28. Mai 2013

Europäische Union Und willst du nicht mein Bruderstaat sein, so schlag ich dir den Schädel ein

Vom altbekannten Vokabular der EU-Kader

Jener jammervolle Eindruck, der von einer falsch gedrechselten „Europäischen Gemeinschaft“ durch ihren ruinösen Zustand ausgeht, wird nur noch von der Propaganda überboten, diesen Zustand fortzuschreiben, zu huldigen und zum Bezugspunkt aller politischen Entscheidungen in den Stand der allerersten Doktrin zu setzen. Zunehmend ähnelt die Rhetorik glorreichsten DDR-Zeiten, als ein noch so geringes Wort gegen die „sozialistischen Bruderstaaten“ abgestraft wurde. Der Klassenauftrag, jenen Brudervölkern – zumindest formal – zu helfen, statt zuzumuten, ward wahlweise zur Klassenfeindpropaganda und/oder zur ideologischen Schwäche, welche gegen den „gesetzmäßigen Sieg des Sozialismus über den Kapitalismus“ gerichtet sei, mit ideologischem Kalkül verbreitet. Dies infrage zu stellen zog den gesellschaftlichen Tod nach sich.

Die heutige Propaganda, nur wenig getrübt durch schwache vereinzelte Appelle an die Transferempfänger, ersetzt jene Haltung nahtlos, verzichtet nur auf das „Hoch-Die-In-ter-na-tio-na-le-So-li-da-ri-tät“-Staccato ehedem erfolgloser Strategien. Auch die „Internationale“ wird noch nicht obligatorisch nach den Rettungs-Entscheidungen der EU-Kader und Euro-Apparatschicks der neuen Nomenklatura intoniert. Warum aber? Aus keinem anderen Grund: Es könnte der eigenen Klientel auffallen, wie sehr der dem Pfeiffer im dunklen Wald ähnelnde Slogan im „Lied aller Lieder“, den scheinbar besorgt, real aber insistierend vorgetragenen Solidaritätsgedanken karikiert, heißt es doch darin: „Uns aus dem Elend zu erlösen, können wir nur selber tun.“

Fast klingt dies schon wie eine verhasste „neoliberale Phrase“. Wie sich doch die Zeiten ändern.


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Tanja Krienen

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