10. März 2015

ZDF-Freak-Journal Marietta Slomka erklärt sich die Welt

Einmal probegesehen, reicht dann auch

Dossierbild

Das ZDF heute-journal ist eine Nachrichtenlese-Sendung für Deutsche. Also nur für Biodeutsche, denn Migrantenstämmige mit deutschem Pass oder Ausländer können die Sendung nicht verstehen. Das liegt aber nicht daran, dass darin in einem professoralen Deutsch mit vielen Fremdwörtern gesprochen oder der Schwerpunkt auf deutsches Brauchtum gelegt wird, sondern an der Plazierung und Bearbeitung einzelner Beiträge in solch raffiniert manipulativer Manier, dass allein ein hirngewaschener und vom diesem Drecksstaat zum Gutmenschentum gezwungener Doofdeutscher die Botschaft zu kapieren vermag. Die ganze Veranstaltung ist sozusagen ein einvernehmliches Augenzwinkern von den Machern Richtung Zuschauer nach der Devise „Verstehst mich schon …“

Die Sendung beginnt sehr fraulich: Hurra, die Frauenquote für Aufsichtsräte ist endlich da! Irgendwelche dahergelaufenen Vollpfosten von Politikern stellen sich im Bundestag zum Gruppenbild für diesen Jahrtausenddurchbruch und grinsen, was die durch erlesenes Essen aufgeschwemmte Fratze hergibt. Nur 30 Prozent der Aufsichtsräte? „Da wäre mehr drin gewesen“, moralisiert eine Trulla, die gehandicapt durch ihren gut gepolsterten Bundestagssessel von einer freien Marktwirtschaft so viel Ahnung hat wie ich von der Molkereiwirtschaft. Die Frauenministerin Manuela Schwesig, die früher nicht von ungefähr das menschenverachtende Metier der Steuerfahndungsprüfung ausgeübt hat, die es sich also ihr Lebtag vom erarbeiteten Geld anderer Leute gutgehen ließ, brabbelt auch etwas von Gleichberechtigung und so, weil sie, Frau halt, glaubt, sich Anfang der 1970er zu befinden, als man noch „Woman is the Nigger of the World“ sang.

Fraulich geht's weiter. Hurra, „die Pille danach“ gibt es jetzt rezeptfrei! Pro Familia, eine Organisation, die eigentlich „Contra Familia“ heißen müsste, weil keine andere Stelle so viele „Beratungsscheine“, also Erlaubnisse für eine Abtreibung ausstellt, findet das super. Hätte mich auch gewundert, wenn nicht. Und was halten die Frauen selbst im Straßeninterview davon? Die finden es auch super. Allerdings ist das Straßeninterview auch superrassistisch, weil keine Kopftuch- und Schleiertanten gefragt werden, sondern ausschließlich arische Blondchen. Adieu, Kondom!

Im Nachrichtenüberblick gibt es eine zu Herzen gehende Meldung. Die deutschen Dschihadisten würden von der IS regelrecht verheizt, heißt es. Schlimm, oder? Da reist man für die gute Sache rund um die Welt, bringt sich im Job ein, und darf nichts außer sich für den Mindestlohn von 8,50 Euro brutto in die Luft sprengen. Deutschland weint.

Nächster Punkt der Berichterstattung, die sich mittlerweile zu 80 Prozent um die Islam-Scheiße dreht, ist die Terrorgefahr in Bremen, da IS offenkundig nicht jeden Deppen aufnimmt und die frustrierten Zurückgebliebenen in einer der widerlichsten und rot-grün-versifftesten Städte Deutschlands um Aufmerksamkeit betteln müssen.

Aber dann kommen endlich die Schmankerln, jene von Manipulationsspezialisten des ZDF orchestrierten Verarschungen, ohne dass der Verarschte es selber merkt, dabei aber die Verarschung so tief verinnerlicht, dass er später als Argumentationshilfe stets zu dieser greift. Wie ich schon erwähnte, ist der Islam scheiße. Kann man aber so nicht sagen. Was tun? Vielleicht kann man es in der Weise bewerkstelligen: Marietta Slomka leiert die barbarischen Zerstörungen von Kulturgütern und Plattmachungen ganzer historischer Städte per Bulldozer durch die IS in astreiner Relativierungstechnik schon mal lecker an:

„Dass religiöser Fanatismus mit der mutwilligen Zerstörung alter Kulturgüter einhergeht, ist kein neues Phänomen. Man denke nur an den sogenannten Bildersturm zur Zeiten der Reformation, als in Europa zahlreiche Kirchenschätze dem Vandalismus radikaler christlicher Reformer zum Opfer fielen.“

Häh, wann war das eigentlich gewesen? Ach, im 16. Jahrhundert, also erst vorgestern. Dann sind wir ja auch nicht viel besser als die „religiösen Fanatiker“ dieser ganz, ganz anderen Religion. Das „Phänomen“ ist demnach was total Normales, kann quasi jedem passieren, kommt schon mal vor, sogar heute noch bei uns, wenn diese Andersreligiösen Kirchen schänden. Ja, dann …

Aber warum tun die ISler so etwas, warum vernichten sie ihre eigene Kultur, ihren historischen Identitätenschatz? Immer wenn es solch knifflige Fragen zu beantworten gilt, wird Michael Lüders vor die Kamera gezerrt. Der Michael ist Islamexperte und kann alles erklären, insbesondere wie so ein Islamhirn tickt. Zwar war in der Vergangenheit alles Blödsinn, was er von sich gab, und jede einzelne seiner Voraussagen hat sich als Quatsch herausgestellt, aber das ZDF kann von ihm einfach nicht lassen, weil er halt total nachvollziehbare Erklärungsmuster absondert. Auch für den Umstand, weshalb diese Islamirren ihre eigene Kultur niederwalzen, hat er eine sensationelle Erklärung:

„Es gibt ja schon seit längerem Hinweise darauf, dass die Amerikaner eine Bodenoffensive starten könnten gegen den Islamischen Staat. Der Islamische Staat reagiert nicht zuletzt mit dieser Bilderzerstörung, mit diesem Furor gegenüber vorislamischer Kultur, indem er sagt: Wir können euch überall treffen, und kommt doch, greift uns an, wir werden unsere Widersacher sämtlich vernichten.“

Verstehe … Das heißt so ganz verstehe ich es doch nicht. Vielleicht aber hilft uns ein Rollenspiel weiter. Wir befinden uns bei der Generalität des Islamischen Staates, und gerade kommt die alarmierende Meldung hinein: Die Scheiß-Amerikaner wollen uns angreifen! Ein General ist der Auffassung, dass man zur Vorbereitung vielleicht die Kalaschnikows ölen sollte. Aber das kann ja jeder. Ein anderer meint, dass man den Feind in einen Hinterhalt locken müsste. Abgelehnt! Da plötzlich kommt dem Militärgenie die einzig folgerichtige Idee für solch eine Gefahrensituation: Wir zerstören unsere eigenen historischen Kulturstätten! Wenn der Ami das sieht, scheißt er sich vor Angst sofort in die Hose. Außerdem ist ja dann bei uns schon alles kaputt, so dass man sich gar nicht mehr hier herbemühen muss. Ja, so könnte es gewesen sein. Doch das Allerbeste, was der ZDF-Zuschauer von diesem Interview mit einem hochgradig verwirrten Michael Lüders mitnimmt, ist, dass eigentlich die Amerikaner an der kulturellen Barbarei schuld sind. Auftrag erfüllt!

Zum Schluss gibt es bei dieser Freak-Show namens „heute-journal“ den Kinotipp für‘s Wochenende. Bestimmt läuft ein Blockbuster an, und da will der oberschlaue ZDF-Seher natürlich gut beratschlagt werden. Slomka stellt zur Freude aller nicht so ein primitives Superheldenepos vor, sondern einen Dokumentarfilm, auf den ganz Deutschland noch gewartet hat, weil das Thema medial bisher kein einziges Mal beleuchtet wurde: „Willkommen auf Deutsch“. Schon die wenigen Ausschnitte machen die dreifache Botschaft des Films klar: Erstens: Jeder Asylbetrüger darf hier rein. Zweitens: Kein Asylbetrüger darf abgeschoben werden. Drittens: Wer was dagegen hat, ist ein Nazi. Ja, eigentlich braucht man sich gar nicht mehr ins Kino zu bemühen. Die drei Punkte auswendiglernen genügt.

Als schließlich die Wettervorhersage kommt, ist man sich nicht mehr so sicher, ob die vom ZDF die Vorhersage manipulieren oder das Wetter.

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Facebook-Seite des Autors.

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