15. März 2019

Bericht von der Tourismusmesse ITB Es ist vorbei

Der Saal tobte vor Klatschen

von Frank Jordan

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Bildquelle: shutterstock Politiker „gegen rechts“: Der Saal tobt

Ein Freund berichtet via E-Mail von der ITB, der größten europäischen Tourismusmesse in Berlin, in deren Rahmen er als Selbständiger ein paar Aufträge an Land gezogen hatte. Ich publiziere sein kurzes Statement hier unbearbeitet, um nicht Gefahr zu laufen, Intensität oder Direktheit abzuschleifen.

„Am Dienstagabend war da eine Eröffnungsveranstaltung. Etwa 3.000 Menschen, die sich wichtig vorkommen, versammeln sich in einer großen Halle und lauschen ein paar Rednern. Dazu einige Anmerkungen: Ich mach das hier jetzt schon ein paar Jahre. So, wie sich die ‚normalen‘ Menschen geben, die Ausstrahlung, das Verhalten und so weiter hat sich seit letztem Jahr einiges sehr stark negativ und ins Überhebliche driftend verändert. Natürlich nicht bei allen, aber merkbar bei vielen. Und die Veränderung steht in krassem Widerspruch zu sämtlichen politischen Statements. Angereist wird größtenteils in fetten Autos. Die Headsets für die Translation sind in Plastiktüten eingeschweißt. Getränke werden in Plastikbechern gereicht. Und so weiter. Zu den Rednern gehörten neben den üblichen Größen der Branche diesmal der Regierende Bürgermeister von Berlin und Merkels Adlatus Altmaier. War früher die allgemeine Wirtschaftsentwicklung der Branche und so was das Thema, ging es diesmal ausschließlich um ‚Gegen rechts‘, Weltoffenheit und so weiter. Als ob wir wirklich alle ein Haufen Fremdenfeinde wären und nur durch Reisen tolerant werden könnten. Was für ein Schwachsinn. Ich habe es kaum geglaubt: Vom ‚Tourismus‘ haben sie (Müller und Altmaier) geschmeidig und problemlos den Dreh zu ‚weniger Fremdenfeindlichkeit‘ gekriegt und diese beiden Dinge total miteinander verworren. So nach dem Motto: Weniger Fremdenfeindlichkeit gibt‘s nur durch ‚bewussten Tourismus‘, nur das würde uns weltoffen machen. Mir wurde echt übel: Der Saal hat vor Klatschen getobt. Ich musste an die bekannte Szene aus dem Berliner Sportpalast denken: ‚Wollt ihr den totalen Krieg?‘ Altmaier hat in Halbsätzen krasse Dinge angedeutet: Auffällig oft fiel das Wort ‚overtourism‘, den man ökologisch in den Griff kriegen müsse, wozu auch manche Freiheiten einzuschränken seien. Mehrfach gingen solche Andeutungen ins Mikro. Die Klatscher haben es entweder nicht kapiert oder den Inhalt der Worte im Gin Tonic im Plastikbecher ersäuft. Wenn du dann noch siehst, wie auf solchen Messen gleichzeitig und vollkommen sinnlos Material verbraten und weggeworfen wird, wird dir die irre kognitive Dissonanz der ganzen Kamarilla so richtig bewusst. Dann überfliege ich abends die Headlines der Newsseiten und frage mich,
was da los ist, und komme zum Schluss: Wir sind verloren, da ist nix mehr zu retten. Diese aktuelle Eröffnungsveranstaltung der ITB hätte 1938 nicht besser passen können.“

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog des Autors.


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