14. Januar 2019

Dokumentation: Abstimmung auf „jouwatch“, „PI-News“, „Philosophia Perennis“, „Jürgen Fritz Blog“ und „Die Unbestechlichen“ Das Alternative Unwort des Jahres ist „Hetzjagden und Zusammenrottungen“

Knapp dahinter „Einzelfall“ und „Schutzsuchende“

von Redaktion eigentümlich frei

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Bildquelle: shutterstock DDR-Sprache: „Zusammenrottung“

Am 27. August 2018 sagte Regierungssprecher Steffen Seibert: „Was in Chemnitz stellenweise zu sehen war und was ja auch in Videos festgehalten wurde, das hat in unserem Rechtsstaat keinen Platz.“ – „Solche Zusammenrottungen, Hetzjagden auf Menschen anderen Aussehens, anderer Herkunft, oder der Versuch, Hass auf den Straßen zu verbreiten, das nehmen wir nicht hin, das hat bei uns in unseren Städten keinen Platz, und das kann ich für die Bundesregierung sagen, dass wir das auf das Schärfste verurteilen.“

Am 28. August sagte die Bundeskanzlerin Angela Merkel: „Wir haben Videoaufnahmen darüber, dass es Hetzjagden gab, dass es Zusammenrottungen gab, dass es Hass auf der Straße gab, und das hat mit unserem Rechtsstaat nichts zu tun.“

Die „Videoaufnahmen“, auf die sie sich bezog, waren ein kurzer Clip gepostet von „Antifa Zeckenbiss“, auf dem zu sehen war, wie zwei südländisch aussehende junge Männer auf Demonstranten zugingen, von denen einer ihnen ein Paar Schritte hinterherlief. Die „Hetzjagd“ wird dann mit den Worten „Hase, du bleibst hier“ in die bundesdeutsche Wirklichkeit 2018 zurückgepfiffen. Erst Monate später machte sich irgendjemand die Mühe, die Urheber des Videos aufzusuchen und sich den Vorfall erklären zu lassen, namentlich Holger Douglas von „Tichys Einblick“.

Bis dahin hatten die abfälligen Bemerkungen der Kanzlerin über ihre eigenen Bürger jedoch längst das Deutschlandbild weltweit nachhaltig geprägt. Von der „New York Times“ bis CNN sah man „Nazi-Mobs“ in der vormaligen Karl-Marx-Stadt marodieren. Besonders pikant war die Tatsache, dass die CDU-Kanzlerin Angela Merkel mit „Zusammenrottungen“ ein Wort aus dem DDR-Strafrecht verwendete, das vor 1990 benutzt wurde, um Bürgerrechtler und Protestmärsche zu kriminalisieren, wie Hadmut Danisch bemerkte.

Bis heute haben sich weder Merkel noch Seibert für ihre beleidigende Falschmeldung („Fake News“) entschuldigt. Statt einer Entschuldigung hat Merkel sogar zugelassen, dass ihr verdienter Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen gehen musste – nicht ohne einen historischen Abschiedsbrief zu hinterlassen: „Ich habe bereits viel an deutscher Medienmanipulation und russischer Desinformation erlebt. Dass aber Politiker und Medien ‚Hetzjagden‘ frei erfinden oder zumindest ungeprüft diese Falschinformation verbreiten, war für mich eine neue Qualität von Falschberichterstattung in Deutschland. Ich hatte mich in der darauffolgenden Woche gegenüber der ‚Bild‘-Zeitung in nur vier Sätzen dazu geäußert, indem ich klarstellte, dass es nach Erkenntnissen aller zuständigen Sicherheitsbehörden keine derartigen rechtsextremistischen ‚Hetzjagden‘ gab.“

Deshalb führten bei der diesjährigen Wahl zum Alternativen Unwort des Jahres diese Begriffe, in verschiedenen Formen, ob „Hetzjagd“, „Hetzjagden“, „Zusammenrottungen“ oder „Hetzjagden und Zusammenrottungen“ (Begriffe sind ebenfalls zugelassen). Da wir uns als Jury nicht entscheiden wollten, welche Variante zur Abstimmung steht, haben wir alle Stimmen für diese Variationen zusammengefasst. Unter den vier Varianten erhielt „Hetzjagden und Zusammenrottungen“ am meisten Stimmen.

Die weiteren Favoriten waren: „Einzellfall“, „Schutzsuchende“, „Migrationspakt“, „Haltungsjournalismus“ und „Klimaflüchtling“. Ein Exemplar von „Wir sind noch mehr“, dem Beststeller der freien Medien, gewinnen jeweils die „Jouwatch“-Leser „moenty M“ und „Freundliches Gesicht“ sowie „PI-News“-Leser „Lorbas“.


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