen Grüßen Ihr Michael Limburg“ – „P.S. Haben Sie sich mal die ‚Studien‘ angeschaut, die zu Ihrer 98-Prozent-Aussage führen?“

Offensichtlich war sie daraufhin sowohl etwas wütend als auch überfordert, denn am 10. September um 9:20 Uhr kam ihre Antwort: „Sehr geehrter Herr Limburg, klar, nur inIhrem Verein wird wissenschaftlich gearbeitet. Sie leben aus meiner Sicht in einem Paralleluniversum. Fördern Sie munter weiter die Öl- und Kohleindustrie! Dass Sie wieder auf Atomkraft setzen, wie in Ihrer ersten Mail beschrieben, sagt einfach schon alles. Etwas Schlimmeres als Atommüll können wir den Nachgeborenen nicht hinterlassen. Es ist eine Schande. Bitte schreiben Sie nicht mehr zurück.“

An diese Bitte wollte ich mich ob ihrer klaren Tatsachenverdrehung jedoch nicht halten, sondern schrieb ihr zurück: „Sehr geehrte Frau XXXXXX, Ihr Name täuscht, von klug merkt man bei Ihren Argumenten leider nichts. Dafür aber viel von Diskussionstaktik, insbesondere von solchen Leuten die ‚irgendwas mit Medien machen‘. Erst stellen Sie eine falsche Behauptung auf, dann, als die widerlegt wird, weichen Sie auf eine neue Behauptung aus. Und wenn auch die widerlegt wird, denn niemand von uns hat behauptet, dass nur wir wissenschaftlich arbeiten, nur Sie haben diese unwahre Behauptung in die Welt gesetzt, dann wird mal eben schnell noch eine neue Behauptung erfunden. Lernt man so etwas auf der Filmakademie? Mir ist das eher von Schulungen der Stasi bekannt, wenn man den ‚Studierenden‘ beibrachte, wie Zersetzung geht. Wir benutzen unseren Verstand, das sollten Sie auch tun, doch das kann, wegen der nur mühsam zu erwerbenden Vorkenntnisse, wohl nicht jeder. Ein Beispiel ist der von Ihnen angezogene ‚Atommüll‘. Sie wissen auch hier wieder nicht, wovon Sie reden. Die Greenpeace-&-Cie-Erfindung vom ‚Atommüll‘ ist nicht nur falsch, sondern auch dumm. Jedenfalls in Bezug auf ihren Wahrheitsgehalt, aber sehr gerissen in Hinblick auf ihren diffamierenden Charakter. Dumm deswegen, weil es ein Wertstoff ist, und kein Müll, weil über 95 Prozent der nutzbaren Energie noch in ihm steckt. Wer schmeißt schon Hochwertiges auf den Müll, wohl nur dann, wenn es sich um ein verwöhntes, ungebildetes, dummes Wohlstandskind handelt, jeder Vernünftige wird diesen Stoff versuchen, zu nutzen. So wie in den inzwischen kommerziell angelaufenen russischen Reaktoren, die diesen ‚Atommüll‘ in Elektroenergie umwandeln und seine innewohnende Restenergie, die strahlt, bis auf wenige Prozent reduzieren. Und diese Restradioaktivität wird wiederum nach nur 300 Jahren auf natürliches Niveau abgebaut. Ein überschaubares Problem, sowohl was die Menge betrifft als auch auf die sichere Unterbringung bezogen. Es tut mir leid, wenn ich Ihrem Wunsch nicht folgen kann, nicht mehr zurückzuschreiben, Sie haben schließlich angefangen, und auch noch unerbeten, ich kenne und kannte Sie bis dato nicht. Nun müssen Sie da durch und haben die erste Chance, sich der Realität zu stellen. Ich verbleibe mit freundlichen Grüßen Ihr Michael Limburg“ – „P.S Wie viele Kinder haben Sie denn?“

Eine Antwort kam nun nicht mehr.

Ich veröffentliche diesen Mailwechsel deshalb, weil er exemplarisch zeigt, wie so viele unserer Medienschaffenden ticken. Ahnungslos, wenn es um die Sache geht, und interesselos, an diesem Zustand irgendetwas zu ändern, aber dafür mit klarer Haltung, wenn es gegen sogenannte Klimaleugner oder andere Realisten geht. Ob die Dame nun üppig von ihrer gutmenschlichen Filmerei für die öffentlich-rechtlichen Medien leben kann, weiß ich nicht, ich vermute eher nein, aber ganz klar ist, dass sie sich in diesem Biotop sehr wohlfühlt und immer wieder aufs Neue beauftragt wird, ihren gutmenschlichen Schrott unter die Leute zu bringen.

Nachtrag: Wie die R+V-Versicherung herausgefunden haben will, kommt die Klimaangst unter den ersten zehn Ängsten der Deutschen nicht vor. Sie rangiert erst auf Platz zwölf der Ängste, die die Deutschen haben (sollen). Insbesondere wenig ängstlich zeigen sich besonders die jungen Menschen bis 20. Also die Zielgruppe der Greta-Jünger von No Education on Friday.

Erste Mail der Filmschaffenden an den Autor (anonymisiert)

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Seite des Europäischen Instituts für Klima und Energie (EIKE).


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