10. Oktober 2018

Italien und der Euro Wo „Volk“ draufsteht, ist Pleite drin

Versorgen Sie sich mit „barbarischen Relikten“!

von Frank Jordan

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Bildquelle: shutterstock Darf nicht pleitegehen: Italien

Jeder kennt es: Ein Fußmarsch im Regen. Hochgeschlagene Kapuze. Das Sichtfeld ist eingeschränkt, das Knistern der wasser- und winddichten Textilschichten an den Ohren übertönt den Wind ebenso wie den Niederschlag und das Reifenrauschen sich nähernder Fahrzeuge.

Zur Zeit schabt und knistert via medialer Kapuze vieles. Das Gedöns ist beachtlich: Die Russen, heißt es, hacken die ganze Welt, der Wolfsgruß und die Geldpolitik der Türken sind gleichermaßen desaströs, die Heizkosten steigen überraschenderweise, jeder fünfte Schutzsuchende aus Afrika ertrinkt im Mittelmeer, was uns gemäß Weltklimabericht aber sowieso allen blüht, die finanziellen Mittel der Integrationshilfe sollen aufgestockt werden, der Dax werkelt an einer Stabilisierung, diverse Politiker werden entsorgt, der IWF ist jetzt auch offiziell im Anti-Trump-Lager angekommen, und Griechenland überwindet zum gefühlt neunten Mal die Finanzkrise.

Die ganze Melange kommt täglich in Sturmstärke daher, und in dem ganzen Wahrheits-Rauschen (von der Wirklichkeit hat sich der Journalismus bekanntlich verabschiedet) ist es kein Wunder, dass fast niemand auf den sich nähernden Truck achtet. Ratsam wäre es trotzdem. Es ist ein Monster-Ding, das durchaus in der Lage ist, nicht nur den Euro implodieren zu lassen, sondern die finale Krise unseres Kreditgeldsystems auszulösen: 2,3 Billionen Euro Schulden, darin nicht enthaltene Target-2-Verbindlichkeiten von 471 Milliarden Euro, eine Zinslast auf den öffentlichen Schulden, die die jährliche (nominale) Wachstumsrate übersteigt, faule Kredite im Bankensystem von 187 Milliarden, eine seit 2008 durchschnittlich um ein halbes Prozent pro Jahr schrumpfende Wirtschaft und eine Arbeitslosigkeit von über zehn Prozent. Sein Name: Italien.

Man braucht nun kein Ökonom zu sein, um zu wissen, dass Italien genau zwei Möglichkeiten hat: entweder ein „Weiter so“ mit noch mehr Schulden, um die Nachfrage zu stimulieren und die Wirtschaft auf Trab zu bringen, oder aber die harte Tour mit dem Ziel erneuter Konkurrenzfähigkeit und Attraktivität als Investitionsstandort: Reformen, Bereinigungskrise, sinkende Löhne und Preise, noch höhere Arbeitslosigkeit, Firmenpleiten. Und man braucht auch kein Wahrsager zu sein, um zu wissen, dass Salvini, di Maio und Konsorten nicht im Traum daran denken, den Leuten, die sie aufgrund sozialistischer Gerechtigkeits-Versprechungen gewählt haben, diese Rosskur zu verschreiben.

Spätestens mit den Tatsachen, dass Italien nun ein „Budget des Volkes“ verabschiedet hat, das eine noch höhere Verschuldung vorsieht, und dieser Tage kommunizierte, es denke gar nicht daran, aus dem Euro auszusteigen, sollte jedem klar sein, wohin die Reise geht. Jean-Claude Juncker nennt es die „Vollendung“ der Wirtschafts- und Währungsunion. Es ist entweder die totale Vergemeinschaftung von Italiens Schulden via Target2-System oder die Haftungsfallen ESM, EDIS, SRB und ESRB oder aber die direkte Finanzierung des italienischen Staates durch die EZB, was am Ende auf das Gleiche hinausläuft.

Denn sogar dann, wenn Italien pleitegehen möchte – es darf nicht. Die EU ist längst ein „unersättlicher Leviathan, ein Gewaltenkonglomerat – das Gegenteil von Gewaltenteilung. Die Kommission sieht sich“ weder heute noch in Zukunft „als Hüterin von Verträgen“ zwischen Staaten, „sondern als eine Art Regierung“ Europas (Prof. Markus C. Kerber). Und Regierungen, italienische ebenso wie jene Brüssels, das wissen wir, wollen so lange wie möglich regieren. Das ist ihr einziges Ziel.

Was bedeutet das für uns? Für Sie und mich? Es bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit einer offenen Inflationspolitik und eines finalen Scheiterns des Euros täglich größer wird. Denn die Kontrolle über die Situation, die unsere Politiker grotesker- aber logischerweise „die Stabilisierung des Finanzsystems“ nennen, ist längst im Amok-Modus. Jürgen Stark, ehemaliger Chef-Volkswirt der EZB, findet klare Worte: „Die Steuerung der gesamten Geldmenge ist völlig außer Kontrolle geraten. Es wird nicht nur einfach gedruckt, sondern es weiß auch niemand mehr, wer wo wann wie viel Geld virtuell erzeugt und wo es eigentlich hingeht. Auch wie viel Kreditgeld die Banken aus dem schon in absurden Massen erzeugten Zentralbankgeld nun ihrerseits wieder erzeugen, entzieht sich jeder Kontrolle.“

Absichern kann sich unsereiner nur, indem er sich mit „barbarischen Relikten“ (Keynes) wie zum Beispiel Gold versorgt. Egal wie klein die Menge ist, die einer sich leisten kann – sie bedeutet die wirksamste Waffe gegen die „Vollkasko-Versicherung“ für Faule und Verantwortungslose, gegen die „Null-Zins-Planwirtschaft“ der EZB und gegen den Raub des eigenen Hab und Guts, der eigenen Arbeits- und Lebensleistung durch den Staat. Denn genau das wird passieren – weil, wie die Geschichte lehrt, es am Ende immer das ist, was passiert.

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Seite des Autors.


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