09. August 2018

Philosophin Eva von Redecker von der Humboldt-Uni über Besitzverhältnisse und Weiblichkeit Jetzt ist Eigentum antifeministisch

Frauen als potenzielles Eigentum von Männern

von Michael Klein

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Bildquelle: shutterstock Garant für Freiheit: Eigentum

Ich lasse Euch jetzt allein mit der „Philosophin Eva von Redecker“. Dass Redecker „Philosophin“ ist, das behauptet die Pressestelle der Humboldt-Universität Berlin. „Philosophin“ im Gegensatz zu „Philosoph“ scheint kein geschützter Begriff zu sein, so dass man unter „Philosophin“ so ziemlich jeden Wirren einordnen zu können scheint. Aber jetzt: O-Ton – unter dem Titel „Destruktives Eigentum?“: „Ihre (Redeckers) nächste Frage ist, wie etwas Eigentum werden kann, das vorher gar nicht als etwas Eigentumsförmiges in den Blick kam. Für die Luft oder kleine Kinder scheine es prinzipiell ausgeschlossen zu sein. Aber auch dass man Land besitzen könne, sei kein Merkmal, das dieses immer schon ausmache. Scheinbar natürliche Begrenzungen wie Hecken oder die Knicks aus der norddeutschen Heimat der Philosophin seien überhaupt erst dazu verwendet worden, Eigentumsansprüche aufzuzeigen. Eine ihrer herausforderndsten Thesen ist schließlich, dass das, was die Knicks und Hecken für das Land seien, Weiblichkeit für Personen sei. Das Weiblichsein ginge insofern grundsätzlich mit der Möglichkeit, als Eigentum betrachtet werden zu können, einher. Land und Frauen würden in der Moderne ‚propertisiert‘.“

Ich bin jetzt noch ganz herausgefordert von der These, dass Frauen „propertisiert“ sind und es sich mit Weiblichsein analog zu Hecken im Garten verhält. Unsere Hecken im Garten beherbergen unzählige Vögel. Redecker scheint auch einige Vögel zu beherbergen. Die angebliche „These“ ist natürlich vollkommener Blödsinn, der einmal mehr zeigt, dass man als Genderist viel Ideologie und wenig Kenntnis haben muss. Die Aussage, die Redecker machen will, ist einfach zu rekonstruieren: Es gibt kein Eigentum von Natur aus. Eigentum ist Aneignung. Aneignung ist böse, vor allem weil man sich auch Frauen aneignen kann. Deshalb muss alles allen gehören, was gewöhnlich mit dem Widerspruch des kollektiven Eigentums beschrieben wird, so als gäbe es etwas wie kollektives Eigentum.

Beginnen wir bei der grandiosen Erkenntnis, dass es Eigentum von Natur aus nicht geben kann, dass Menschen es sich aneignen müssen. Ich habe willkürlich zugegriffen. Thomas Hobbes: „Der Leviathan“. Erschienen im Jahre 1651, Seite 110-111: „Aber die Gültigkeit von Verträgen beginnt erst mit der Errichtung einer bürgerlichen Gewalt, die dann ausreicht, die Menschen zu ihrer Einhaltung zu zwingen, und mit diesem Zeitpunkt beginnt auch Eigentum.“ Redecker ist rund 400 Jahre zu spät mit ihrer „herausfordernden These“. Es handelt sich dabei eher um einen durchmoderten Ladenhüter.

Eigentum setzt eine bürgerliche Gewalt voraus, die das Eigentum garantiert, und zwar deshalb, weil Menschen frei geboren sind und ein Recht auf alles, auch auf das haben, was andere als Eigentum beanspruchen, und solange es niemanden gibt, der Eigentum garantiert, kann sich jeder nehmen, was er will (Frauen übrigens auch, auch wenn Redecker Frauen für hilf- und willenlose Zellhaufen hält). Damit hört aber die Funktion von Eigentum nicht auf. Ohne privates Eigentum kann es keine Freiheit geben. Friedrich August von Hayek begründet das lückenlos in „Die Verfassung der Freiheit“ („The Constitution of Liberty). Die Überlegung von Hayeks ist einfach nachvollziehbar, wenn man mit normalem Verstand begabt ist: Wer Eigentum hat, handelt auf einer sicheren Grundlage. Wer kein Eigentum hat, der kann von anderen zu Handlungen gezwungen werden, weil er in seiner Existenz vom Zugang zu Ressourcen abhängt, die ihm nicht gehören. Marx hat das im Begriff der Produktionsmittel gefasst. Vielleicht ist Marx für Redecker eher zugänglich. Wer von anderen zu Handlungen gezwungen werden kann, weil ihm der Zugang zu Ressourcen versperrt ist, der ist per definitionem und de facto nicht frei. Er ist ein Spielball der Interessen von anderen. Zwang und Freiheit schließen sich gegenseitig aus. Ergo kann es Freiheit nur durch Eigentum geben.

Das ist übrigens der Grund, warum der deutsche Staat seinen Bürgern mehr als 54 Prozent ihres Einkommens wegbesteuert. Nicht, dass die entsprechenden Bürger mit ihrem Einkommen Eigentum begründen können, das sie frei vom Einfluss und unabhängig von ihrem Staat macht. Eigentum war von jeher das, was die mit totalen Herrschaftsphantasien Ausgestatteten in Sozialismus und Kommunismus beseitigen wollten, um Kontrolle zu sichern, Macht zu begründen und Bürger in Abhängigkeit zu bringen. Redecker scheint an diese Tradition anknüpfen zu wollen.

Und natürlich sucht sie nach einer neuen Möglichkeit, um das Opfer-Narrativ, das so vielen Genderisten ein Auskommen auf Kosten der Steuerzahler verschafft hat, neu zu erzählen. Und so plagiiert sie die Missverständnisse aus Unwissenheit, die schon Engels verbreitet hat, und erklärt Frauen zu potenziellem Eigentum von, natürlich: Männern. Das setzt notwendig voraus, dass Frauen Männern in allen Belangen unterlegen sind und sich zu einem willenlosen Objekt unterwerfen lassen, eine Möglichkeit, die Thomas Hobbes im 17. Jahrhundert für absoluten Aberwitz gehalten hat. Seine Probleme menschlichen Zusammenlebens entstehen gerade daraus, dass jeder Mensch irgendeine Fähigkeit hat, die er einsetzen kann, um sich anderen gegenüber mit List oder Tücke oder mit Leistung besser zu stellen. Redecker schließt das für Frauen kategorisch aus, reduziert sie zu potenziellem Eigentum und macht sie zu willenlosen, kurz vorm Schwachsinn vegetierenden Opfern.

Das ist mindestens Sexismus und Hate Speech und mittlerweile normal für eine Welt, in der selbst diejenigen angebliche Thesen verlautbaren, die besser ruhig gewesen wären, weil es ungeschickt ist, die eigene Unkenntnis an die große Glocke zu hängen. Philosophin! Unglaublich. Wenn Redecker Philosophin ist, dann gibt es keine Schnittstelle zwischen einem Philosophen und einer Philosophin. So wenig wie jemand zum Wissenschaftler wird, weil er seinen Hintern an einer Universität plattdrückt, so wenig wird jemand zum Philosophen, weil er etwas in die Welt posaunt, das angeblich „herausfordernd“ sein soll.

Herausfordernd ist es… für die diagnostische Abteilung in der Forensik, die Psychiatrie, die Sozialpsychologie, die Neurobiologie, die Mutationsforschung…

PS: Falls ich mich irren sollte, fordere ich alle, die es betrifft, dazu auf, endlich ihr Eigentum an Redecker geltend zu machen, durchzusetzen und dafür zu sorgen, dass sie in Zukunft den Mund hält.

Humboldt-Universität zu Berlin: „Destruktives Eigentum?“

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Sciencefiles“.


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