01. Februar 2019

Ein ehemaliger Mitarbeiter der Amadeu-Antonio-Stiftung soll das Auto eines AfD-Politikers abgefackelt haben Die Brandstifter

Auf dem Weg in den Fundamentalismus

von Michael Klein

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Bildquelle: shutterstock Das Werk von Fundamentalisten: Brennendes Auto

„Sie gehen immer gleich vor: Getarnt als harmlose besorgte Bürger machen Rechtsextremisten (Linksextremisten) gegen Flüchtlingsunterkünfte (die AfD) mobil und versuchen, rassistische Ressentiments in der Nachbarschaft anzustacheln. Mit fatalen Folgen: Anschläge und Übergriffe häufen sich. Eine neue Broschüre der Amadeu-Antonio-Stiftung und von Pro Asyl klärt über das Vorgehen der rechten (linken) Hetzer auf.“ – „Der Hass auf Flüchtlinge (die AfD) ist ein konstantes Element der rechten (linken) Szene. Die heute veröffentlichte Broschüre deckt die Akteure und Strategien der geistigen Brandstifter auf und zeigt anhand konkreter Beispiele, wie die rechte (linke) Mobilisierung on- wie offline funktioniert.“ (Der Text in Klammern wurde von mir ergänzt.)

Das Zitat stammt aus dem Begleittext zu einer Broschüre der Amadeu-Antonio-Stiftung, die sinnigerweise den Titel: „Die Brandstifter: Rechte Hetze gegen Flüchtlinge“ trägt. Gestern berichtete der Berliner „Tagesspiegel“ zunächst davon, dass ein „Ex-Mitarbeiter der Amadeu-Antonio-Stiftung“ verdächtigt wird, einen Brandanschlag auf das Auto eines Berliner AfD-Politikers verübt zu haben. Zwei Stunden später wurde der Titel zu: „Nazi-Experte soll Brandanschlag auf AfD-Politiker verübt haben“ geändert. Zwischen beiden Meldungen gibt es unter anderem einen Tweet der Amadeu-Antonio-Stiftung, in dem der „Brandanschlag auf das Auto eines AfD-Politikers auf das Schärfste“ verurteilt wird und die Behauptung aufgestellt wird, der Mitarbeiter sei lediglich auf Honorarbasis und nur 2015 und 2016 bei der Amadeu-Antonio-Stiftung beschäftigt gewesen. Leider hat man beim „Tagesspiegel“ zwar keine Probleme, Vornamen und Akronym des Nachnamens des Politikers der AfD, der sich ein neues Auto zulegen muss, zu veröffentlichen, aber zum „Ex-Mitarbeiter der Amadeu-Antonio-Stiftung“ findet sich keinerlei Information. Folglich kann die Behauptung der Stiftung nicht überprüft werden. Sie steht somit im Raum. Im Raum steht auch die Frage, wie man die Radikalisierung des angeblichen „Nazi-Experten“, der nicht nur für die Amadeu-Antonio-Stiftung gearbeitet hat, sondern zudem von der Bundeszentrale für politische Bildung und der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin (MBR) ausgehalten wurde, erklären kann und ob diese Radikalisierung vor, während oder nach seinen entsprechenden Tätigkeiten stattgefunden hat.

Wir sind ja mittlerweile einiges von denen, die von deutschen Ministerien mit Steuergeldern gefüttert werden, um den ideologischen Einheitsstaat zu befördern, gewohnt. Ein Projekt, dessen Ziel darin besteht, renommierte Wissenschaftler, die als Kritiker der Gender Studies auftreten und deren pseudo-wissenschaftlichen Charakter deutlich machen, zu diffamieren, wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Die Umstände, unter denen Förderung aus dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend dazu geführt hat, dass sich Gender Studies überhaupt an Universitäten einnisten konnten, sind weiterhin dubios und ungeklärt, und nun stellt sich heraus, dass sich unter denen, die Steuergelder erhalten, um die deutsche ideologische Welt so zu gestalten, dass sie den Ministerialen gefällt, vermeintliche Straftäter befinden, die verdächtig sind, fremder Menschen Autos anzuzünden. Dass Autos brennen, ist in Berlin eher die Regel als die Ausnahme, so dass man sich fragt, ob diejenigen, die von Ministerien bezahlt werden, um Agitation gegen vermeintliche „Hetze“ zu betreiben, den geistigen Nährboden bereiten, auf dem dann die Linksextremen gedeihen, die in Berlin Autos anzünden und Steine auf Polizisten werfen.

Damit sind wir im Feld der Extremismusforschung angekommen, einem weiten Feld, in dem wenig Einigkeit besteht. Einer der wenigen Punkte, in denen sich die Forscher einig sind, lautet: Extremismus gedeiht in einem homogenen Umfeld, in einer Gruppe, die sich von der Außenwelt abgrenzt, die sich als „besonders“ definiert, dieses „Besondere“ mit einem Auftrag, einer Form der Berufung verbindet und ihr ganzes Dasein auf die Erfüllung dieses Auftrags richtet.

Zweifelsohne trifft diese Beschreibung nicht nur auf Rechts- und Linksextreme, sondern auch auf Extremismus-Unternehmer zu, insofern Letztere ihr Geld damit verdienen, dass sie eine vermeintliche Gefahr bekämpfen, die im Fall der Amadeu-Antonio-Stiftung von rechts kommen soll. Damit die Steuergelder fließen, muss diese rechte Gefahr in all ihren Verästelungen und potenziellen Verheerungen in den kräftigsten Farben beschrieben werden, was die Notwendigkeit nach sich zieht, dass Mitarbeiter der Amadeu-Antonio-Stiftung sich zu intimen Kennern der Szene entwickeln, die sie bekämpfen wollen. Je mehr man sich exklusiv mit einer Sache beschäftigt, desto mehr verliert man das große Ganze aus dem Blick, eine gewisse geistige Einhegung ist das Ergebnis, die darin resultiert, dass die ersten, die an die große Gefahr von rechts glauben, diejenigen sind, die sie mehr oder minder täglich herbeischreiben. Man könnte davon sprechen, dass sie sich durch ihre intensive Beschäftigung in Rage schreiben, sich quasi selbst aufhetzen.

Und in dieser prekären Situation, in der die eigene Finanzierung von der Existenz des Schrecklichen, des rechten Extremismus abhängt, ist ein gewisses, wachsendes Maß an Realitätsverlust die Regel: durch das Hineinsteigern in die Äußerungen von vermeintlich Rechten aus Lohmen, die diese im Anschluss an den Besuch einer Gaststätte in Neustadt getätigt haben, durch das akribische Suchen, ob die Ohrfeige, die Mehmet L. von Klaus Peter S. in Wittstock erhalten hat, nicht vielleicht doch Ergebnis von Ausländerfeindlichkeit und Rassismus gewesen ist und nicht, wie die Polizei behauptet, Folge eines Streits unter Betrunkenen. Mit der Intensität der Beschäftigung mit „Rechtsextremismus“ steigt die Abhängigkeit der eigenen Existenz vom Rechtsextremismus und die Gefahr, die Schwelle zum Fundamentalismus zu überschreiten.

Douglas Pratt hat nach meiner Einschätzung die beste Theorie zur Erklärung der Radikalisierung aufgestellt, die über Fundamentalismus zu Terrorismus reicht. Ich gebe sie hier in aller Kürze wieder. Es beginnt mit passivem Fundamentalismus: Ein Glaubens-Absolutismus sagt dem Fundamentalisten, dass er im Besitz der Wahrheit ist. Aus dem Glaubens-Absolutismus, der zum Beispiel Linke glauben lässt, sie seien bessere Menschen als Rechte, quasi die überlegene Lebensform, leitet sich die Legitimation für die eigenen Versuche, Rechte (zunächst verbal) zu bekämpfen, ab. Der Glaubens-Absolutismus benötigt den Segen einer Autorität, wie sie der Papst, ein Ajatollah, die Bibel oder der Koran darstellt. Diesen Segen erhalten Linke, die gegen Rechte agitieren, durch eine von den Massenmedien erzeugte feindliche Grundstimmung gegenüber allem, was nicht links ist, und nicht zuletzt dadurch, dass sie von Bundesministerien zur Verrichtung ihrer guten Arbeit ausgehalten werden. Daraus leiten linke Fundamentalisten eine umfassende Geltung ab. Sie glauben zu wissen, was für andere richtig ist, und sind weder Kritik noch abweichenden Beobachtungen oder Wahrnehmungen zugänglich.

Die Schwelle zum aktiven Fundamentalismus, der nicht nur die Vorstufe zum Terrorismus ist, sondern die Phase im Leben eines Fundamentalisten darstellt, in der er sich in die Welt begibt, um nunmehr aktiv gegen die Glaubensfeinde vorzugehen, wird von passiven Fundamentalisten relativ häufig genommen, wenn sie die eigene Gruppe überhöhen und ihre Feinde, die Rechten, zu Untermenschen abqualifizieren, sie als Menschen diskreditieren und zu Feinden stilisieren, die man bekämpfen muss, weil sie, wenn sie nicht bekämpft werden, irgendwelche zum Heiligtum verklärte Institutionen bedrohen; wenn sie die eigenen Handlungen durch ihren Kampf für das Gute legitimiert sehen, quasi für sich in Anspruch nehmen, dem Guten in ihren Handlungen zum Ausdruck zu verhelfen; und wenn sie in einer exklusiven Gruppe unterwegs sind, die sich von denen, die zu Feinden erklärt wurden, mit Gewalt und exzessivem Hass abgrenzt.

Die Theorie von Pratt beschreibt einen Radikalisierungsprozess, in dessen Verlauf eine Art selbstgewählte Denkbehinderung entwickelt wird, deren Zweck darin besteht, die eigene Sache und die eigenen Handlungen zu einer Notwendigkeit zu stilisieren, ohne deren Verfolgung beziehungsweise Ausführung die (demokratische) Welt dem Untergang geweiht sein soll. Aus diesem Sendungsbewusstsein wächst, durch die intensive Beschäftigung mit dem Feind und die Reduzierung der erfahrbaren Welt auf, in diesem Fall, den Gegensatz zwischen rechts und links, eine geistige Borniertheit, die die Bedeutung der eigenen Mission in der Enge des eigenen Geistes weiter steigert und zur Ausbildung der Überzeugung führt, dass alles Wohl und Wehe dieser Welt davon abhänge, dass es gelingt, den ideologischen Feind zu besiegen. Der Weg in den aktiven Fundamentalismus ist beschritten, man könnte auch sagen, der Weg in den Wahnsinn. Straftaten gegen Sachen und später Gewalttaten gegen Personen sind die logische Folge und gleichzeitig der Abschluss dieser ideologischen Selbstverdummung.

Ob die Amadeu-Antonio-Stiftung quasi die Einstiegsdroge in die beschriebene Ausprägung des Fundamentalismus bereitstellt, ob die Amadeu-Antonio-Stiftung eine Art Durchlauferhitzer für ideologische Selbstverdummer auf dem Weg in den aktiven Fundamentalismus ist, ob die Stiftung eine aktive Rolle in der Ausbildung aktiver Fundamentalisten hat oder ob die Stiftung einfach nur der Arbeitgeber eines Menschen war, dessen geistige Verwirrung nicht erkannt wurde, das sind Fragen, die man nur beantworten kann, wenn alle Fakten, die es zum tatverdächtigen ehemaligen Mitarbeiter der Amadeu-Antonio-Stiftung gibt, ans Licht der Öffentlichkeit gelangt sind oder gezerrt wurden.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Sciencefiles“.


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