26. April 2019

Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung zu rechtsextremen Einstellungen in Deutschland In der Mördergrube

Ein großer Topf brauner Brei

von Holger Finn

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Bildquelle: shutterstock Deutschland 2019 laut Friedrich-Ebert-Stiftung: Großer Topf mit brauner Soße

Obwohl es verboten ist, stoßen Asylsuchende in der Bevölkerung auf wachsende Ablehnung. Das ist das Ergebnis einer Studie der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung (FES), die bereits seit Jahren mit ihren traditionell alarmierenden Studien einen permanenten Rechtsruck der Gesellschaft beklagt. Schon vor neun Jahren war es den Forschern gelungen, „Die Mitte in der Krise“ (Titel) zu entdecken und „rechtsextreme Einstellungen in Deutschland“ in Antworten befragter Bürger zu entdecken, die als „verdeckte Zustimmung gewertet werden“ (FES) konnten.

Inzwischen ist alles noch neunmal schlimmer: Jeder Zweite äußert Vorbehalte, wenn er zu Asylsuchenden befragt wird. „Ressentiments“ (ein Lehnwort aus dem Französischen, das laut Duden eine „auf Vorurteilen, einem Gefühl der Unterlegenheit beruhende gefühlsmäßige, oft unbewusste Abneigung“ beschreibt) machen sich breit – vor allem im Osten, dem Sorgenkind der Republik, wo vielen Menschen ein rationaler Umgang mit der Realität infolge von in der Kindheit erlittenen Verbildungen nicht möglich ist.

Verbotene Antworten

Obwohl „die Zahl der Asylsuchenden rückläufig“ ist, wie der „Spiegel“ und die „Tagesschau“ angelegentlich der Veröffentlichung der FES-Studie eine gelinde Sensation übereinstimmend berichten, sei die Gruppe der Ressentimisten sogar noch einmal gewachsen. Teils hätten Studienteilnehmer in der Befragung in vier bis fünf Abstufungsmöglichkeiten (von „stimme überhaupt nicht zu“ bis „stimme voll und ganz zu“) auf Fragen wie: „leben zu viele Ausländer in Deutschland?“, „werden die meisten Asylbewerber in ihrem Heimatland gar nicht verfolgt?“ und „verschweigt die Regierung der Bevölkerung die Wahrheit?“ mit einem mehr oder weniger deutlichen Ja geantwortet. Das zeige, dass die von den Autoren der Studie seit Jahren geäußerten Warnungen vor einer Verankerung rechtspopulistischer Einstellungen in der Bevölkerung ergebnislos verhallt seien. Diese Ansichten seien „in der Mitte normaler geworden“, heißt es.

Nun ist dem Wort „normal“ eigen, dass es ähnlich wie das Wort „ja“ oder wie das Wort „stumm“ funktioniert. Wer es zu steigern versucht, verstößt nicht nur gegen direkte Anweisungen der Meinungsfreiheitsschutzabteilung im Innenministerium, die schon vor geraumer Zeit verfügt hat, „normal“ im öffentlichen Sprachgebrauch nicht mehr zu verwenden. Nein, er vergeht sich auch am Geist des Begriffes, der immer absolut ist: Normalerweise kann etwas nur normal sein oder nicht normal. „Normaler“ werden aber kann nichts, weil es dieser Logik zufolge nur normal werden könnte oder aber verdammt sei, unnormal zu bleiben.

Wer fragt, bestimmt

Derart fest im Wissenschaftlichen schon in der Form verwurzelt, überrascht die FES-Studie dann auch inhaltlich niemanden mehr. Es wimmelt nur so von flotten Behauptungen wie der, dass „rund ein Fünftel der deutschen Bevölkerung feindliche Einstellungen gegenüber Fremden“ besitze, wobei das, was eine „feindliche Einstellung“ ist, ebenso unbestimmt bleibt wie die Definition des Begriffs der „Fremden“. War die „Mitte“ früher der Bereich zwischen rechts und links, der ebendort verortet war, benutzt die FES eine andere Methodik: „Mitte“ muss nun dort sein, wo an bestimmte, augenscheinlich überwiegend linke Inhalte geglaubt wird.

Nicht beruhigend finden die Verfasser, dass die selbsterfragte Zahl der „feindlich“ Eingestellten augenscheinlich seit 2014 stabil ist, obwohl gleichzeitig „die Bereitschaft der Befragten, sich in Antworten negativ über Asylsuchende zu äußern“ zugenommen habe, also nicht mehr so viele Menschen lügen, wenn sie von der Friedrich-Ebert-Stiftung Fangfragen gestellt bekommen. Rätselhaft aber ist, wie ein „Wert von nun 54,1 Prozent“ ehrlich antwortender Studienteilnehmer ermittelt worden ist. Durch deren eigene Angaben? Durch strenges In-die-Augen-schauen? Oder Lügendetektortests?

Es ist das jedenfalls, so die „Wissenschaftler“, nicht nur das überall klaglos akzeptierte, sondern auch das „höchste Ergebnis, seitdem 2011 erstmals Meinungen über Asylsuchende abgefragt wurden“. Hier zeigt sich Entspannung. Die Menschen machen aus dem, was sie denken, keine Mördergrube mehr. Doch die Forscher schließen daraus lieber, dass „die Debatte über Asyl und Zuwanderung an Härte zugelegt“ habe.

Länglich und vollkommen überraschungsfrei zieht sich das weiter dahin, eine Sammlung an Vorurteilen über Ostdeutsche und Abwertungen von Zuwanderern, von denen nicht klar wird, ob sie unter den Befragten wenigstens halb so gut vertreten waren wie in der aktuellen Werbekampagne der Deutschen Bahn. Es gelingt so, einen großen Topf braunen Brei anzurühren, voll von „menschenfeindlichen Aussagen“, die bei „Befragten bereits als Fakten verankert“ seien, voll „Muslimfeindlichkeit“, rechtsextremen Einstellungen, wachsendem Rechtspopulismus und „antipluralistischen Überzeugungen, die ausgrenzend und national orientiert“ sind.

Antidemokratische Einstellungen gefragt

So imaginieren sich die Verfasser, die offen erklären, sie suchten „seit 2002 antidemokratische Einstellungen in der deutschen Bevölkerung“, in einem Land, in dem es schon verdächtig ist, sich „auf dem Boden des demokratischen Systems“ zu bewegen oder „Skepsis gegenüber der Demokratie“ zu äußern. Wer fragt, bestimmt, was die Antwort bedeutet: Kritik auf dem Boden des demokratischen Systems und Skepsis gegenüber der Demokratie sind jedenfalls rechtspopulistisch. Und befallen von dieser „Tendenz“ (FES) sind nun schon sagenhafte 42 Prozent der Bürgerinnen und Bürger, so dass diese „Positionen“ (FES) in der „breiten Bevölkerung teilweise als normal und akzeptiert“ gelten – wobei das „teilweise“ natürlich wie ein gekreuzter Schwurfinger funktioniert.

Dass im Osten alles noch viel schlimmer ist, schrecklich und eigentlich hoffnungslos, überrascht kaum, eher schon dass vollkommen verrückte Leute jetzt auch im Westen glauben, dass Medien und Politik unter einer Decke steckten. Fast 25 Prozent, nach FES-Algebra also jeder zweite Zweite, sind überzeugt, dass es so ist.

Das Medienecho auf die FES-Studie wird niemandem vom Gegenteil überzeugen können. Oder wie Cem Özdemir raten würde: Jetzt heißt es handeln! Ein Zeitungsabo abschließen. Für ein demokratisches Deutschland und Europa!

Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung „Verlorene Mitte – Feindselige Zustände“

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Politplatschquatsch“.


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