24. August 2018

Studie von Adam Bonica von der Stanford University zu ideologischen Konfliktlinien in den USA Lippen-Service und Hand-Arbeit

Linke haben die Tendenz, Wirtschaftssektoren vollständig zu okkupieren

von Michael Klein

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Bildquelle: shutterstock Erbringen einen gesellschaftlichen Mehrwert: Hand-Arbeiter

Die ideologischen Konfliktlinien, die durch Gesellschaften gehen, haben Politikwissenschaftler fasziniert, seit es Wahlen in demokratischen Systemen gibt. Konfliktlinien zwischen Stadt und Land, Religion und Laizismus, Arbeit und Kapital wurden beschrieben, ergänzt durch den Konflikt zwischen Materialisten und Postmaterialisten, und alle Beschreibungen waren so vergänglich wie die Parteien, die sich die entsprechenden Konfliktlinien zunutze machen wollten.

Das aktuelle Beispiel der Vergänglichkeit wird derzeit von der SPD dargeboten, der Partei, die als Arbeiterpartei versucht hat, die Konfliktlinie zwischen Arbeit und Kapital auszunutzen, der Partei, die sich zwischenzeitlich zu einer Partei der feministischen Besserwisser entwickelt hat, deren Verbindung zu Arbeitnehmern nur noch in den Erzählungen aus der Vergangenheit und der Einbildung derer, die die Entwicklung der SPD einfach nicht wahrhaben wollen, vorhanden ist.

Der Niedergang der SPD, der letztlich in der Marginalisierung der Genossen enden wird, zeigt, dass die vorhandenen Mittel zur Beschreibung der ideologischen Gräben, die die modernen Gesellschaften durchziehen, nicht ausreichen, um zu erklären, was tatsächlich passiert.

Ich habe vor einiger Zeit schon einmal den Vorschlag gemacht, die Gesellschaft entlang der Konfliktlinie zwischen denen, die Steuern bezahlen, und denen, die von Transferleistungen profitieren, neu zu vermessen. Bislang hat noch kein Sozialforscher den Mut gehabt, diesen Vorschlag aufzunehmen, und ich hatte bislang weder die Zeit noch die Muße noch das Geld, diese Idee zu verfolgen.

Nun bin ich auf einen Beitrag von Adam Bonica gestoßen. Bonica ist an der Stanford University in Kalifornien damit beschäftigt, den ideologischen Raum der US-amerikanischen Gesellschaft zu vermessen, denn auch in den USA haben die Entwicklungen dazu geführt, dass die ideologische Landkarte neu bestimmt werden muss, weil das alte Konzept der „Party Identification“ (Parteiidentifikation), das Campbell, Converse, Miller und Stokes in den 1960er Jahren entwickelt haben, immer weniger passt.

Auf der Suche nach einer neuen Methode zur ideologischen Vermessung der Gesellschaft hat Bonica die alte Idee der ideologischen Distanzmaße aufgegriffen, die man in aller Kürze so umschreiben kann, dass ein Akteur in einem gegebenen politischen Raum den Anbieter wählen wird, der ihm ideologisch in bestimmten Fragen am nächsten ist. Nun ist diese Idee wirklich eine alte. Schon Anthony Downs hat sie in den 1960er Jahren entwickelt und angewendet. Deshalb und um ein Maß zu entwickeln, das aktuell und empirisch wohlbegründet ist, nutzt Bonica Daten, die tatsächliches Verhalten abbilden: Spendendaten, wie es sie in den USA gibt. Daten für Individuen, Organisationen und Unternehmen, die Kandidaten der politischen Parteien kleinere, größere oder große Summen gespendet haben. Für die jeweiligen Spender ist ihr Name und die Branche, in der sie beschäftigt sind, verfügbar.

Insgesamt lagen Bonica Daten für 13,4 Millionen Einzelspender und 511.141 Organisationen, die von 1979 bis 2012 Spenden an 51.572 Kandidaten gegeben haben, vor. Auf diesen Reichtum an Daten gründet er seine Analyse, deren Ziel vornehmlich darin besteht, über die Zuordnung der Spender zu den Kandidaten und der Kandidaten zur von ihnen vertretenen politischen Richtung den politischen Raum neu zu vermessen.

Eine ideologische Zuordnung von Wirtschaftsbereichen, die sowohl auf den Unternehmen als auch den darin Beschäftigten basiert, ist eines der Ergebnisse. Sie ermöglicht es, Aussagen über den „ideologischen Marktplatz“, wie es Bonica nennt, zu machen.

Generell zeigt sich, dass Wirtschaftsbereiche, Unternehmen wie Angestellte, dann, wenn sie nach links neigen, extremer nach links neigen als rechte Wirtschaftsbereiche nach rechts. Das heißt, Linke haben die Tendenz, einen Sektor der Wirtschaft komplett zu okkupieren und eine ideologische Hegemonie durchzusetzen, die Rechte nicht haben.

Die Sektoren, in denen vornehmlich linke Unternehmen und Arbeitnehmer zu finden sind, sind die folgenden: Hochschulen; Unterhaltungsindustrie und Medien; Zeitungen und Printmedien; Online-Dienstleistungen. Eher nach rechts neigen die folgenden Sektoren der Wirtschaft (Angestellte wie Unternehmer): Makler; Banken und Finanzsektor; Bau und Konstruktion; Landwirtschaft; fossile Energien. Unentschieden, aber im Zweifel eher links sind Rechtsanwälte und Pharmaunternehmen und ihre Angestellten.

Die Trennung verläuft also weitgehend zwischen denen, die mit dem Mund, und denen, die mit ihren Händen arbeiten, zwischen denen, die Serviceleistungen erbringen, die keinen unmittelbaren gesellschaftlichen Mehrwert haben, und denen, die einen unmittelbar fassbaren Mehrwert erbringen, zwischen denen, die immateriellen Output produzieren, und denen, die Materielles erarbeiten.

Für Deutschland steht eine entsprechende Analyse, wie so oft, noch aus. Aber ich habe keinen Zweifel, dass das Ergebnis weitgehend das gleiche sein wird.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Sciencefiles“.


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