14. März 2010

Kampagne gegen die katholische Kirche Wie sich die Bilder doch gleichen

„Den Zeitungsredaktionen lag der Text bereits vor“

von Frank W. Haubold

„Am Freitagabend, dem 28. Mai 1937, hielt Reichspropagandaminister Joseph Goebbels in der Berliner Deutschlandhalle eine sorgfältig vorbereitete und inszenierte Rede. Die Gauleitung der NSDAP hatte 20.000 Mann als Publikum auf die Beine gebracht, die SA-Formationen der Hauptstadt waren mit ihren Bannern angetreten, Märsche und Kampflieder stimmten die Zuhörer auf den Goebbels-Auftritt ein. Alle deutschen Rundfunksender übertrugen ihn live. Den Zeitungsredaktionen lag der Text bereits vor. Das Thema der Rede war die moralische Verkommenheit der katholischen Kirche. Zwei Monate vorher hatte Papst Pius XI. die Nationalsozialisten schwer verärgert, als er mit seiner Enzyklika die kirchenfeindlichen Schikanen angeprangert und den ideologischen Totalitätsanspruch des Regimes bestritten hatte. Zum Gegenschlag nutzten die Machthaber eine Reihe von Sittlichkeitsprozessen gegen Priester und vor allem Ordensleute, die seit 1936 unter starkem politischen Druck im Gange waren, schon reichlich Propagandaaufmerksamkeit gefunden hatten und nun durch den Ministerauftritt auf eine offizielle Ebene gehoben wurden“, berichtete 2002 Jan Ross in der Wochenzeitung „Die Zeit“.

Die tatsächlichen Gründe für die Abneigung des NS-Führung gegen den katholischen Klerus lagen allerdings tiefer, als es die „Zeit“ damals vermutete. Bereits 1930 hatte Alfred Rosenberg mit dem „Mythus des 20. Jahrhunderts“ dir Grundlage für eine völkisch-rassistische Blut- und Boden-Religion geschaffen, die vom katholischen Klerus durchaus zutreffend als „Verdrängung christlicher Gehalte aus der Öffentlichkeit“ wahrgenommen und abgelehnt wurde. Diese Verweigerungshaltung war die unmittelbare Ursache für eine Prozesslawine gegen katholische Priester und Laien wegen angeblicher Devisen- und Sittlichkeitsdelikte sowie eine beispiellose Propagandawelle, mit der Goebbels seinen Ministerialdirektor Berndt beauftragte. Im Rahmen dieser Kampagne erklärte der „Völkische Beobachter“ unter anderem, die Sexualdelikte seien „die naturnotwendigen Folgen eines widernatürlichen Systems“ – eine These, die in der gegenwärtigen Kampagne deutscher Qualitätsmedien gegen die katholische Kirche und den Papst fröhliche Urständ feiert. Aber auch sonst liefert die aktuelle Diskussion reichlich Stoff für Déjà-vu-Gefühle, was natürlich die Frage nach den Motiven der heutigen Protagonisten aufwirft.

Mittlerweile haben sich die bundesdeutschen Qualitätsmedien derart auf Kirche und Papst eingeschossen, dass sich selbst der sonst eher diplomatisch zurückhaltende Vatikansprecher Federico Lombardi genötigt sah, von einer Kampagne zu sprechen: „In den letzten Tagen gab es einige, die mit einer gewissen Verbissenheit in Regensburg und München nach Elementen gesucht haben, um den Heiligen Vater persönlich in die Missbrauchs-Fragen mit hineinzuziehen.“ Dass damit nicht nur Herrn Prantls Dreigroschenjungen von der „Süddeutschen Zeitung“ gemeint sind, sondern die deutschen Qualitätsmedien insgesamt, liegt auf der Hand.

Woher aber rührt der an finsterste Zeiten gemahnende Hass der 68er-„Eliten“, die heute die Redaktionsstuben dominieren, gegen die katholische Kirche, den Vatikan und vor allem den deutschen Papst?  Die Antwort ist nicht schwer zu finden und überraschenderweise ist es die gleiche wie die von 1936: Die Verweigerungshaltung der katholischen Kirche gegenüber den ideologischen Bestrebungen der Herrschenden.  Auf den ersten Blick ist zwar kaum ein stärkerer Gegensatz zwischen den Vorstellungen der Nationalsozialisten und den Vorstellungen der 68er-Ideologen vorstellbar, zumal der demonstrative – und zudem völlig gefahrlose – Antifaschismus heute den letztverbliebnen Kitt darstellt, der die Lebenslügen dieser Klientel zusammenhält.

In einem gleichen sich aber alle Ideologien: In ihrem universellen Machtanspruch, der keinerlei Widerspruch oder Nebenherrschaft duldet. Anders als die evangelische Kirche, deren Führungen sich bis heute stets servil den herrschen Ideologien unterordneten, blieb die römisch-katholische Kirche zumeist auf Distanz, erst recht im Hinblick auf weltanschaulichen Fragen. So wie sich der katholische Klerus der nationalsozialistischen Rassenideologie widersetze (Widerlegung des „Mythos“ durch Teuch und Algermissen),  wendet er sich heute gegen ideologisch determinierte Erscheinungen wie Gender-Mainstreaming, Massenabtreibung und Familienzerstörung und zieht damit den Hass der Zeitgeistjünger auf sich. Dabei ist der Umstand, dass das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche ein Deutscher (im Weltbild der 68er die Inkarnation des Bösen) ist, ein zusätzlicher Stachel im Ideologenfleisch.

Da in einer modernen Demokratie die klassischen sozialistischen Methoden der Behandlung von „Systemgegnern“ (Massenmord, Lagerhaft, Entzug der Lebensgrundlagen, Vertreibung) nicht zu Verfügung stehen, bleibt letztlich nur das Mittel der Verleumdung und gesellschaftlichen Ächtung. Dieses Instrumentarium beherrschen die sich selbst gleichschaltenden Qualitätsmedien dieses Landes allerdings bis zur Perfektion, wie die „Fälle“ Hohmann, Herman oder Pius-Bruderschaft nachhaltig belegen, wobei die perfide Fehlinterpretation eines religiösen Gnadenaktes samt „Zurechtweisung“ des Papstes durch die ehemalige FDJ-Sekretärin Merkel gewiss einen vorläufigen Höhepunkt darstellte. Aber noch ist ja nicht aller Tage Abend, und so wie die Gestapo-Schnüffler seinerzeit mit Zigaretten, Schokolade und Drohungen in Waldbreitbach auf Zeugensuche hinsichtlich sexueller Verfehlungen unterwegs waren, sind es heute die genannten Dreigroschenjungen in Ettal, Regensburg und anderswo. Die nächste Schlagzeile ist also nur eine Frage der Zeit...


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