08. Februar 2019

Offener Brief von Dr. Hans Penner an Angela Merkel Fragen an die Kanzlerin

Man muss das Wahre immer wiederholen

von Klaus Peter Krause

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Bildquelle: 360b / Shutterstock.com Muss sich Fragen stellen: Angela Merkel

„Wer in der Demokratie schläft, wacht in der Diktatur auf.“ Dieser schöne Aphorismus wird immer wieder Goethe zugeschrieben. Auch ich habe das schon getan. Dabei hatte die Goethe-Zeit mit Demokratie – man sehe mir das saloppe Wort nach – überhaupt nichts am Hut. Damals herrschte in Deutschland nicht Demokratie, sondern Monarchie. Insofern wäre Demokratie nicht perdu gegangen, wenn die Bürger (politisch) geschlafen hätten. Es sei denn, sie wären auf Demokratie bereits scharf gewesen und hätten die Monarchie loswerden wollen. Dann natürlich wäre Schlafen nicht angebracht gewesen. Aber ganz so weit war jene Zeit noch nicht, daher politischer Schlaf nicht weiter schlimm; immerhin erschien die Monarchie halbwegs erträglich, jedenfalls nicht als Diktatur. Doch um es kurz – nein, besser: um es nicht noch länger zu machen: Von Goethe stammt die Spruchweisheit nicht. Von wem dann? Man weiß es nicht. Trotzdem ist dieser Aphorismus eine feine Sache, nämlich sehr treffend. Denn jetzt haben wir Demokratie – noch.

„Denkverzicht der Deutschen“

Pennen in der Demokratie ist also nicht angebracht. Ein Bürger, der gerade dies nicht tut, heißt aber ausgerechnet so: Hans Penner. Er ist Diplomchemiker und Dr. rer. nat. und lebt in Linkenheim-Hochstetten. Er nämlich pennt gerade nicht, sondern verfolgt das politische Geschehen hellwach, überaus kritisch, prägnant und stets kurz. Unermüdlich äußert er sich dazu in vielfältiger Weise. Er heißt also völlig zu Unrecht, wie er heißt. In einer seiner jüngsten Wortmeldungen („Denkverzicht der Deutschen“) vom 25. Januar wendet er sich wieder einmal an Bundeskanzlerin Merkel.

Wem Merkel die lange Amtszeit zu verdanken hat

„Sehr geehrte Frau Dr. Merkel, Ihre lange Amtszeit haben Sie dem Denkverzicht der Mehrzahl der Bürger zu verdanken, denen die regierungstreuen Medien rationale Überlegungen abgewöhnt haben. Nur wenige Bürger fragen, wie sich Deutschland unter Ihrer Regierung verändert hat: Wie hat sich die innere Sicherheit verändert? Wie viele Morde durch illegale Einwanderer haben Sie zu verantworten? Wie hat sich die Messerstecherei in Deutschland entwickelt? Wie haben sich die Stadtviertel verändert? Wie hat sich das Bildungssystem verändert? Was ist aus der Bundeswehr geworden? Wie hat sich die Staatsverschuldung verändert? Wie hat sich das Volksvermögen verändert? Welchen Sinn hat die Energiewende? Was kostet die Energiewende und wer bezahlt sie? Wie haben sich die Stromkosten verändert? Wie hat sich die Sicherheit der Stromversorgung verändert? Wie hat sich das Landschaftsbild verändert? Was kosten Ihre Brüche des Maastricht-Vertrages? Was kostet die Vernichtung der deutschen Kerntechnik? Wie hat sich das psycho-soziale Klima verändert? Wie haben sich psychische Erkrankungen entwickelt? Wie hat sich die Einheit Europas verändert? Wie hat sich die Armutsrate verändert? Wie hat sich das Bildungsniveau verändert? Wie haben sich die Eigentumsverhältnisse in deutschen Unternehmen verändert? Wie hat sich die Zuverlässigkeit der Medien verändert? Wie hat sich die Meinungsfreiheit verändert? Wie hat sich die Familienstruktur verändert? Wie haben sich die Zukunftsaussichten der jungen Generation verändert? Wie hat sich die Korruption verändert? Wie hat sich der Moralkonsens verändert? Wie viele deutsche Fachkräfte sind ausgewandert? Für diese Themen interessiert sich die CDU nicht. Hoffentlich gibt es Bürger, die über diese Fragen nachdenken. Mit besorgten Grüßen Hans Penner.“

Natürlich wird Merkel diese Fragen nie zu Gesicht bekommen, geschweige denn darauf antworten. Das aber ist auch nicht der Sinn eines solchen Offenen Briefes, sondern viele andere sollen ihn lesen. Daher Penners Wunsch: „Hoffentlich wird dieses Schreiben verbreitet.“ Was hiermit geschieht.

Man muss das Wahre immer wiederholen

Manchen geht Hans Penner auf den Nerv. Aber das gehört dazu, wenn man wahrgenommen werden will. Denn: „Man muss das Wahre immer wiederholen, weil auch der Irrtum um uns her immer wieder gepredigt wird, und zwar nicht von Einzelnen, sondern von der Masse. In Zeitungen und Enzyklopädien, auf Schulen und Universitäten, überall ist der Irrtum obenauf, und es ist ihm wohl und behaglich, im Gefühl der Majorität, die auf seiner Seite ist.“ Das stammt nun wirklich von Goethe. (Goethe zu Eckermann am 16. Dezember 1828, in: Johann Peter Eckermann, „Gespräche mit Goethe“.)

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog des Autors.


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