22. Mai 2019

„Modern Monetary Theory“ Geldtheoretischer Voodoo-Zauber

Die letzten Reste ökonomischer Vernunft werden entsorgt

von Andreas Tögel

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Bildquelle: shutterstock Der neueste Streich der Voodoo-Ökonomen: „Modern Monetary Theory“ (MMT)

In Zeiten um sich greifender Diesel-Phobie, kollektiver Klimawandelhysterie, planmäßiger Desinformation durch linke Massenmedien und hoheitlicher Bestrebungen zur Errichtung eines totalen Kontroll- und Überwachungsstaates kann es nicht verwundern, wenn zugleich auch noch die letzten verbliebenen Reste ökonomischer Vernunft entsorgt werden.

Symptomatisch für Letzteres ist die von US-amerikanischen Linken propagierte „moderne Geldtheorie“ („Modern Monetary Theory“, MMT), die es ermöglichen soll, Amerika schlagartig von jeder Art von Mangel zu befreien, indem sie die Mittel für die Umsetzung einer Zweitauflage des einst von der sozialfaschistischen Regierung Franklin D. Roosevelts initiierten „New Deals“ bereitstellen soll.

Der phantastische Grundgedanke, der einst bereits von Alan Greenspan, zu dieser Zeit Chef der US-Notenbank, formuliert wurde: Staaten, die über die Geldproduktion gebieten, können niemals pleitegehen, da sie jede beliebige Menge Geld drucken können, um ihre Schulden zu bezahlen. Von dieser prinzipiell richtigen Feststellung ist es offensichtlich nur ein kleiner Schritt zur Illusion, mit einer Ausweitung der Geldproduktion den Stein der Weisen gefunden zu haben, weil sich ja für das aus dem Nichts geschaffene Geld jeder noch so verrückte politische Traum realisieren lässt. Gesundheitsversorgung, Bildungs- und Rentensystem und so weiter – alles „gratis“, wie schon jetzt im europiden Wohlfahrtsstaatsbiotop, nur noch etwas besser. Schließlich wäre dann auch noch der letzte Widerstand neoliberaler Miesmacher gebrochen. Heureka!

Theoretische Einwände und praktische Hinweise auf – durchweg negative – Erfahrungen mit einer inflationistischen Geldpolitik werden von den Protagonisten dieses Gedankens – allen voran den „Demokratischen Sozialisten Amerikas“, dem Jungstar der Demokraten, Alexandria Ocasio-Cortez, und Stephanie Kelton, Beraterin des notorischen Linksauslegers und potentiellen US-Präsidentschaftskandidaten Bernie Sanders, beiseite gewischt: Diesmal wird alles anders! Noch nach jedem gescheiterten sozialistischen Experiment – und sie sind bislang alle gescheitert – wurde und wird beim nächsten Anlauf behauptet, nun aber endlich wirklich alles richtig zu machen.

Dabei ist die Sache im Grunde sehr einfach: Das Geldsystem dient der Wohlstandsproduktion insofern, als es stabile Verhältnisse garantiert, die den Marktakteuren verlässliche Entscheidungsgrundlagen bieten. Beste Voraussetzung dafür ist ein „unpolitisches“ Geld, das allein den Interessen der Geldnutzer und Marktakteure, nicht aber denen der Regierung dient. Einer der wenigen österreichischen Nobelpreisträger, Friedrich August von Hayek, hat folgerichtig schon 1976 eine „Entstaatlichung“ des Geldes gefordert. Geld soll sich, wie jede andere Ware auch, auf dem Markt bewähren und nicht politischer Protektion unterliegen. Schließlich war es von Anbeginn an ein Produkt des Marktes und nicht des politischen Zwangs. Das sollte es endlich auch wieder sein.

Es darf nicht vergessen werden, dass die Schaffung einer politisch kontrollierten Notenbank eine der im „Kommunistischen Manifest“ von 1848 enthaltenen Zentralforderungen ist. Die Herren Marx und Engels hatten sehr genaue Vorstellungen davon, welchem Zweck das dienen sollte: der Zerstörung der bürgerlichen Gesellschaft. Hoheitlich kontrollierte und gesteuerte Geldproduktion bildet in einem Marktsystem einen schädlichen Fremdkörper, der die Ursache aller zyklischen Krisen bildet.

Über die langfristig verheerende Wirkung staatlich manipulierten Geldes und Zinses kann nur ein völlig Ahnungsloser oder ein Zyniker hinwegsehen, der wie weiland John Maynard Keynes der Meinung ist: „Auf lange Sicht sind wir alle tot.“

Die Vorstellung, mit aus dem Nichts geschaffenem Geld die Gesellschaft zu kollektivem Reichtum führen zu können, spiegelt sowohl ökonomischen Unverstand als auch politische Hybris wider. Die Tatsache, dass seit der Vertreibung der Menschen aus dem Garten Eden die Summe aller Wünsche stets die Möglichkeit zu ihrer Erfüllung übersteigt, kann durch eine noch so expansive Geldpolitik nämlich nicht aus der Welt geschafft werden. Der nicht zu überwindende „Naturzustand“, mit dem die Menschheit leben muss, ist und bleibt, allen linken Utopien zum Trotz, der des Mangels. Wer also die Schaffung unbegrenzten Überflusses auf Erden verspricht, indem er die Geldmenge aufbläht, ist entweder ein Scharlatan oder ein Idiot.

Um es an einem aktuellen Beispiel zu verdeutlichen: Mit einer noch so großen Geldmenge wäre es nicht möglich, jene Rohstoffe zu kaufen, die nötig wären, um auch nur 20 Prozent der bestehenden Automobilflotten auf Elektroantriebe umzustellen. Nickel, Kobalt, Lithium und so weiter – es gibt einfach nicht genug davon, jedenfalls nicht auf diesem Planeten. Die geldsozialistische „moderne“ Alchemie stößt, wie allein dieses Beispiel eindrucksvoll zeigt, offensichtlich recht rasch an ihre Grenzen.

Der US-Ökonom Thomas Sowell bringt es auf den Punkt: „Die erste Lektion der Ökonomie ist die Knappheit.“ – „Die erste Lektion der Politik ist es, die erste Lektion der Ökonomie zu missachten.“ In dem in Euro-Land herrschenden politischen System, in dem jede individuelle Verantwortung weitgehend abgeschafft ist, gefällt sich die Nomenklatura darin, das Ungeheure und/oder das Unmögliche zu versprechen. Sei es der totale Krieg, sei es die emissionsfreie Energieproduktion oder eben der Reichtum für alle. Das Stimmvieh wiederum, abgestumpft und längst ans betreute Denken gewöhnt, wählt begeistert jene abgehobenen Polit-Visionäre, die mit den schrillsten Programmen winken. Wenn ungehemmtes Gelddrucken uns zum flächendeckenden Reichtum führt – warum sollte man es dann nicht tun? Es wird nicht lange dauern, bis auch in Europa die ersten Narren auftauchen, die darauf brennen, die „Moderne Geldtheorie“ umzusetzen.

Jedoch: Nichts wirkt schädlicher auf die schönste Theorie als hässliche Fakten. Wohin eine ungebremste Geldmengenausweitung führt, hat die Geschichte schon hinlänglich gezeigt: geradewegs in die Hyperinflation. Wie etwa 1922/23 in Deutschland und Österreich, in jüngster Zeit in Simbabwe oder in Venezuela. Es reicht ja sogar schon die derzeit von der EZB verursachte „Asset price inflation“ (Vermögenspreisinflation) in Euro-Land, die es den Jungen so gut wie unmöglich macht, Immobilien in annehmbaren Lagen zu erwerben. Die (beabsichtigte?) Proletarisierung der Gesellschaft schreitet dadurch zügig voran. Nicht auszudenken, welch irreparablen Schaden unsere einst – lang, lang ist‘s her – freie Gesellschaft durch eine Umsetzung der MMT nehmen würde.

Es gibt keinen Grund zur Annahme, dass die modernen Geldalchemisten über das Wissen und die Fähigkeiten verfügen, die nötig sind, um das Geldsystem so zu steuern, dass Hyperinflationsdebakel und andere grobe Verzerrungen nicht eintreten. Was die Anhänger der MMT dazu veranlasst, zu glauben, Wohlstand für alle mittels Anwerfens der Notenpresse und hemmungsloser Staatsverschuldung schaffen zu können, liegt im Dunkeln. Alle einschlägigen bisher unternommenen Versuche sind jedenfalls fulminant gescheitert.


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