05. März 2018

Hackerangriff auf das staatliche Datennetz Cyberspuk zum Knechtbetrug

Wie soll man auf ausbleibende Beweise reagieren?

von Axel B.C. Krauss

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Bildquelle: shutterstock Hackerangriff auf BRD-Datennetz: Wer steckt dahinter?

Bevor ich über die jüngste Welle von Cyberangriffen auf unsere freieste Sowestunion, die es je auf globalisiertem Boden gab, ein paar lakonische Worte verliere, muss ich ein Geständnis wiederholen, das schon einige Monate zurückliegt. Manche Leser werden sich daran gewiss nicht mehr erinnern.

Und hier kommt‘s: Ich bin so blöd, dass Schweinen umgehend die Zähne ausfallen, wenn sie mich beißen.

Doch warum dieses drakonische Urteil, diese Strenge sich selbst gegenüber, vor der selbst der autoritärste russische Internatsleiter, gestählt durch jahrzehntelange sibirische Eisbäder vor dem täglichen Frühstück, winselnd in die Knie ginge?

Nun, weil ich angesichts dieser ohne Vorlage irgendwelcher handfesten Beweise behaupteten Täterschaft durch sieben Zwerge hinter sieben Bergen unter Anleitung von Dr. Strange immer auf so absurde Gedanken komme. Wie zum Beispiel:

Schon seit einigen Jahren mokieren sich mehrfach politrickgesättigte Würdenträger über die unerhört freisinnigen Streifzüge selbständig denke... also rechtsextremistischen, staatsskeptischen Packs oder, wenn Sie so wollen, allgemeinwohlskeptischen, Staatshass streuenden Populistengesindels im Dunkelnetz, in dem man – neben anderen hochgefährlichen Mitteln der Zersetzung – auch schwere Zweifel an der Regierung auslösendes Marihuana ordern kann, russische Comics, in denen Putin die Weltherrschaft erlangt und als Gottkönig des Globus siegesgewiss mit freiem Oberkörper von der Spitze des Mount Everest winkt, oder iranische Drohnen, um die fesche Nachbarsgattin im Sommer beim Sonnenbad oben ohne zu filmen. Oder Snuff-Movies, in denen Assad es wild mit den zunehmend bulimisch über den Catwalk des zügig heraufdämmernden Neototalitarismus stölzelnden Freiheiten (?) des Westens treibt, um sie danach in bester Eli Roth-„Hostel“-Splattermanier zu köpfen – und der lässt es ihm auch noch durchgehen! Brrrr!

Oder wie Volker Kauder einmal sagte: „Das Lügen muss aufhören!“ Also, das Lügen im Internet. Davon unbeschadet freilich bleiben die Lügen, mit denen Knechte von der Regierung, ihren Hofsängern und Bettvorlegern, Liebedienern und Hackenzusammenschlagern im „demokratisch“ unverzichtbaren VEB-Buntfernsehen des veröffentlichten Meinensollens seit endlosen Jahren überzogen werden. Für insgesamt „demokratisch“ inkommensurable 8.000 Millionen Euro pro Jahr, bei deren Nichtzahlung Freiheitsentzug droht. Putin und Assad wird‘s freuen, zu sehen, wie sich der Westen solcherart gleich selbst seiner Freiheitsmythen beraubt – und der lässt es sich selbst auch noch durchgehen! Brrrrr! Gute Kopfwäsche kostet eben was. Gibt‘s bei Friseuren ja auch nicht umsonst.

Rein zufällig gibt es zur Betonung der dringenden Notwendigkeit des Aufrechterhalts dieser weltweit einmaligen Meinungsvielfalt in geskripteten, schon im Vorfeld von allem populistischem, abgehängt-altweißem, verdieselt-Euro-feindlichem und klimamordendem Staatshass bereinigten Diskussionsvermeidungsformaten einige Hackerangriffe auf die Doppelplusgüte des entscheidenden Wirs im Regierungsviertel. Eine Schande so was. Brrrrrr!

Wirklich überprüfbare, stichhaltige Beweise dafür, dass tatsächlich die sieben Zwerge hinter den sieben Bergen dahinterstecken, Rübezahl, Herr Hotzenplotz oder Ali Baba, werden nicht vorgelegt. Geht leider nicht. Geheim. Nationale Sicherheit und so. Sie verstehen. Der Bürger, der für seine Sicherheit zahlen darf, muss ja nicht alles wissen. Was er nicht weiß, macht seine Regierungsskepsis nicht heiß.

Und jetzt? Nun, der Generalbundesanwalt hat die Ermittlungen übernommen. Und wird, soviel dürfte jetzt schon feststehen, ja, darauf gehe ich jede Wette ein, auch weiterhin keine wirklich bissfesten Beweise vorlegen. Weil‘s um solche ja auch gar nicht geht, sondern letztendlich die Einschränkung von informationeller Bewegungsfreiheit beziehungsweise Selbstbestimmung sowie die zügige Durchsetzung harter Strafen für jeden Verstoß gegen den Großen Bruder. Und die muss man ja irgendwie „legitimieren“. Dafür braucht man einen „guten Grund“. Außerdem ist es doch wurscht, ob nun Russen dahinterstanden, Assad, die chinesische elektronische Armee, Iraner, Kim Jong-uns Laptopkrieger, Iraner, der IS oder Lex Luthor.

Wer sich ständig solchen globalen Bedrohungen ausgesetzt sieht, muss eben leider, leider auch mal ein paar Freiheiten opfern, um sicher leben zu können.

„Alexa! Wie spät ist es?“

Alexa (mit sarkastischem Unterton): „Bald zu.“

„Frankfurter Allgemeine“: „Wie soll man auf Cyberangriffe reagieren?“


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