14. Oktober 2016

RezensionJack Donovan: Der Weg der Männer

Von Menschen und Schimpansen

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Jack Donovan ist ein Individuum: tätowiert, muskelbepackt, homosexuell. Er gibt den kernigen Naturbuschen, der sich der Gendertyrannei um keinen Preis beugen will. Eine Art Manifest dazu hat Donovan mit seinem Buch „Der Weg der Männer“ vorgelegt, das nun dank der Übersetzungsarbeit von Martin Lichmesz in deutscher Sprache erschien. Es ist ein Buch, das anfangs begeistert, aufgrund seiner schlichten aber kraftvollen Botschaft: „Mehr Bande wagen!“ Es ist aber auch ein Buch, das mit zunehmender Lesedauer verärgert, aufgrund seiner kraftvollen, aber letzten Endes zu schlichten Botschaft. Auf den ersten gut 100 Seiten lässt es sich prima mitschwingen mit dem Autor. Er schreibt über Mut und Kraft und Heldentum. Er nimmt kein Blatt vor den Mund. Das tut gut. Dann aber knöpft sich Donovan die große weite Welt vor. Und scheitert. Seine Einteilung der menschlichen Lebenswege in „männliche“ und „weibliche“, seine Philosophie über Bonobos und Schimpansen hinterlassen zu viele Fragezeichen – ohne dass der Autor Fragen stellt. Donovan malt die Welt schwarz und weiß. Doch zumindest eine Frage wäre notwendig gewesen für etwas Farbe: Was unterscheidet den Menschen vom Schimpansen? Diese und viele andere Fragen stellt der Autor nicht. Seine Alternative, eine Theorie über Globalisten, die der Männlichkeit den Krieg erklärt hätten, kann darüber nicht hinwegtrösten. Zu einfach ist sie letzten Endes. Und sie umgeht die Suche nach einem ökonomisch orientierten Erklärungsversuch: Welche individuellen Lebenslagen bringen Frauen und Männer heute dazu, so zu handeln, wie es Donovan nicht gefällt? Dabei ist das Feld der Familienbanden trefflich geeignet, um die zahlreichen Rätsel rund um das Handeln der Individuen alltagsnah zu lösen. Es ist schade um diese verpasste Chance. So bleibt ein erfrischendes, etwas ärgerliches Buch. Ein Buch aber endlich, das wieder Gemüter erhitzt und Seelen berührt.


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