11. März 2015

Offener Brief zur Kampagne der Grünen Hochverehrte Staatsanwaltschaft Bonn

Klar, wir sind alle Charlie, aber darf Satire das?

Dossierbild

Hochverehrte Staatsanwaltschaft Bonn,

mein Name dürfte Ihnen geläufig sein, bin ich doch durch Ihren unermüdlichen und unerschrockenen Einsatz für Recht und Ordnung bereits zweimal zu einer Vorstrafe und der Abgabe keiner geringen Geldsumme verurteilt worden. Nein, ich habe mir keine Kinderpornos auf meinen Laptop runtergeladen, denn dann wäre ich ja logischerweise zu gar nichts verurteilt worden und die gesamte Presselandschaft Deutschlands hätte Artikel über mich geschrieben, die voll des Mitleids mit mir gewesen wären. Aber was soll ich machen, ich finde nackte kleine Kinder, die man mit Rauschmittel und einer warmen Suppe gefügig gemacht und deren Geschlechtsteile man vorher für die Kamera stimuliert hat, damit sie besonders prägnant rüberkommen, nun einmal nicht sexuell erregend. Insofern war meine Strafe aus Ihrer Sicht und von Ihren Moralvorstellungen her voll gerechtfertigt.

Vielmehr habe ich mich unter anderem über eine Gender-Mainstream-Tante, die wie Sie selbst ebenfalls wie die Made im Speck von meinen Steuern lebt, auf eine pointierte Weise lustig gemacht. Insbesondere über ihr Aussehen. Gut, das war etwas unfair von mir, denn bekanntlich kann man für das eigene Aussehen nichts. Andererseits lehrt uns die Lebenserfahrung, dass gerade die Erscheinung eines Menschen den nachhaltigsten Eindruck beim Gegenüber hinterlässt, sind wir doch alle Augentiere. Dieses Phänomen ist im zwischenmenschlichen Bereich von solch eminenter Bedeutung, dass es schon vor Jahrtausenden Eingang in die Kunst, überhaupt in jegliche kulturelle Spielart gefunden hat und es so zu einer Typologie, Ikonographie und zu Idealisierungen und zu deren Gegenteil kam. Was ich damit ausdrücken möchte, ist Folgendes: Die Einschätzung des Äußeren des anderen vermittels Vereinfachung oder Überhöhung ist dem Menschen inne, sie ist normal.

Auch die Werbung bedient sich der künstlerischen Technik der Simplifizierung oder der Vergröberung der äußerlichen Erscheinung, und da sie ja im Auftrage von zu verkaufenden Produkten oder Dienstleistungen steht, sehen wir darin überwiegend schöne Menschen. Selbstverständlich gibt es auch schockierende, verstörende, ja, an unser Ekelgefühl appellierende Werbung. Die Stoßrichtung ist immer an die Frage gebunden, was will man damit erreichen? Zu kompliziert? Ich gebe Ihnen ein begreifbares Beispiel.

Sie kennen doch sicher die Partei Die Grünen. Deren NRW-Ableger hat nun eine Anzeigenkampagne mit dem Slogan „Gleichberechtigung ohne Worte“ gestartet. Anstatt bezahlte Models sind in dieser Fotoserie Vertreter ihres Parteipersonals zu sehen, welche durch pantomimische Posen einen auf der rechten Seite zum Nachdenken anregenden Spruch unterstreichen sollen. Ich weiß nicht, ob das eine so gute Idee war, denn mit den Grünen verbindet man ja normalerweise schöne Dinge wie Natur, Bevölkerungsaustausch durch Kolonisierung von Ausländern und die Aufhebung des Inzestverbots, so dass die Mama sich eines schönen Tages auf das Gesicht des eigenen Sohnes setzen darf. Sie brauchen nur die einzelnen Bilder durchzuklicken, und schon werden Sie meine Irritation in Bezug auf das Gesehene verstehen. Vielleicht geht es Ihnen ja genauso wie mir, und Sie fragen sich dann ebenfalls: Was will uns der Künstler damit sagen?

Am Anfang erscheint eine Edelmira Zarniko. „Dein Kommentar zur Frauenquote der Großen Koalition“ heißt es daneben, und Edelmira hält beide Daumen erdwärts, was bedeuten soll, dass sie davon nichts hält. Der Eyecatcher ist jedoch die Person selbst. Irgendetwas scheint mit ihrem Gesicht nicht in Ordnung zu sein, es wirkt irgendwie verbrüht. Wäre es da nicht naheliegender gewesen, wenn Edelmira stattdessen für die Prävention von Haushaltsunfällen geworben hätte? Meine Meinung.

Ein paar Bilder weiter sehen wir Sebastian Girrullis und Eva Kauenhowen. Wie ihr Nachname schon assoziieren lässt, könnte ich mir Eva sehr gut als Gästin in einem der Bacchanale in meiner Villa vorstellen, die ich gelegentlich zu veranstalten pflege und deren Höhepunkte stets im erotischen Partnertausch kulminieren, also mit mir als einzigem Partner. Aber der Sebastian, aber der Sebastian … Kennen Sie die Cartoon-Serie „Beavis and Butt-Head“? Sie lief eine Zeitlang sehr erfolgreich auf MTV und handelte von zwei „Vollidioten und Arschgesichtern“ (Wikipedia), die den ganzen Tag Musikvideos kommentierend vor ihrem Fernseher sitzen, Nachos essen, planlos durch die Gegend laufen und Unsinn machen. Würde es zu einer Realverfilmung dieses Sujets kommen, würde Sebastian mit absoluter Sicherheit als Sieger aus dem Casting hervorgehen.

Gleich darauf kommt eine alte Frau namens Karin Schmitt-Promny ins Bild. Vermutlich setzt sie sich bei den Grünen für eine bessere Behandlung von Demenzkranken ein. Interessant ist das Handzeichen, das sie macht. Kennen sie jenes, welches man verwendet, um zu demonstrieren, dass ein Mann ein zu kurz geratenes Geschlechtsteil besitzt? Genau das! Aus dem Foto ist allerdings nicht herauszulesen, weshalb ein Mann mit einem kurzen Gemächt oder einem so ehrfurchtsgebietenden wie bei einem Blauwal Karin den Hof machen sollte. Das Bild spricht im besten Sinne des Wortes für sich. Das folgende übrigens auch, in dem eine wohlgenährte gewisse Gönül Eglence mit beiden Händen das Zeichen für „Ich bin total verrückt geworden!“ gestikuliert.

Dann kommt noch eine alte Frau, die jedoch ganz offenkundig nicht von unserem Planeten stammt, denn sie eifert mit ihren alten Händen dem intergalaktisch berühmten Gruß von Commander Spock nach, dem sie übrigens bis zum I-Tüpfelchen ähnelt.

Da plötzlich schleicht sich schon der erste Fehler in die Fotoserie ein. Auf dem Bild ist ein Mann mit dem Namen Verena Verspohl zu sehen, und wie zur Bestätigung, dass es sich hier ganz klar um eine Verwechslung handelt, hat der Kerl auch noch die Arme mit strammem Bizeps zur Bodybuilder-Pose hochgereckt. Selbstverständlich ist es kein schöner Mann, aber wie sagte doch eine Freundin von mir einmal: „Es gibt keine hässlichen Männer!“

Weiter geht’s mit Johannes Remmel. Sonderbarerweise zeigt er ebenfalls das So‘n-kleiner-Pimmel-Zeichen. Schwer zu sagen, ob es sich dabei um einen Hilferuf oder einen Akt der Selbstdemütigung handelt. Vom Letzteren ist anscheinend auch Adelheid Kubitz-Eber ein Opfer, denn die sehr alte Frau in dem sehr alten Outfit trägt den scheußlichsten Schal in dem Altersheim, aus dem man sie vor die Kamera gezerrt hat.

Jäh der Höhepunkt. Ein dicker Mann namens Malte Spitz tut so, als würde er in eine Vase kotzen. Wieder steht rechts: „Dein Kommentar zur Frauenquote der Großen Koalition“. Die Interpretation des Dargestellten ist einigermaßen kompliziert. Möchte Malte am liebsten kotzen, wenn er was von Frauenquote hört? Könnte sein, denn nach diesen surrealen Bildern zu urteilen existieren bei den Grünen überhaupt keine Frauen, sondern nur rudimentär fraulich gestaltete, nun ja, Wesen.

Als nächstes Barbara Steffens, und schon wieder das So‘n-kleiner-Pimmel-Zeichen. Dabei hat sie gar keinen. Oder meint sie damit etwa ihren Kitzler? Wenn ja: Oh, là, là! …

Ditte Gurack – warum tragen die alle so bizarre Namen? – streckt die Zunge heraus und verzieht das Gesicht zu einer In-die-Zitrone-gebissen-Fratze, als man sie fragt: „Wie reagierst du auf das Wort ‚Quotenfrau‘?“, und man möchte es ob dieses Anblicks Malte gleichtun.

Obgleich man davon nicht mehr zu träumen gewagt hätte, wird unversehens noch ein Glanzpunkt gesetzt: Mona Montegenziana. Auch bei ihr ist das Geschlecht ohne einen fachkundigen Arzt für den Betrachter nicht identifizierbar. Mona ist der lebende Beweis dafür, dass es das dritte Geschlecht tatsächlich gibt. Und man lasse sich nicht von ihrer weiblich affinen Kleidung und absonderlichen Accessoires täuschen, sie könnten auch im Februar einem Karnevalsjecken entwendet worden sein, der völlig besoffen irgendwo am Bordstein zusammengebrochen ist.

Sandra Menke, füllige Frau, streckt Zunge raus, sieht nicht schön aus sowas. Gerade zu Abend gegessen …

Und dann das absolute Highlight: The one and only Mr. Volker Beck, der Mensch gewordene Abgeordnete, der Schutzpatron aller Vielfältigen, auch derer, denen Mutter Natur viel mitgegeben hat, zum Beispiel viele, viele Geschlechter, aber leider nicht die entsprechende Anziehungskraft dafür, und der einst Bücher schrieb, in denen es um die unverkrampfte „Annäherung“ von Erwachsenen zu Kindern geht.

Bei so viel Grazie darf natürlich Sylvia Löhrmann nicht fehlen. Die umarmt sich gerade selber. Verständlich – wer sollte es sonst tun?

Verehrte Staatsanwaltschaft Bonn, bitte klicken sie die einzelnen Fotos durch. Haben Sie keine Scheu, haben Sie keine Angst, auch im Grusel versteckt sich stets eine Portion Genuss. Es ist wie eine Grimmsche Reise durch einen verzauberten Wald voller grotesker Wesen. Ja, zum Fürchten zwar, aber auch zum Totlachen. Und falls Sie wieder mal die Strafkeule gegen mich herausholen wollen – kann ich etwas dafür, dass die bei den Grünen alle so aussehen?

Hier die Fotos direkt von den Grünen

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Facebook-Seite des Autors.

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