21. Juni 2019

Äußerungen von Christian Wulff, Jasper von Altenbockum und Peter Tauber gegen rechts Wessen Pendel geht falsch?

Wie soll der Entzug der Grundrechte aussehen?

von Michael Klonovsky

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Bildquelle: shutterstock Welch ein Terzett: Mizaru, Kikazaru und Iwazaru

Gerade ließ ich mich mehr schütteln als rühren von der Statistik, dass unsere Neumitbürger von speziell Merkels Gnaden inzwischen schon pro Doppeljahr ungefähr so viele Eingeborene über die Wupper oder um die Ecke bringen, wie es Honeckers freilich weit weniger zahlreiche und zum Teil auch skrupulöse Mauerschützen in einem Vierteljahrhundert schafften, da kommt schon der Christian Wulff daher – woher eigentlich? – und jauchzet frohlockend, der „große Flüchtlingszuzug“ werde sich für Deutschland „zu einem ähnlichen Glücksfall entwickeln wie die deutsche Einheit“, außer vielleicht für Mia, Maria und die anderen willkommenskulturell Weggehobelten (auf diese Feststellung hat er verzichtet). In einigen Jahren, also noch ein paar Hundert Kollateralleichen und umverteilte Steuermilliarden später, werde Deutschland auf diese nicht nur Blutabzapfung, sondern vor allem ‑zufuhr als „großen Moment seiner Geschichte“ zurückblicken. Ungefähr so, wie man zu Stambul heute noch mit Wonne und Wohlgefallen auf den großen Moment der geheimnisvollen Öffnung der Kerkaporta samt der anschließenden Kirmes zurückblickt? Ja, ungefähr so, wenngleich zeitlich weit weniger gerafft. Es wird ein völlig anderes Deutschland sein, das dann zurückblickt, ein noch besseres Deutschland als das derzeit immerhin beste, dem das fromme orienterweiternde Großkollektiv, dessen Zugehörigkeit zu Deutschland Wulff damals schon als Bundespräsident beschwor, nicht mehr nur als ein Teil angehört, sondern womöglich umgekehrt.

Alles Große steht im Sturm, aber dortselbst gottlob nicht zwingend kanzlerinnenseelenallein. Wulff gewissermaßen zur Seite sprang heute Jasper von sowohl Altenbockum als auch der „FAZ“, dem vergangene Nacht per Dunkelfeldpost die Information zugestellt worden war, dass der Mordbefehl gegen den CDU-Lokalpolitiker Walter Lübcke direkt aus der AfD-Parteizentrale, dem sogenannten – in der Münchner Brienner Straße direkt unter dem heutigen Dokumentationszentrum gelegenen – Blauen Haus stammen soll. Und zwar buchstäblich „soll“! Der getreue Jasper malte einen Drudenfuß auf den Konferenztisch aus Eichenholz, an dem schon Karl Korn, Paul Sethe und der Dr. Faust gesessen haben, schrieb an die fünf Ecken die Namen: Weidel, Meuthen, von Storch, vom Gauland und zum Höcke, überantwortete dem Pendel die weitere Recherche, und siehe, immerdar schwang der Wünschelstein zwischen dreien der fünfe hin und her. Die „Gaulands, Meuthens und Weidels“, folgerte Altenbockum, hätten den Lübcke irgendwie auf ihrem eigentlich gar nicht existierenden Gewissen. Sie hatten „das Unsägliche sagbar machen“ wollen, und dieses „Unsägliche, das sagbar gemacht werden soll, begleitet auch den Mord“. Es wäre „schön“, beschloss der baltische beziehungsweise westfälische Adelsspätling seine magische Betrachtung, wenn „die AfD vom Mord an Walter Lübcke zur Umkehr (Metanoia) bewogen würde. Dann könnte sie sich allerdings, mangels Platz im bürgerlichen Spektrum, gleich ganz auflösen.“ Die Kanzlerin soll bei der Lektüre dieses Leitartikels vor Freude am ganzen Leib gezittert haben.

Somit war die Latte, um ein der hier zelebrierten Gesinnungsathletik angemessenes profanes Bild zu wählen, hoch gelegt. Jedoch nicht für einen Täuberich! Mit der Botschaft: „Die politische Gewalt und Gewaltbereitschaft von rechts nimmt zu“ – „nimmt zu“, das ist etwas völlig anderes als „liegt vorn“ –‍, ergriff ein anderer Ehemaliger, der frühere CDU-Generalsekretär Peter Tauber, die Gelegenheit zum Comeback. „Die AfD im Deutschen Bundestag und in den Länderparlamenten leistet dazu einen Beitrag“, setzte der Locktauber seine Gedankenflugschau fort. „Sie hat mit der Entgrenzung der Sprache den Weg bereitet für die Entgrenzung der Gewalt. Erika Steinbach, einst eine Dame mit Bildung und Stil, demonstriert diese Selbstradikalisierung jeden Tag auf Twitter. Sie ist ebenso wie die Höckes, Ottes und Weidels durch eine Sprache, die enthemmt und zur Gewalt führt, mitschuldig am Tod Walter Lübckes.“ Diesmal „die Höckes, Weidels und Ottes“. Wessen Pendel geht falsch? Na, egal, der Merkel-Zögling mit der Jens-Lehmann-Stimme ist dem „FAZ“-Leitartikler sowieso über. Tauber will nämlich Asylkritikern die Grundrechte entziehen. Wie mag das konkret aussehen? Internet-Sperre? PC-Verbot? Parteimitgliedschafts-Verbot? Moscheebesuchs-Verbot? Kinderaufzuchts-Verbot? AfD-Verbot?

Als ein anderes, weiteres Exempel für die zunehmende rechte Gewalt nannte Tauber übrigens den Angriff auf Andreas Hollstein, CDU-Bürgermeister von Altena, der im November 2017 „einen Mordversuch“ nur „dank des Eingreifens zweier Mitbürger überlebt“ habe. Dass der „Attentäter“ mit einer zweijährigen Haftstrafe davonkam, die obendrein zur Bewährung ausgesetzt wurde, sei „ein schlechter Witz“. Tatsächlich trug der Stadtpfleger bei dem besagten Messerangriff eine leichte oberflächliche Verletzung davon. Der Täter hatte das Messer nur „aufgesetzt“. Im Gegensatz zu den ursprünglichen Medienberichten handelte der betrunkene Arbeitslose nicht aus politischen, sondern aus persönlichen Motiven. Die Tat geschah nicht geplant, sondern spontan.

Wulff, Altenbockum, Tauber – welch ein Terzett! Wer dächte nicht stracks an Mizaru, Kikazaru und Iwazaru! Aber wir haben bei Jürgen Habermas gelernt, dass der aufgeklärte, kosmopolitische Intellektuelle differenzieren muss, sogar zwischen Nolte, Stürmer und Hillgruber, zuallererst differenzieren! Also differenzieren: Der Wulff ist ein vertrottelter Opportunist, der Altenbockum ein schreibender Callboy und der Tauber halt ein gewöhnlicher Lump. Sofern man einen versetzten Täter und politischen Menschenfresser auf einen so simplen Begriff aus der moralischen Welt komprimieren mag.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Acta diurna“.


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