17. Mai 2018

Hate Speech im Werk von Karl Marx Infernalischer Hass auf alles und jeden

Er wusste schon früh, was er wollte

von Michael Klonovsky

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Bildquelle: shutterstock Karl Marx (1818-1883): Für den Marxismus nicht verantwortlich?

Die von mir nicht völlig unverehrte Sahra Wagenknecht fühlte sich herausgefordert, den vereinzelten Protesten gegen die Aufstellung eines Trojanischen Pferdes aus China in jener deutschen Kleinstadt, in der der Begründer des wissenschaftlichen Kommunismus und Schöpfer populärer ökonomischer Märchen wie der Mehrwerttheorie, der Verelendungstheorie und des tendenziellen Falls der Profitrate das triste Licht der Welt erblickte, mit dem Statement entgegenzutreten: „Wenn jeder für das verantwortlich wäre, was in seinem Namen geschieht, dürfte Jesus Christus heute in keiner Kirche mehr hängen.“ (Ist das am Ende der Grund für das Bilderverbot der Mohammedaner?) Wer Marx zum Vordenker autoritärer Systeme erkläre, so die Linken-Frontfrau, könne seine Aufsätze nie gelesen haben. „Marx hat an keiner Stelle eine verstaatlichte Planwirtschaft gefordert. Sein Ziel war Demokratie.“

Als ein Mensch, der Marxens „Aufsätze“ noch in einem Weltwinkel gelesen hat, wo sie religiöse Doktrin waren, im deutschen Gottesstaat der Atheisten, muss ich sacht widersprechen, und zwar mit Marx-Zitaten: „Zwischen der kapitalistischen und der kommunistischen Gesellschaft liegt die Periode der revolutionären Umwandlung der einen in die andre. Der entspricht auch eine politische Übergangsperiode, deren Staat nichts andres sein kann als die revolutionäre Diktatur des Proletariats.“ („Kritik des Gothaer Programms“) – „Die Kommunisten verschmähen es, ihre Ansichten und Absichten zu verheimlichen. Sie erklären es offen, dass ihre Zwecke nur erreicht werden können durch den gewaltsamen Umsturz aller bisherigen Gesellschaftsordnung.“ („Manifest der Kommunistischen Partei“) – „Nachdem zum Beispiel die irdische Familie als das Geheimnis der heiligen Familie entdeckt ist, muss nun erstere selbst theoretisch und praktisch vernichtet werden.“ („Thesen über Feuerbach“) – „Nur bei einer Ordnung der Dinge, wo es keine Klassen und keinen Klassengegensatz gibt, werden die gesellschaftlichen Evolutionen aufhören, politische Revolutionen zu sein. Bis dahin wird am Vorabend jeder allgemeinen Neugestaltung der Gesellschaft das letzte Wort der sozialen Wissenschaft stets lauten: ‚Kampf oder Tod; blutiger Krieg oder das Nichts. So ist die Frage unerbittlich gestellt.‘“ („Das Elend der Philosophie“; das finale Zitat stammt pikanterweise von George Sand.) – „Der Kannibalismus der Kontrerevolution selbst wird die Völker überzeugen, dass es nur ein Mittel gibt, die mörderischen Todeswehen der alten Gesellschaft, die blutigen Geburtswehen der neuen Gesellschaft abzukürzen, zu vereinfachen, zu konzentrieren, nur ein Mittel – den revolutionären Terrorismus.“ („Sieg der Konterrevolution zu Wien“, „Neue Rheinische Zeitung“ vom 7. November 1848)

Marx‘ Wirkungsgeschichte mit jener von Jesus in einen Atemzug zu bringen, scheint mir etwas degoutant angesichts der doch ziemlich divergierenden Grundmotive: hier die Liebe zu allen Gotteskindern, dort ein infernalischer Hass auf wahrlich alles und jeden, den eigenen Vater, die Juden, die Slawen, das, um ein bisschen aus den Briefen zu zitieren, „Fabrikantengesindel“, die „Hunde von Demokraten und liberalen Lumpen“, die „Hunde von Parlamentskretins“, „all das Gesindel aus Berlin, Mark oder Pommern“, den „Menschendreck“ und „Menschenkehricht“ (eine Marxsche, auch von mir in Gedanken gern gebrauchte Lieblingsvokabel), den „jüdischen Nigger“ Lassalle, dessen „Zudringlichkeit“ „niggerhaft“ sei, das „Rindvieh“ Wilhelm Liebknecht, den „Scheißkerl“ Freiligrath, das „muskowitische Vieh“ Bakunin. Die Franzosen „brauchen Prügel“; Deutschland sei „die dümmste Nation unter dem Sonnenlicht“ (wohl wahr, wohl wahr); „ohne Keile von außen ist mit diesen Hunden nichts anzufangen“. Juden? „Viel Juden und Flöhe hier.“ Kroaten und Tschechen? „Lumpengesindel“. Russen? „Hunde“; „Im russischen Vokabularium existiert das Wort Ehre nicht.“ Das Publikum? „Ich dehne diesen Band (‚Das Kapital‘) mehr aus, da die deutschen Hunde den Wert der Bücher nach dem Kubikinhalt schätzen.“ Die Internationale Arbeiterassoziation? „Lumpengesindel“. Das Proletariat? „Komplettere Esel als diese Arbeiter gibt es wohl nicht“, „schlimm, dass mit solchen Leuten Weltgeschichte gemacht werden soll“. Humanismus? „Phrase“. Parlamentarismus? „Demokratische Pissjauche“.

Brechen wir die Hate-speech-Lese im Werk unseres Wutdenkers hier ab und werfen wir einen Blick auf seine Jugendgedichte. Der Vierzeiler „Wunsch“ hebt an mit den Worten: „Könnt‘ ich die Seele sterbend tauchen/In der Vernichtung Ozean“. Und in „Des Verzweifelnden Gebet“ findet sich der Selbsttrost: „Eines blieb, die Rache blieb mir doch.“

Seinem Lebensgesetz zufolge gesellte sich stracks die Selbstidolatrie hinzu: „Einen Thron will ich mir auferbauen,/Kalt und riesig soll sein Gipfel sein,/Bollwerk sei ihm übermenschlich Grauen,/Und sein Marschall sei die düst‘re Pein!/Wer hinaufschaut mit gesundem Auge,/Kehre totenbleich und stumm zurück,/Angepackt vom blinden Todeshauche,/Grabe selbst die Grube sich sein Glück./Und des Höchsten Blitze sollen prallen/Von dem hohen, eisernen Gebäu,/Bricht er meine Mauern, meine Hallen,/Trotzend baut die Ewigkeit sie neu.“

Er wusste schon früh, was er wollte.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Acta diurna“.


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