20. Juli 2019

Zwei Studien zur Versorgungssicherheit in Deutschland Stromknappheit maximieren

Die Bundesregierung setzt den Standort aufs Spiel

von Michael Klein

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Bildquelle: shutterstock Zukunft der Energiewende: Dunkeldeutschland

Ein Leser hat mich auf zwei Studien aus dem Jahr 2018 aufmerksam gemacht, die sich mit der Stromsicherheit in Deutschland beschäftigen. Wer beide Studien auf sich wirken lässt, der kann die derzeitige Energiewende nur als grundlos und ohne Not angestoßene Gefährdung des Standorts Deutschland bezeichnen. Auf Grundlage der Informationen, die der Leser zusammengetragen hat, lässt sich zeigen, dass dieses Risiko absichtlich eingegangen wird: Die Bundesregierung setzt den Standort Deutschland absichtlich, wissentlich aufs Spiel, um einen ideologischen Spleen auszuleben, oder die Bundesregierung handelt aus Opportunismus.

Im Auftrag des baden-württembergischen Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft haben das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR) und die Universität Stuttgart die Stromversorgungssicherheit für Süddeutschland bis 2025 bewertet und dabei vor allem untersucht, ob die Stromversorgung auch in Situationen extremer Nachfrage gesichert ist.

Auf den ersten Seiten des Berichts, also auf den Seiten, die Politiker zur Kenntnis nehmen, wenn sie überhaupt etwas zur Kenntnis nehmen, schreiben die Autoren in aller politischen Korrektheit: „Die Analysen zeigen für beide untersuchten Szenarien und deren Varianten, dass 2025 für die Deckung der Nachfrage ausreichende Erzeugungskapazitäten vorhanden sind. Einzig in einer Variante des Szenarios ‚mit beschleunigtem Kohleausstieg‘ kommt es in Deutschland in drei Stunden zu Deckungslücken. Diese erreichen die maximale Höhe von 1,9 Gigawatt und könnten somit durch die in 2025 verfügbare Kapazitätsreserve von zwei Gigawatt gedeckt werden.“

Die untersuchten Szenarien gehen davon aus, dass ein Ausstieg aus Kohle und Kernkraft erfolgt, dass die Nachfrage nach Strom sich in geringen Maßen verändert und dass die Zunahme der Stromproduktion durch Anlagen zur Nutzung von Wind- und Sonnenenergie nach Plan erfolgt, kurz, dass es keine extremen, unvorhergesehenen oder sonstigen Ereignisse gibt, wie zum Beispiel extreme Hitze oder Kälte, die den Stromverbrauch massiv erhöhen würden. Selbst unter diesen fast schon über-optimistisch zu nennenden Annahmen kommen die Autoren auf den Seiten, die Politiker dann schon nicht mehr lesen, zu der folgenden Einschätzung: „Sowohl Süddeutschland als auch Gesamtdeutschland werden für eine gesicherte Leistungsbilanz ab 2019 entweder auf die vorhandene Sicherheitsbereitschaft von 2,7 Gigawatt und die Kapazitätsreserve von zwei Gigawatt, ab 2020 zusätzlich auch auf entsprechende Stromimporte aus dem Ausland angewiesen sein. Alternativ könnten auch ab 2020 als Kapazitätsreserve genutzte Netzreservekapazitäten in entsprechender Höhe aushelfen, die aber eigentlich für andere Zwecke vorgehalten werden. Im Fall einer späteren Verfügbarkeit der Kapazitätsreserve müsste die Netzreserve bereits ab 2019 hierfür eingesetzt werden. Bis 2025 steigt das Defizit für Gesamtdeutschland im Fall des beschleunigten Kohleausstiegs auf 17,9 Gigawatt, das bei angenommenen 30,7 Gigawatt Nettotransferkapazitätengrundsätzlich durch Importe aus dem benachbarten Ausland abzudecken ist. Ob die Nachbarländer die von Deutschland benötigten Erzeugungsleistungen zur Verfügung stellen können und werden, wurde in der Untersuchung nicht überprüft.“

Mit anderen Worten, die Stromsicherheit des ehemaligen Stromexporteurs Deutschland wird durch den Wahnsinn der Energiewende von der Bereitschaft anderer Länder abhängen, vor allem der von Frankreich, ihren Atomstrom nach Deutschland zu liefern, und von der Hoffnung, dass andere Länder nicht in denselben Energiewende-Wahn wie Deutschland verfallen. Da auch in anderen europäischen Ländern die Menge des produzierten Stroms aufgrund einer verfehlten Strompolitik der EU zurückgeht, werden immer mehr Länder um immer weniger Strom konkurrieren. Der Strom wird entsprechend teurer werden, noch teurer im deutschen Fall.

Wann hätte es das je gegeben, dass eine deutsche Regierung die Versorgungssicherheit des Wirtschaftsstandorts Deutschland von der Bereitschaft und Fähigkeit ausländischer Stromerzeuger abhängig macht, Strom nach Deutschland zu liefern, und zwar ganz ohne Not und offenkundig mit dem Ziel, die Sicherheit der Stromversorgung in Deutschland aufs Spiel zu setzen, denn: „Die angekündigten oder diskutierten Planungen in den betrachteten Staaten zeigen einen allgemeinen Trend des Abbaus von Kohlekapazitäten sowie von Kernenergie bei gleichzeitigem starken Zuwachs von Erneuerbaren Energien. Dies entspricht, wie zu erwarten, den absehbaren Entwicklungen in Deutschland. Die derzeit noch vorhandenen Überkapazitäten an gesicherter Leistung schmelzen damit in Europa mittel- bis langfristig ab. Damit stehen auch die Nachbarländer vor der Herausforderung, die Versorgungssicherheit bei steigenden Anteilen volatiler Kapazitäten zu gewährleisten. Dies würde bedeuten, dass Deutschland sich in Knappheitssituationen künftig nur bedingt auf Lieferungen aus dem Ausland verlassen kann.“

Zu diesem Ergebnis kommt der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (bdew) und somit ein Verband, dessen Ergebnisse Grüne gewöhnlich dadurch zu diskreditieren suchen, dass sie auf die Interessen des Verbandes hinweisen und so tun, als hätten ausgerechnet sie, die Grünen, keine Interessen. Nun, bei Kindern und anderen Infantilen scheint der Taschenspielertrick zu funktionieren. Allen anderen kann man nur empfehlen, rechtzeitig vorzusorgen.

Ich habe mich einmal bei Amazon für meine deutschen Leser umgetan. Das unten verlinkte Notstromaggregat, das zehn Stunden Strom mit 15 Litern Benzin verspricht und zwei Anschlüsse für Geräte im 230-Volt-Betrieb hat, scheint mir durch ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis ausgezeichnet.

Einhell-Stromerzeuger

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Sciencefiles“.


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