12. November 2018

Sevim Dağdelen im Bundestag über den Migrationspakt „Nützlichkeitsfaschismus“

Linke Faschisten im Bundestag

von Michael Klein

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Bildquelle: shutterstock Mögen Linke nicht: Humankapital

Ich lese derzeit das Protokoll einer denkwürdigen Plenardebatte im Deutschen Bundestag, die am 8. November auf Antrag der AfD über den „Global Compact for Safe, Orderly and Regular Migration“ geführt wurde. Diese Debatte muss man erst einmal verdauen. Ich verdaue häppchenweise.

Die Abgeordnete der Linken Sevim Dağdelen hat den Beitrag gebracht, den ich bislang am bemerkenswertesten finde. Wenig überraschend für Linke wird ein Zusammenhang zwischen allen Problemen der Welt im Allgemeinen und hier im Besonderen der Migration mit „Freihandelsabkommen“, „Rüstungsexporten“, „neoliberalem Nützlichkeitsdenken“ hergestellt. Diese dreifaltige Schrecklichkeit, so behauptet Dağdelen allen Ernstes, sei für Migration verantwortlich.

Und dann migrieren die Menschen, vertrieben aus Syrien und Äthiopien von Freihandelsabkommen, Rüstungsimporten und neoliberalem Nützlichkeitsdenken, und was finden sie in den Ländern des neoliberalen Nordens vor? Nützlichkeitsrassismus! Einwanderung soll, wie es in Kanada, dem bekannten Hort neoliberaler Spontantänzer, der Fall ist, von Nützlichkeitserwägungen gesteuert werden. Auch im „Global Compact“, so weiß Dağdelen zu berichten, werde die „Nutzbarmachung von Humankapital“ angestrebt, das heißt, gebildete Migranten mit Kompetenz und Qualifikation sollen bevorzugt werden. Ein Braindrain, so Dağdelen, sei die Folge – in den Ländern des globalen Südens: „Dieser Braindrain zugunsten der Profite großer Konzerne dient letztendlich der Enteignung der Länder des Südens.“

Im Verlauf der Debatte über den „Global Compact“ ist sieben Mal von Verschwörungstheorien die Rede. Wer sich fragt, was mit einer Verschwörungstheorie gemeint ist: Dağdelen liefert ein Beispiel für eine mythologische Verschwörungstheorie. Nicht näher genannte finstere Mächte, die sich dem Profit großer Konzerne verschrieben haben, richten Freihandelszonen ein, damit in Afrika die Armut grassiert, exportieren ihre Rüstungsgüter, damit in Afrika die Armut nicht aufhört zu herrschen, reduzieren das Menschliche zu „Humankapital“, werben in den Ländern des Südens die Qualifizierten ab und hinterlassen dort ein Brain Void.

Das ist schon eine erstaunlich rassistische Verschwörungstheorie, in der der reiche Norden implizit zum Hort der Herrenrasse erklärt wird, die die armen Untermenschen aus dem noch ärmeren Süden, die keinerlei Kontrolle über ihr eigenes Leben haben, keinerlei eigenen Willen und schon gar keine Mittel, um die Rüstungsgüter aus dem herrenbemenschten Norden zu erwerben, zu vollkommen kapital- und willenlosen Zellhaufen reduziert, die keinerlei Möglichkeit kennen, sich gegen die Herren des Nordens zur Wehr zu setzen.

Die Primitivität sozialistisch-kollektiver Gedanken, sie mag für Linke attraktiv sein, mich macht sie wütend. Dass Linke den Begriff des Humankapitals nicht mögen, einen Begriff, der das Ausmaß von Investitionen Einzelner in ihre Bildung, in den Erwerb von Kompetenzen und Qualifikationen zusammenfasst und als dessen Folge sich die Ungleichwertigkeit von Menschen einstellt, weil nämlich ein Mensch, von dem andere abhängen, weil er zum Beispiel ein Unternehmen mit fünf Beschäftigten aufgebaut hat und nun betreibt, wertvoller ist als ein Politiker, dessen Verschwinden nur die Bundeskasse bemerken würde, ist das eine. Dass sie ernsthaft der Einwanderung von Personen das Wort reden, deren Humankapital nicht dazu ausreicht, um auf dem deutschen Arbeitsmarkt Fuß fassen zu können, denen entsprechend ein Leben als Sozialhilfeempfänger und ewiger Gegenstand der Aufmerksamkeit derer vorgezeichnet ist, die einen Beruf daraus gemacht haben, andere in ihrem Elend zu betreuen und vor allem zu halten, ist menschlich verwerflich und obendrein rassistisch. Dass sie aber denen, die Migranten ohne Ausbildung nicht dazu missbrauchen wollen, für sich einen psychologischen Höhepunkt zu inszenieren, der ihre selbstzugewiesene, überlegene Position als weitgehend unnützer nördlicher Herrenmensch ohne Qualifikation durch die Einführung großer Mengen ihm nützlicher ungebildeter Sklavenmenschen aus dem globalen Süden festigen soll und mit dem alle Kritiker rundweg als „Nützlichkeitsrassisten“ beschimpft werden, das ist schon frech.

Ob es den Linken nun gefällt oder nicht: Der Wert eines Menschen hängt von seiner Nützlichkeit ab. Niemand kann für sich als Person Respekt und Würde reklamieren, wenn er keine Leistungen erbracht hat, um diesen Respekt zu rechtfertigen und seine Würde darauf zu bauen. Demjenigen, der keine Leistung erbracht hat, der kein Humankapital vorzuweisen hat, dem bleibt nur die Hoffnung auf die Mildtätigkeit anderer. Empfänger von Mildtätigkeit zu sein, ist aber auf Dauer weder mit Menschenwürde noch mit Respekt zu vereinbaren. Das wissen Linke. Deshalb versuchen sie, die Grundlage von menschlichem Respekt zu beseitigen, die Gleichwertigkeit aller Menschen als heiligen Satz durchzusetzen und letztlich jede Form der Differenzierung zwischen Menschen zu beseitigen, damit individuelle Würde, individuelles Selbstbewusstsein und individueller Respekt beseitigt werden. Warum?

Linke florieren in einer Umwelt, in der die einzige Differenzierung durch Anbiederung an den Staat zu erreichen ist, in der Individuen im Kollektiv verschwinden, Unterschiede nivelliert und Leistungen eingeebnet werden. Linke Faschisten florieren in diesen Umwelten, normale Menschen gehen darin zugrunde.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Sciencefiles“.


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