28. Juni 2016

RezensionUlrich Schacht: Kleine Paradiese

Erzählungen

Artikelbild

Ulrich Schacht wurde 1951 im Frauengefängnis Hoheneck geboren. 1973 wurde er in der DDR wegen „staatsfeindlicher Hetze“ zu sieben Jahren Freiheitsentzug verurteilt. Nach der Entlassung arbeitete er unter anderem als Feuilletonredakteur und Chefreporter für Kultur der Zeitungen „Die Welt“ und „Welt am Sonntag“ sowie als Autor für die „Süddeutsche Zeitung“, den „Focus“ und „Die Zeit“.  Heute wohnt er als freier Autor in Schweden. Neben vielen Preisen erhielt er im September 2012 das Calwer Hermann-Hesse-Stipendium. „Konservativ sein heißt, den Menschen und seine Geschichte vor der Versklavung durch den Fortschritt in Schutz zu nehmen“, sagte Schacht vor Jahren. Der Versklavung stehen nun seine „Kleinen Paradiese“ im Wege. Trotzig, aber poetisch. Elf Erzählungen hat er in dem Büchlein versammelt. Beobachtungen rund um seinen Hof in Schweden, Reisebekanntschaften dank  Stromausfall, venezianische Streifzüge und Schwindelerregendes in Lenins Mausoleum. Schachts Erzählungen sind impressionistisch und bieten auch historische, politische Dimensionen. Die Idylle bewegt ihn. Die Ruhe vor der digitalisierten und politisierten Hektik des Zeitgeistes. Pausen im weißen Rauschen der medialen Dauerbeschallung. In vielerlei Alltagsbegebenheiten macht Ulrich Schacht das Innehalten immer wieder deutlich, greifbar und erlebbar. Er erzählt über das Leben und seine Schönheiten, über unverdaute Geschichte und legendäre Orte des kleinen Glücks. Schacht entdeckt sie überall. „Poesie“, sagte Ulrich Schacht ebenfalls einmal, „versüßt, selbst wenn sie das Salz in der Wunde bewahrt“. Den autobiographischen Kern seiner Erzählungen spricht er nie aus. Er ist aber stets gegenwärtig, ohne sich aufzudrängen. „Kleine Paradiese“ ist ein herausragender Erzählband, der den geneigten Leser mit Leichtigkeit in entspannende Gefilde entführt. Eines von drei Büchern, die ohne jeden Zweifel ins Reisegepäck gen herbstlicher Nordseeküste gehören.


„Ulrich Schacht: Kleine Paradiese – Erzählungen“ bei amazon.de kaufen


Artikel bewerten

Artikel teilen

Facebook Icon Twitter Icon VZ Icon del.icio.us Logo Reddit Logo

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

Dossier: Literatur

Mehr von Henning Lindhoff

Über Henning Lindhoff

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige