03. Mai 2016

RezensionMichael Klonovsky: Aphorismen und Ähnliches

Zwist und Streit und Stimmungsaufheller

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Michael Klonovsky ist zurück. Der Schriftsteller legt mit seinem vorliegenden Bändchen einen gelungenen Nachfolger zum im Lichtschlag-Buchverlag erschienenen „Jede Seite ist die falsche“ vor. Bereits der Einband zeigt deutlich, wohin die Reise geht. Die abgebildete griechische Göttin des Streits und der Zwietracht Eris verspricht Provokation und Reaktion. Reaktion vor allem auf die linksgrüne Gleichheitsseifenoper der Gegenwart. Klonovsky eben, wie man ihn kennt und schätzt. Der Autor, angefeindet von den ihn im Medienzirkus umringenden Gutmenschen, ist härter geworden, unnachgiebiger. Keinen Fußbreit hat er Platz gemacht. Versöhnung ist Klonovskys Sache nicht. Geprägt gleichermaßen von den Totalitären der DDR und BRD spannt er einen thematischen Bogen von spirituellen Themen über menschliche Paarbeziehungen, die Bedeutung von Autorität und Bindung bis hin zum allgemeinen Niedergang der europäischen Kultur. Anknüpfend an den ersten Aphorismen-Band liest man hier über demokratische Gepflogenheiten – „Wo Barbaren herrschen, hält man große Stücke auf den Konsens.“ –, über den Segen der Fortpflanzung – „Wer ohne Kinder gelebt hat, hat nie in einen Spiegel geschaut.“ –, sowie über menschliche Herdenmentalität – „Das zentrale Paradoxon der modernen Geschichte besteht darin, dass überall die Herrscher verschwinden, aber die Beherrschten nicht weniger werden.“ –, um schließlich auch einen Blick in das Seelenleben des Autors erhaschen zu können – „Es gibt Leute, die verzeihen einem das Talent nie“. Wer das weinerliche Vegetieren im Einheitsbrei der Republik satt hat, wird in Klonovskys Aphorismen einige wohltuende Stimmungsaufheller finden. Wer den Autor noch nicht kennt, dem sei dringend zum Kauf dieses Bändchens geraten, um sein intellektuelles Repertoire um einige Perspektiven zu erweitern. Und wer sich gar zur Fraktion seiner Kritiker zählt, sollte ebenfalls zugreifen. Zwist und Streit tun schließlich bitter not. 


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