31. Juli 2018

Grünen-Chefin Annalena Baerbock äußert sich anlässlich der Hitzewelle Nach Stromspeicherung im Netz jetzt neue Klimatatbestände

Eine heiße Kandidatin auf den Voodoo-Physik-Preis

von Michael Limburg

Artikelbild
Bildquelle: Stefan Kaminski (photography), Annalena Baerbock (full rights of use) (CC BY-SA 4.0)/Wikimedia Commons Sagt ständig kluge Sachen, die man noch nicht wusste: Annalena Baerbock

Annalena Baerbock ist eine sehr kluge Frau, denn sie ist immerhin die Chefin der Grünen. Und sie sagt oft kluge Sachen. Sachen, die jeder verstehen kann und die auch jeder einsehen muss. Beispielsweise sagte sie vor Kurzem, dass Stromnetze die Fähigkeit hätten, Strom zu speichern. Diese Erkenntnis ist so neu, dass bisher niemand sie kannte. Bisher war die Fachwelt davon ausgegangen, dass sich Strom in nennenswerten Mengen nicht speichern lässt. Jetzt wissen wir dank Baerbock, dass „die Strom-Netze“ diese Fähigkeit haben. Dafür gebührt ihr ein Wissenschaftspreis, eventuell sogar der Nobelpreis für Physik. Vielleicht tut‘s auch einer für Vodoo-Physik.

Nun hatte Baerbock eine neue ebenso kluge Erkenntnis. Sie kann in der Hitzewelle der letzten Wochen „die Vorboten der Klimakrise“ erkennen und fordert, ihnen mit einem neuen „Klimarealismus“ zu begegnen, der durch jede Menge Verbote und Steuern realisiert werden sollte. Dazu gehörte, so Baerbock, „ein ambitioniertesKlimaschutzgesetz“, ein „CO2-Preis“, der „Abschied vom fossilen Verbrennungsmotor und die verordnete Abschaltung von alten Kohleblöcken“.

Und damit nicht genug, deshalb fordert sie einen „Klimaanpassungsfonds“, der eine Entschädigungskomponente für diejenigen enthalte, die von extremen Ereignissen besonders hart betroffen seien. Gespeist werden solle dieser unter anderem „aus einer vernünftigen CO2-Bepreisung im Sinne des Verursacherprinzips“. Einen solchen Fonds hatte allerdings zuvor schon die AfD gefordert in ihrem jüngsten Klimaschutz-Stopp-Antrag, dort allerdings aus anderen Gründen. Pikant dabei, dass die Grünen anfangen, bei der AfD abzukupfern. Sind sie doch lernfähig? Wohl eher nicht, denn weil es nach Baerbock mal wieder höchst dringlich ist, sagt sie: „Wenn wir jetzt nicht anfangen, massiv CO2 zu reduzieren, und uns zugleich auf die bereits erfolgten Auswirkungen der Erderwärmung einstellen und vorbeugen, dann sind wir in ein paar Jahren gezwungen, disruptive Schritte zu gehen – mit massiven gesamtgesellschaftlichen Kosten. Je später wir handeln, desto teurer wird’s.“

Bevor nun doch der Vodoo-Nobelpreis für Klimawissenschaft gestiftet wird und er Baerbock eventuell als Erster zugesprochen würde, sollten wir daran erinnern, dass die konventionelle Klimawissenschaft den Begriff des Klimas erst erfunden und dann definiert hat. Man wusste zwar, dass sich das Wetter – insbesondere mit den Jahreszeiten – wandelt, wollte aber auch sehr langfristige Änderungen – weit über ein Menschenleben hinaus – erkennen, um gegebenenfalls daraus weitere Erkenntnisse zu gewinnen. Deswegen schuf man den statistischen Begriff „Klima“, um regionale Klimazonen, in denen das Wetter auf lange Zeit ähnlich verlief, klassifizieren zu können. Und man definierte diesen Begriff weltweit als das langjährige Mittel über mindestens 30 Jahre von lokalen Wetterdaten wie zum Beispiel Temperatur, Wind, Niederschlag. Alles Kürzere beschreibt Wetter, oder wenn es länger andauert: Witterung. Von „Vorboten“ ist in dieser Definition, die schon in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts von der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) verabschiedet wurde, nichts enthalten. Es bedurfte der Klugheit, ja der Weisheit der Grünen-Chefin Baerbock, diese bisher unbekannten Abkömmlinge des Klimas dingfest zu machen. Auch dafür gebührte ihr ein Vodoo-Physik-Preis.

Wir weniger Klugen und wissenschaftlich nicht so gebildeten Mitmenschen hatten bisher geglaubt, dass das, was wir erfreulicherweise die letzten Wochen miterleben durften, nämlich einen schönen warmen Sommer, sei einfach schönes Wetter. Denn mindestens 30 Jahre lang hatten wir dieses schöne Wetter ja noch nicht, das vorige Jahr war eher kalt und verregnet, und international gesehen war es auch nicht so. Also das Weltklima betreffend und so! Denn nur gegen das sollen wir ja mit unserem CO2-Emissionsverzicht vorgehen. Was aber auch nur – bei vollem Erfolg und falls das bisschen CO2 wirklich den starken Einfluss dank vermuteter Verdreifachung durch Rückkopplung hat, den ihm manche zuschreiben – eine Reduktion des Anstiegs der globalen Mitteltemperatur von ganzen 0,000653 Grad Celsius zur Folge hätte.

Vielleicht sollte das mal jemand Annalena Baerbock mitteilen, bevor man sich Gedanken darüber macht, ihre neuesten Erkenntnisse mit Preisen zu ehren.

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Seite des Europäischen Instituts für Klima und Energie (EIKE).


Artikel bewerten

Artikel teilen

Facebook Icon Twitter Icon VZ Icon del.icio.us Logo Reddit Logo

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Dossier: Klima

Mehr von Michael Limburg

Über Michael Limburg

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige