14. Mai 2013

Ron Paul Institute for Peace and Prosperity Sagen wir niemals „wir“, wenn wir von der Regierung sprechen!

Ein Nagel zum Sarg der Neocons

von Lew Rockwell

Dossierbild

Die Eröffnung des „Ron Paul Institute for Peace and Prosperity“, die neulich stattfand, stellte einen Wendepunkt in der amerikanischen Geschichte dar. Noch niemals hat es irgendetwas in der Art gegeben. Das ideologisch facettenreiche neue Institut wendet sich an alle Amerikaner, ja an alle Menschen auf der Welt, die das Meinungsspektrum zur Außenpolitik als unangemessen eng empfinden. Vor Ron Paul und seinem neuen Institut existierte keine entschieden anti-interventionistische außenpolitische Organisation.

Neokonservative haben nicht gerade herzlich auf die Nachricht von Rons neuem Institut reagiert. Was immer sie im Einzelnen zu meckern haben, wir können uns über den wahren Grund für ihre Unzufriedenheit sicher sein: Sie haben sich vorher niemals einer gezielten, organisierten Opposition gegenübergesehen.

Die Demokraten sähen Lincoln von seinem Sockel stürzen, bevor sie Nichteinmischung in anderen Ländern unterstützten, sie stellen also kein wesentliches Problem für die Neocons dar. Ron Paul dagegen ist eine echte Opposition, und er kann eine Armee mobilisieren. Das wissen die Neocons.

Zum ersten Mal wird strikte Nichteinmischung eine beständige Stimme im amerikanischen Alltagsleben haben. In diesem historischen Augenblick ist es, glaube ich, angebracht, ein paar Gedanken über den Krieg niederzuschreiben – ein Manifest des Friedens sozusagen.

Erstens: Unsere Herrscher können nicht machen, was sie wollen.

Unsere Kriegstreiber glauben, sie seien von normalen moralischen Regeln befreit. Weil sie im Krieg sind, dürften sie allen Anstand über Bord werfen, alle Normen, die das Verhalten von Menschen regeln. Der verharmlosende Ausdruck „Kollateralschaden“ wird, begleitet von oberflächlichen und bedeutungslosen Worten des Bedauerns, gebraucht, wenn unschuldige Zivilisten, darunter Kinder, verkrüppelt und abgeschlachtet werden. Ein Privatmensch, der sich auf diese Weise verhält, würde als „Soziopath“ bezeichnet. Gebt ihm einen originellen Titel und einen guten Anzug, und er wird zum Staatsmann. Lasst uns die subversive Mission verfolgen, die gleichen moralischen Regeln gegen Diebstahl, Kidnapping und Mord, die wir bei jedem anderen anwenden, auch bei unseren Herrschern anzuwenden.

Zweitens: Vermenschlicht die Verteufelten.

Wir müssen alle Bestrebungen unterstützen, die Bevölkerungen der Länder zu vermenschlichen, die sich im Fadenkreuz der Kriegstreiber befinden. Die Allgemeinheit wird in einen Kriegsrausch gepeitscht, ohne das Geringste (außer Propaganda) über die Menschen zu wissen, die in diesem Krieg sterben werden. Die Medien des Establishments werden ihre Geschichte nicht erzählen, also liegt es an uns, alle Ressourcen zu nutzen, die wir als Individuen haben, um die subversivste Wahrheit von allen zu übermitteln: dass die auf der anderen Seite auch Menschen sind. Das genau wird es den Kriegstreibern ein wenig schwerer machen, ihre „zwei Minuten Hass“ durchzuziehen. Es kann dazu führen, dass diejenigen mit normalem menschlichen Mitgefühl bewogen werden, der Propaganda zu misstrauen.

Drittens: Wenn wir Gewaltanwendung ablehnen, dann lasst uns alle Gewaltanwendung ablehnen.

Wenn wir an die Sache des Friedens glauben, reicht es nicht aus, aggressiver Gewalt zwischen Nationen ein Ende zu bereiten. Es sollte nicht unser Ziel sein, den Frieden in fremde Länder zu bringen, damit unsere Herrscher ihre Gewehre auf friedliche Individuen in der Heimat richten. Hinweg mit jeder Art von Angriffen auf friedliche Menschen.

Viertens: Sagen wir niemals „wir“, wenn wir von der Regierung sprechen.

Die Bevölkerung und die Kriegstreiber sind zwei verschiedene Gruppen. Wir dürfen niemals „wir“ sagen, wenn wir die Außenpolitik der Regierung erörtern. Zum einen scheren sich die Kriegstreiber nicht um die Meinung der Mehrheit. Aber zum anderen ist es auch falsch, ja sogar schädlich. Wenn sich Menschen so sehr mit ihrer Regierung identifizieren, sehen sie Angriffe auf die Außenpolitik ihrer Regierung als Angriffe auf sich selbst an. Es wird dann umso schwieriger, vernünftig mit ihnen zu reden – he, du beleidigst meine Außenpolitik! Außerdem heizt der Gebrauch des „wir“ das Kriegsfieber an. „Wir“ müssen „sie“ erwischen. Menschen feuern ihre Regierungen an, wie sie es mit einer Fußballmannschaft machen würden. Und da wir wissen, dass wir selber anständig und gut sind, können „sie“ nur abartig und böse sein und verdienen jedes gerechte Urteil, das „wir“ über sie fällen. Die linken Kriegsgegner verfallen genau so oft in diesen Fehler: Sie präsentieren uns eine Liste schrecklicher Verbrechen, die „wir“ begangen haben. Aber wir haben diese Verbrechen gar nicht begangen. Die gleichen Soziopathen, die uns selber jeden Tag zu Opfern machen und über die wir keine echte Kontrolle haben, haben diese Verbrechen begangen.

Fünftens: Krieg ist nicht „gut für die Wirtschaft“.

Ein Bekenntnis zum Frieden ist eine wunderbare Sache und lobenswert, aber es muss mit ökonomischem Verständnis gepaart werden. Ein bekannter US-Senator missbilligte neulich Kürzungen im Militärhaushalt, denn „wenn man im Militärhaushalt kürzt, gehen Arbeitsplätze verloren“. Es gibt nichts ökonomisch Gutes am Krieg oder an der Vorbereitung zum Krieg. Diejenigen, die uns erzählen wollen, Krieg bringe Wohlstand, liegen daneben, selbst beim Zweiten Weltkrieg. Der spezielle Anreiz, den bestimmte Bereiche der Wirtschaft durch den Krieg erhalten, geht auf Kosten ziviler Bedürfnisse und entzieht der Verbesserung des allgemeinen Lebensstandards Ressourcen. Ludwig von Mises, der große Ökonom des freien Marktes, schrieb: „Mit der Kriegskonjunktur verhält es sich so ähnlich wie mit der Konjunktur, die ein Erdbeben oder eine Seuche mit sich bringen. Das Erdbeben bedeutet guten Geschäftsgang für die Bauhandwerker, und die Cholera fördert den Geschäftsgang der Ärzte, der Apotheker und der Leichenbestatter. Darum hat aber noch niemand versucht, Erdbeben und Cholera als nützliche Anreger der Produktivkräfte zu feiern.“ An anderer Stelle beschrieb Mises über „das Wesen der sogenannten Kriegskonjunktur; sie bereichert die einen um einen Betrag, den sie anderen entzogen hat. Sie ist nicht steigender Reichtum, sondern Vermögens- und Einkommensverschiebung“.

Sechstens: Sie sind für den freien Markt? Dann seien Sie gegen den Krieg.

Ron Paul hat die angemessene Verbindung des Kapitalismus mit Frieden und Nichteinmischung wiederhergestellt. Leninisten und andere Linke behaupteten, befrachtet mit einem falschen Verständnis von Wirtschaft, dass der Kapitalismus den Krieg benötige, dass die angebliche „Überproduktion“ von Gütern Marktgesellschaften zwinge, in andere Länder – und oft in den Krieg – zu ziehen, auf der Suche nach auswärtigen Märkten für ihre überschüssigen Güter. Das war immer schon ökonomischer Unsinn. Es war auch politischer Unsinn: Der freie Markt benötigt keine parasitären Institutionen, um internationalem Handel den Weg zu ebnen. Und die gleiche Philosophie, die zur Nichtaggression zwischen einzelnen Menschen anhält, erzwingt Nichtaggression zwischen geographischen Gebieten. Mises hat, gegen die Leninisten, immer darauf beharrt, dass Krieg und Kapitalismus nicht lange gemeinsam bestehen können: „Krieg und Marktwirtschaft sind eben letzten Endes unverträglich. Der liberale Gedanke, der die Marktwirtschaft werden ließ, verlangt in folgerichtiger Weiterführung die Herstellung des ewigen Friedens.“ Diejenigen, die an die freie und ungehinderte Marktwirtschaft glauben, sollten besonders skeptisch gegenüber Krieg und militärischen Maßnahmen sein. Schließlich ist Krieg das ultimative Regierungsprogramm. Im Krieg kommt alles zusammen: Propaganda, Zensur, Bespitzelung, Vetternwirtschaft, Gelddrucken, explodierende Staatsausgaben, Verschuldung, Planwirtschaft, Überheblichkeit – alles, was wir mit den schlimmsten Eingriffen in die Wirtschaft verbinden. Wie Ludwig von Mises bemerkte: „Krieg ist schädlich, nicht nur für die Besiegten, sondern auch für die Sieger. Durch Werke des Friedens ist die Gesellschaft entstanden, ihr Wesen ist Friedensstiftung. Nicht der Krieg, der Frieden ist der Vater aller Dinge. Nur durch wirtschaftliche Arbeit ist der Wohlstand um uns herum entstanden; Arbeit, nicht Waffenhandwerk bringt den Völkern Glück. Der Frieden baut auf, der Krieg reißt nieder.“

Durchschauen Sie die Propaganda! Hören Sie auf damit, den Staat zu stärken und zu bereichern, indem Sie seine Kriege bejubeln! Vergessen Sie die Schlagworte aus dem Fernsehen, betrachten Sie die Welt mit neuen Augen, ohne die Vorurteile der Vergangenheit und ohne die Version Ihrer eigenen Regierung zu  bevorzugen. Seien Sie anständig. Seien Sie menschlich. Lassen Sie sich nicht täuschen von den Joe Bidens, den John McCains, den Barack Obamas und den Hillary Clintons. Weisen Sie das größte Regierungsprogramm von allen zurück. Der Frieden baut auf. Der Krieg reißt nieder.

Information

Der (hier leicht gekürzte) Artikel erschien zuerst auf LewRockwell.com und wurde von Ulrich Wille für ef ins Deutsche übersetzt. Llewellyn H. Rockwell, Jr., früherer Redaktionsassistent von Ludwig von Mises und Kongress-Stabschef von Ron Paul, ist Gründer und Geschäftsführer des Mises-Institutes, Nachlaßverwalter Murray N. Rothbards und Chefredakteur von LewRockwell.com.


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