31. August 2019

Linke führen Krieg gegen Bildung, Erfahrung und Verstand Lächelt, Männer, wenigstens haben wir die Schau gestohlen!

Hat die Vernunft noch eine Chance?

von Dushan Wegner

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Bildquelle: shutterstock Der Mann als Joker: Lächelt, wenigstens haben wir ihnen die Schau gestohlen!

Wenn im Film zwei Leute eine Höhle betreten und die Musik wird hallig und bedrohlich, dann wissen wir, dass jetzt gleich etwas Gefährliches passiert. Wenn die Musik dagegen rhythmusbetont und „upbeat“ ist und der Held zur Musik schreitet, dann verstehen wir, dass er alles unter Kontrolle hat – wenn sie romantisch wird, ja dann…

Ich wünsche mir, die Welt insgesamt hätte einen Soundtrack, eine Tonspur, an der wir erkennen, wie die aktuelle Szene richtig zu deuten ist, so dass sie im Kontext der Szenen davor und danach irgendeinen Sinn ergibt. Eine Musik, die uns sagt, was kommen wird, noch bevor die Szene richtig angefangen hat. Ach, wir dürfen uns den Sinn selbst erschließen, und weil uns die Musik fehlt, wissen wir nicht, ob jetzt alles gut wird – oder ob es noch nicht einmal angefangen hat, oder?

Es gibt ja eine Art von Tonspur zur jeweiligen kulturellen Epoche, mindestens seit der Machtübernahme der Massenmedien, beginnend mit dem Radio – es ist die erfolgreiche Popmusik der jeweiligen Zeit, in Charts und Hitparaden dokumentiert.

Ich erlaube mir, Ihnen ein Lied vorzuschlagen, einen „Superhit“, und stellen Sie sich dieses Lied als Soundtrack vor, als hämmernden Beat – es ist „Stole the Show“ von Kygo. (Es wird nicht stören, wenn Sie das Lied im Hintergrund lautstellen und zuvor einen netten Vorfilm sehen, der die Stimmung setzt.)

Ich zitiere, und es ist meine (einigermaßen freie) Übertragung des englischen Textes: „Wir hatten es alles, aber jetzt werden wir zum letzten Mal zur Verbeugung gerufen. Halte still für den Applaus und winke der Menge zu, und verbeuge dich ein letztes Mal. Ach, dies ist unsere Zeit, zu gehen, aber wenigstens haben wir allen die Schau gestohlen.“ (Kygo, „Stole the Show“, meine Übertragung.)

„Stole the Show“ ist an der Oberfläche zunächst ein Liebeslied – das ist das „Hohelied“ der Bibel übrigens auch. Es dient, wie auch das „Hohelied“, zugleich als Metapher für eine andere Beziehung. Das „Hohelied“ wird gedeutet als Bild und poetische Beschreibung des Verhältnisses zwischen dem Volk der Gläubigen und seinem Schöpfer. Mir des Dimensionsunterschiedes wohl bewusst, wage ich, „Stole the Show“ ebenso als Metapher zu lesen, als Metapher für das Verhältnis zwischen uns und der Weltgeschichte, und mit „uns“ meine ich die westliche Kultur, dieses in der Menschheitsgeschichte einmalige und fein austarierte Verhältnis von Ratio, Gewissen, Lebensweisheit und Lust am Leben. Und wenn wir schon seufzen, wenn wir schon jetzt seufzen, so dürfen wir gleich einstimmen: At least we stole the show – wenigstens haben wir die Schau gestohlen. (Anmerkung: Hier und im

Folgenden wird „steal the show“ gemäß Duden als „Schau stehlen“ übersetzt, nicht als „Show stehlen“, wir sind ja nicht in Las Vegas hier, und wie würde man überhaupt eine ganze Show stehlen?)

Die Kerlewand

Vielleicht kannten sie bislang die Rockefeller University in New York nicht, selbst wenn Sie den Namen „Rockefeller“ schon mal hörten. Aktuell unterrichten fünf Nobelpreisträger an jener Stätte, und zwar richtige, ernst zu nehmende Nobelpreise, nicht politische Bullshit-Nobelpreise wie der von Obama, denn die Universität legt ihren Schwerpunkt auf Biomedizin. Das Stiftungsvermögen („endowment“) beträgt über zwei Milliarden US-Dollar, und falls Ihre Kinder dort dereinst studieren sollten, schreiben Sie mir eine E-Mail und ich werde Ihnen gratulieren.

Vor einigen Jahren, so berichtet npr.org, hat die TV-Stimmungsmacherin Rachel Maddow diese Rockefeller University besucht, und sie hat sich verächtlich und sexistisch über die Porträts der Preisträger geäußert, die an der Wand des Auditoriums angebracht waren – es sind allesamt Männer, und sie nannte die Wand eine „Dude Wall“, was man als „Kerlewand“ übersetzen könnte. Diese Menschen hatten Großartiges geleistet, doch sie hatten das „falsche“ Genital. Die Stimmungsmache jener Profi-Linken blieb nicht ohne Folgen, die Wand wird jetzt wohl umgestaltet.

Diese Männer hatten ihr Leben der Heilung von Menschen gewidmet, und sie wurden dafür geehrt. Ihre Porträts dienten nicht nur der Ehrung der Preisträger, sie hatten sich die Ehre verdient, aber nicht weil sie via Quote das richtige Genital oder die richtige Hautfarbe hatten, sondern weil sie hart gearbeitet haben, weil sie viele Opfer gebracht und sich ganz einer größeren Sache gewidmet haben.

Was den Westen stark gemacht hat, war auch die Meritokratie – geehrt wurden einst Menschen, die etwas leisteten oder geleistet haben –‌, heute ehrt man den, der die richtige politische „Haltung“ an den Tag legt und genug „Opferpunkte“ sammeln kann. Deren Privatwort für das Sammeln von „Opferpunkten“ ist „Intersektionalität“, man versucht, mehreren Opfergruppen gleichzeitig anzugehören, und wer die meisten sammelt, hat bei den Fördertöpfen „gewonnen“, was zu Fällen wie Rachel Dolezal und Elizabeth Warren führt, also weiße Frauen, die sich fälschlicherweise als Angehörige einer ethnischen Minderheit ausgeben, wobei Letztere als realistische Präsidentschaftskandidatin der US-Demokraten gehandelt wird. „Ist dies schon Wahnsinn, so hat es doch Methode“, schrieb Shakespeare, und ja, auch dessen Porträts werden abgehängt, und zwar nicht an irgendeiner Klitsche, sondern an der University of Pennsylvania, einer Universität der sogenannten „Ivy League“. Ach, wenigstens haben wir die Schau gestohlen – eine Zeitlang.

Ein Mann, der heute noch immer Freude an Leistung hat, der sollte seine Leistung inzwischen heimlich erbringen und sich an den Früchten heimlich freuen – und öffentlich sollte er „Haltung“ zeigen und eine Lüge leben, sollte wenig Leistung zu erkennen geben und viel politisch korrekte Gedankengülle und klebrige Lügen, doch es gibt genug PR-Agenturen, die einem das öffentliche Lügen abnehmen – der Markt ist der wahre Kümmerer.

Die Welt zum Besseren

Mädchen wachsen heute im Bewusstsein auf, dass sie sich nur halb so viel anstrengen müssen wie Jungen, denn wer Frauen nicht bevorzugt anstellt, wer ihnen den Job nicht wegen Quote garantiert, den kann man „Sexist“ nennen, ihn mit „Metoo“ bedrohen und sein Leben ruinieren. Jungen dagegen wachsen im Bewusstsein auf, dass, egal wie sehr sie sich anstrengen, ein Mädchen im Zweifelsfall den Job bekommen wird. Wenn du als Junge geboren wirst, wird man dich hassen für das, was du bist, für deine Leistung wie für deine Fehler. Der Junge muss leisten, weil er leisten will, die irre linke Welt des Westens wird es ihm nicht danken – es wird seine Gründe haben, warum man in bestimmten ausländischen Städten so viele junge deutsche Ingenieure trifft.

Der Krieg gegen Männer ist ein Krieg gegen die Schöpfungskraft des Westens selbst. Jedesmal, wenn eine Feministin eine Forderung im Fernsehen stellt, schmunzelt weit weg ein chinesischer Parteifunktionär. Wir Männer sind das früher sterbende Geschlecht. Wir arbeiten noch immer häufiger die Nächte durch, um die Familie zu ernähren und den Urlaub zu finanzieren, und dabei tun wir noch unser Bestes, zusätzlich die Welt zum Besseren zu verändern, und seien die Schritte noch so klein und mühsam. Können und tun Frauen das nicht auch? Selbstverständlich – wenn sie sich nicht von Linken einreden lassen, sie müssten nur genug jammern und auf Quoten bestehen. Die erste Aufgabe eines Unternehmens ist die Bewahrung der eigenen Liquidität, und die erste Aufgabe einer Gesellschaft ist die Sicherung des eigenen Überlebens – es liegt an jedem Angestellten und an jedem Bürger, ob und wie er sich zumindest in diese erste Aufgabe einbringt, um dann weitere wichtige Aufgaben auf sich zu nehmen – und es liegt am Unternehmen oder der Gesellschaft, wie sie mit jenen umgehen, die sich bereits der ersten Aufgabe verweigern, und ja, ein Unternehmen hat es da einfacher.

Es gibt verschiedene Krankheiten, bei denen der Körper plötzlich beginnt, sich selbst zu zerstören, und sie haben alle einen schrecklichen Ruf, sei es Krebs oder Aids. Auch Geisteshaltungen können wie ein Krebs sein und sich gegen den Denkenden selbst wenden. Der Hass auf weiße Männer ist ein Hass auf den Westen und seine Werte. Wir alten weißen Männer würden nicht gehasst werden, wenn wir nichts geleistet hätten, wenn wir stumm gedient und nie eine eigene Idee gehabt hätten. Echter Feminismus würde Frauen helfen, Glück zu finden – manche der Damen, die sich heute „Feministinnen“ nennen und Shakespeare-Porträts von der Wand reißen, wollen doch in Wahrheit eher Männer so unglücklich machen, wie sie selbst es sind. Halte still für den Applaus und winke der Menge zu, und dann verbeuge dich ein letztes Mal.

Der Beat hämmert

Es ist eine merkwürdige „heldenfreie“ Zeit. Menschen werden nicht mehr für das bewundert, was sie tun und wirklich leisten, sondern für ihre Haltung. Mancher, der heute als „Held“ verkauft wird, tut in Wahrheit das Gegenteil dessen, was seine „Haltung“ behauptet – wir kennen sie ja alle, diese Umweltaktivisten, die mehr Kohlendioxid produzieren als Sie, ich und unsere gesamte Nachbarschaft zusammen.

„An ihren Taten sollt ihr sie erkennen“, heißt es noch in der Bibel, doch heute gilt: „An ihrer Haltung sollt ihr sie erkennen“, und Haltung macht krumm, nicht heldenhaft. Haltung ist eine Fessel, und der Held ist frei, sonst wäre er kein Held. Wessen Porträts sollen denn an den Wänden präsentiert werden, wenn die Bilder der Männer alle weg sind? Kolumnistinnen beim „Spiegel“? Sprachpolizistinnen von dubiosen Vereinen? Staatsfunkerinnen? Egal, Hauptsache Haltung.

Der „Schurke“ von heute ist nicht der, dessen Taten böse Konsequenzen haben, sondern spiegelbildlich der, der die falsche Haltung hat. Nach manchem Mordfall fluchen die „Guten“ nicht über den Mörder, sondern über den, der um die Toten trauert. Wer hinnimmt, das sein Kind getötet wird auf dem Weg zur Vision der Globalisten, der wird geehrt, und die, deren Politik dazu führte, zu belangen, wagen die „Guten“ nicht – um es mit dem Lied zu sagen: „No heroes, villains, one to blame“: „Keine Helden, keine Schurken, niemand, der Schuld trägt, die Bühne voll mit verwelkten Rosen, die Lust, ja die Lust ist fort. Unser Debüt war ein Meisterstück, doch am Ende kann die Show für uns nicht weitergehen.“ (Kygo, „Stole the Show“, meine Übertragung.)

Es gibt und gab zu allen Zeiten natürlich Probleme und Herausforderungen in jeder Gesellschaft, kein Zweifel, doch diesmal ist etwas anders. Die Lust ist fort.

Wir lesen, nun seit beängstigend vielen Monaten, immer wieder Meldungen über das Abkühlen der deutschen Wirtschaft: „Gleich reihenweise korrigieren die Konjunkturforscher ihre Prognosen herunter. Doch auf einen Abschwung ist Deutschland nicht vorbereitet“ (welt.de, 20.06.2018). „‚Aufschwung ist zu Ende‘ – Wirtschaftsforscher senken Prognose deutlich“ (welt.de, 04.04.2019). „Bundesbank sieht anhaltenden Wirtschaftsabschwung“ (welt.de, 19.08.2019). Es sind nicht allein die Zahlen, die mir Sorge bereiten, sondern dieser spürbare Mangel an Lust, etwas aufzubauen. Wer ist denn motiviert, an einem Land zu arbeiten und es immer wieder aufzubauen, wenn er das Gefühl hat, dass dieses Land von seinen Eliten verachtet und in Konsequenz auch verzockt wird? Es ist nicht ausländisches Spekulationsgeld, das ein Land stark macht, denn das kommt und geht manchmal in Bruchteilen von Sekunden, es ist der fähige Wille der Bürger, ihr Leben in eben dieses Land zu investieren.

Vergleichen Sie einmal die Stimmung in der deutschen Gesellschaft heute mit der Stimmung, die uns aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg berichtet wird! Das Land lag damals in Trümmern, eine ganze Generation junger Männer sinnlos gestorben, und was übrig war, das war oft verletzt und traumatisiert. Volk und Nation hatten unvorstellbare Schuld auf sich geladen. Man war abhängig von der Gnade und Hilfe anderer. Und doch, trotz alledem gab es eine Hoffnung, dass es wieder gut werden könnte, wenn man sich nur anstrengte – und brav bliebe. Die Stimmung heute in Deutschland ist teils dumpfer als die nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg wussten, wofür sie malochen sollten, die Deutschen unter Merkel und Staatsfunk wissen es immer weniger.

Wer die Menschen eines fremden Landes dazu aufheizen kann, ihre Leistungsträger zu hassen und zugleich die alte Weisheit zu verachten, der braucht keine Waffen und keine Armeen, um jenes Land zu schwächen. Ich weiß nicht, warum diese Leute tun, was sie tun, doch ich sehe, wem sie schaden (dem Westen) und wem sie nutzen (den globalen Mitbewerbern).

Der Kampf der sogenannten Guten ist immer auch ein Kampf gegen die Ratio, gegen den „gesunden Menschenverstand“, besonders in gesellschaftlichen Angelegenheiten – und damit oft genug auch ein Kampf gegen die Prinzipien des Rechtsstaats.

Ein Beispiel: In Berlin wird jetzt erwogen, dass die Polizei beweisen muss, dass sie nicht „diskriminiert“, also eine Beweislastumkehr, die in einem Rechtsstaat wenig zu suchen hat – und im Failed State Berlin natürlich auch nicht mehr überrascht. Ach, Berlin.

Man könnte weitere irre Meldungen zitieren, von Familienstreit (Polizeieinsatz) oder Einschulungen (Polizeieinsatz), doch ich blende hier die Nachrichten lieber wieder aus, und ich ziehe den Regler am Mischpult wieder hoch, und der Beat klingt durch den Saal – die Tonspur singt: „Liebste, du weißt, dass das Haus ausverkauft ist,
aber das alles verblasst, und die Band spielt einfach weiter. Wir weinen, wir weinen, also lasst einfach den Samtvorhang herunter“ (Kygo, „Stole the Show“, meine Übertragung).

Nun, immerhin ist das Haus ausverkauft, und noch mehr Leute wollen hinein! Die Vorstellung geht zu Ende, und alle wollen hinein. Nun, wenigstens haben wir allen die Schau gestohlen!

Lächelt, Männer!

In Berlin übermalen sie Gedichte von Männern, die Männer sind und Frauen bewundern, und übertünchen die Fassade mit dem Gedicht, dessen Autor das „richtige“ Geschlecht hat (Kostenpunkt 31.000 Euro laut tagesspiegel.de, 30.01.2019 – und studentische Hilfskräfte, etwa in der Kinderbetreuung für studierende Eltern, bangen um ihren Job, weil zu wenig Geld da ist, siehe tagesspiegel.de, 28.08.2019), anderswo hängen sie die Porträts von Männern ab, und sei es das Porträt des größten Zeilenmachers, der je auf diesem merkwürdigen Planeten lebte. Das soll es sein, wie der Westen gegen Asien und Russland bestehen soll? Lasst doch einfach den Samtvorhang herunter.

Ja, unser Debüt war ein Meisterstück, doch die Rosen, die sie einst warfen, sie liegen herum und verwelken. Lasst uns ein letztes Mal den Applaus genießen, wenn er auch fern klingt, wenn wir ihn uns auch selbst vom Band vorspielen müssen. Wenigstens haben wir die Schau gestohlen – eine Zeitlang.

Liebe Leser, Sie denken, meine Vision sei, wieder mal und seit Jahren nun schon, zu düster? Nun, die Comic- und Filmfigur Joker ist schon seit langer Zeit ein guter Indikator für den Zustand des westlichen Mannes. Diese Woche ist der „Final Trailer“ für den neuen Film „Joker“ herausgekommen, der erste Film, der den Joker zur Hauptfigur statt „nur“ zum Antagonisten macht, und einige Besorgte sind besorgt – als Beispiel mit aktuell über 1.400 Retweets: „Unpopuläre Meinung: Der ‚Joker‘-Trailer sieht aus wie ein Liebesbrief an Kinder, die ‚mass shooter‘ (was ist die deutsche Übersetzung?) werden, und wie viele Preise es gewinnen wird, das ist, warum ich Angst vor Männern habe“ („audreywilson“, 29.08.2019). Unabhängig davon, wie Sie oder ich diesen Trailer geschmacklich beurteilen, lässt sich festhalten: Wir sehen das seelische Abdriften eines Mannes, dessen Versuch, der Welt seine Liebe, sein Talent und seinen Humor zu geben, mit Verachtung und Ablehnung quittiert wird. Er wird zum „Joker“, zu einem wahnsinnigen, destruktiven Kriminellen.

Berufsempörte sehen im Joker-Trailer eine mögliche Rechtfertigung für Attentäter, die sich ungeliebt fühlen, doch ich sehe etwas anderes, etwas zunächst Kühleres: Hollywoods Psychologen und Marketingprofis erkennen einen bestimmten Markt, nämlich Männer, die sich von der Gesellschaft verachtet fühlen, obwohl sie dieser Gesellschaft doch dienen wollten, mit dem Besten, was sie anzubieten haben. Nach dem Film wird es nicht mehr Männer geben, die zu Gewalttätern werden (hoffentlich), so wie nach Indiana Jones wir nicht plötzlich alle Archäologen wurden – andererseits hat der Film „Kevin – Allein zu Haus“ nachweislich zu mehr Kevins geführt, und einer davon möchte die Erfolge von UdSSR und Venezuela in Deutschland wiederholen.

Filme sind Gradmesser, nicht Auslöser. Einen Film für gesellschaftliche Entwicklungen schuldig zu machen, das ist wie dem Thermometer die Schuld am Fieber zu geben. Aber das Phänomen, dass Männer sich zurückziehen, weil ihr Beitrag nicht geschätzt wird, das erkennen wohl auch die Marketingpsychologen in Hollywood, und die sind bekanntlich seit bald einem Jahrhundert erstaunlich präzise in diesen Angelegenheiten.

Ja, ich bin ein Mann. Selbst meine Gegner werden mir nicht absprechen, dass ich hart arbeite und dass ich versuche, etwas zu erschaffen. Ich habe diesen Text noch am hellen Tag skizziert, habe ihn am Abend zu schreiben begonnen, und ich schreibe jetzt noch bis gegen elf Uhr. Ein lieber Freund und Stammleser wird diesen Text gegen Mitternacht gegenlesen. Auch er ist ein Familienvater, auch er ist jemand, der bis in die Nacht arbeitet, weil es zu seiner Natur gehört. Ich kann verstehen, wenn Männer sagen: „Na, wenn ihr nicht wollt, dann eben nicht“, doch ich weiß, dass diese Männer auch noch ergänzen: „dann eben woanders“.

Ich wage es, einmal im Namen aller Männer zu sprechen, die gern hart arbeiten, die gern ihrer Familie dienen und eigentlich auch ihrer Stadt und ihrem Land: Nein, wir werden uns nicht gegen unser Land wenden, um Himmels willen! Aber einige von uns werden sich andere Strukturen suchen, die sie schützen, stützen, stärken und erweitern.

Im ersten „Teasertrailer“ des neuen „Joker“-Films wurde das Lied „Smile“ gespielt (es ist übrigens von Charles Chaplin komponiert, der Text kam später. Aus diesem Lied will ich einige Zeilen übertragen: „Lächle, auch wenn dein Herz schmerzt, lächle, auch wenn dein Herz bricht, wenn es Wolken am Himmel gibt, du wirst es schaffen, wenn du durch die Angst und die Trauer hindurch lächelst. Du wirst sehen, dass dieSonne durchbricht und für dich scheint (aus dem Lied „Smile“, von mir übertragen).

In diesem Sinne und Geiste also: Lächelt, Männer!

Man wird unsere Porträts abreißen, und unsere Söhne werden nicht einmal Porträts bekommen, die Nichtsnutze von der Wand reißen könnten. Sie werden uns dafür bekämpfen, dass wir sie lieben. Man wird Krieg gegen unsere Söhne führen, weil man deren Kraft und Güte fürchtet. Aber lassen wir es zu, dass diese Opfer zwielichtiger Propaganda, dass diese Zombies und Gehirngewaschenen, dass diese Feiglinge und Mitläufer uns unseren Willen nehmen, Schönes zu erschaffen, Wichtiges herauszufinden und Neues zu bauen? Nein. Hoffentlich nicht.

Sicher, wir werden neu darüber nachdenken, welches Haus wir bauen und welchen Hof wir bestellen – es könnte auch ein Innenhof sein –‍, denn jede Minute und jeder Atemzug stehen uns nur einmal im Leben zur Verfügung, aber kämpfen und bauen werden wir doch.

Lächelt, Männer! Wenigstens haben wir die Schau gestohlen, eine Zeitlang. Wir und der Westen. Auf dieser Bühne zumindest – und ich meine hier jede Gesellschaft im tödlichen Griff jener Denkverwirrung, die die Deutschen heute „Haltung“ nennen – auf dieser Bühne verwelken die Rosen, doch ich lächle, ich lächle ehrlich, und ich bin gespannt, nervös und gespannt, wie es weitergeht.

Fragen Sie doch einen Guten, wie es realistisch weitergehen soll, ob die Welt wirklich besser ist, wenn alle Männer gedemütigt, alle Fabriken geschlossen und alle Grenzen geöffnet sind – er wird Sie beschimpfen, wüst wird er Sie beschimpfen, aber Antworten wird er Ihnen nicht geben – es gibt keine.

Bei dieser Show mag der Abspann laufen und zugleich der Saal ausverkauft sein, doch eine ähnliche Show wird anderswo wieder gespielt werden. Eine Show mit Ihnen, mit mir, mit all den anderen Menschen, die gerne etwas erschaffen.

„Auch wenn eine Träne nah sein mag, das ist die Zeit, wenn du weiter kämpfen musst. Lächle, wofür solltest du auch weinen? Du wirst feststellen, dass das Leben noch immer lebenswert ist, wenn du nur lächelst…“ (aus dem Lied „Smile“).

In diesem Geiste also: Lächelt, Männer! Und ihr Frauen und Kinder, lächelt mit ihnen. Wenigstens haben wir die Schau gestohlen – wir hatten es alles, aber jetzt werden wir zum Vorhang gerufen. Es ist Zeit, sich zu verbeugen, und wenn ihr euer Verbeugen, dieses Bücken vor der Masse, wenn ihr es „Haltung“ nennt, dann passt ihr doch wieder in die Giftschwaden der Zeit. Es gibt immer ein Morgen, wenn du nur lächelst – der Joker würde mir gewiss zustimmen.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf dushanwegner.com.

Dushan Wegner (geb. 1974 in Tschechien, Mag. Philosophie 2008 in Köln) pendelt als Publizist zwischen Berlin, Bayern und den Kanaren. In seinem Buch „Relevante Strukturen“ erklärt Wegner, wie er ethische Vorhersagen trifft und warum Glück immer Ordnung braucht.


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