15. Mai 2018

Kritik an Äußerungen von FDP-Chef Christian Lindner Der Neger beim Bäcker

Der Siegeszug der Aufmerksamkeitsökonomie

von Holger Finn

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Bildquelle: shutterstock „Alltagsrassismus“: Wer steht da mit mir in der Schlange?

Der Chef der FDP hat „Neger“ gesagt. Also, er hat nicht wirklich „Neger“ gesagt, denn das gehört sich nicht. Aber Christian Lindner, auf eine Art Chef der Liberalen wie Angela Merkel Chef der CDU ist oder Wladimir Putin Chef von Russland, vergaloppierte sich auf dem FDP-Parteitag auf eine Weise, die die liberale Presse landauf, landab vermuten lässt, er habe vielleicht nicht „Neger“ gesagt, aber irgendwie doch „Neger“ gemeint. Obwohl sich die Beobachter nicht ganz einig sind, weil es verboten ist!

Legal, illegal, scheißegal

Offenbar auch, wenn das Wort selbst nicht vorkommt. „Man kann beim Bäcker in der Schlange nicht unterscheiden, wenn einer mit gebrochenem Deutsch ein Brötchen bestellt, ob das der hochqualifizierte Entwickler künstlicher Intelligenz aus Indien ist oder eigentlich ein sich bei uns illegal aufhaltender, höchstens geduldeter Ausländer“, hatte Lindner gesagt. Und aus dieser Alltagsbeobachtung den Schluss gezogen, dass eine Gesellschaft nur in Frieden leben könne, wenn es darauf auch nicht ankomme, weil eine „fordernde, liberale rechtsstaatliche Einwanderungspolitik“ dafür sorge, dass „die anderen, die in der Reihe stehen, alle sicher sind, dass jeder, der sich bei uns aufhält, sich auch legal bei uns aufhält“.

Keine Forderung nach Prügelstrafen für gebrochen Deutsch Sprechende, kein Ruf nach härterer Abschiebepraxis oder Lagerhaft für Bäckerkunden mit dunklerer Haut. Doch dort, wo die liberale Gesellschaft mit dem Holzhammer auf links gedengelt wird, ist schon eine öffentlich berichtete Alltagsbeobachtung „ätzend ausländerfeindlich“, wie die „Frankfurter Rundschau“ anprangert. Nach der Lesart des Blattes, das mit all seinen Pleiten, Format- und Eigentümerwechseln Mediensterben von seiner schönsten Art vorführt, gilt schon der, der sagt, dass „Menschen sich sicher sein müssen, auch wenn jemand anders aussieht und nur gebrochen Deutsch spricht, dass es keine Zweifel an seiner Rechtschaffenheit gibt“, als jemand, der einem neuen Faschismus in den Sattel hilft.

Ornament der ohnmächtigen Gesellschaft

„Purer Rassismus und noch dazu menschenfeindlich“ („FR“) sei es, Unterschiede zu machen zwischen Ausländern, die legal, und welchen, die illegal im Lande sind. Geltendes Recht wird in dieser Interpretationsform zum Ornament einer ohnmächtigen Gesellschaft, zu respektieren nur von denen, die gerade nichts Besseres zu tun haben. Alle anderen aber, die eine Politik der jederzeit und für jedermann offenen Grenzen für unvereinbar mit dem Grundgesetz halten, wie das etwa der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages tut, sind schuldig, „damit jedem Rassisten, Ausländerfeind und Nazi den Freifahrtschein zu liefern“ („FR“).

Was in der politischen Debatte in Deutschland falsch läuft, lässt sich an diesem Beispiel beschreiben: Der Siegeszug der Aufmerksamkeitsökonomie führt dazu, dass nur die drastischste Verurteilung, die zugespitzteste These und der abseitigste Vergleich Chancen haben, durch das Grundgedröhn zu dringen, das die schreibenden Wutbürger in den Großredaktionen tagtäglich wie desorientierte Chorsänger herausheulen.

FDP-Chef Lindner hat seine Kurzgeschichte aus dem Bäckerstübchen bereits passend auf den Bedarf dieser Empörungsindustrie ausgerichtet: Die „Tagesschau“ rückt ihn wunschgemäß in die Nähe der AfD, wo Lindner Wählergruppen vermutet, die er gern wieder bei seiner Partei hätte. Der „Spiegel“ geht nie selbst einkaufen, vermag sich also die beschriebene Situation überhaupt nicht vorzustellen. Und die „FAZ“ enthüllt anlässlich der Lindner-Enttarnung als rassistisches Kackschwein sogar das allerletzte Geheimnis der Merkel-CDU: Wie jede gute linke Partei hat auch diese offenbar einen „linken Flügel“.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Politplatschquatsch“.


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